1.1 Was bedeutet „Altes Testament"?

Das Alte Testament umfasst 39 Bücher und bildet den ersten Hauptteil der Bibel. Es enthält die Grundlage des Bundes, den Gott mit seinem Volk am Sinai durch Mose geschlossen hat. Das neue Testament dagegen enthält die Grundlage des neuen Bundes, dessen Mittler Jesus Christus ist.

Ein Testament ist ein Bund oder eine Vereinbarung. Damit ein Testament in Kraft treten kann, müssen beide Seiten die Bedingungen für ihre Vereinbarung anerkennen und sich zur Einhaltung verpflichten.
Gott hat im Laufe der Heilsgeschichte verschiedene Bündnisse mit dem Volk Israel, aber auch mit einzelnen Menschen geschlossen. Durch das Leiden und Sterben Jesu Christi auf Golgatha hat Gott einen Bund aufgerichtet, der alle Bündnisse überragt: den neuen Bund.

Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. (Lk 22,20)

Mit dem „Ersten Bund" oder dem „alten Bund" ist der Bund gemeint, den Gott mit dem Volk Israel am Berg Horeb geschlossen hat, als er ihnen das Gesetz gab.

Und Mose rief ganz Israel herbei und sprach zu ihnen: Höre, Israel, die Ordnungen und die Rechtsbestimmungen, die ich heute vor euren Ohren rede! Lernt sie und achtet darauf, sie zu tun! Der HERR, unser Gott, hat am Horeb einen Bund mit uns geschlossen. (5.Mo 5,1.2)

Doch kein Mensch - außer Jesus Christus -war in der Lage, diesen Gesetzesbund einzuhalten. Darum wird bereits im Alten Testament auf das Kommen eines neuen Bundes hingewiesen:

Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da schließe ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund: nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen, - diesen meinen Bund haben {sie} gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war, spricht der HERR. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und {sie} werden mein Volk sein. (Jer 31,31-33)

Wir leben heute in der Zeit des neuen Testaments. Durch die Aufrichtung des neuen Bundes ist der vorherige Bund veraltet:

Indem er von einem «neuen» <Bund> spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt; was aber veraltet und sich überlebt, ist dem Verschwinden nahe. (Hebr 8,13)
Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister; denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus. (Gal 3,23-26)

Das bedeutet allerdings nicht, dass das Alte Testament bedeutungslos ist. Das Alte Testament ist ebenso Gottes Wort wie das Neue Testament. Wir erfahren in ihm Näheres über den Ursprung der Welt, über die Herkunft des Menschen, über das Problem der Sünde, über das Handeln Gottes mit den Menschen, über seine Liebe und Heiligkeit sowie über seinen wunderbaren Plan der Erlösung.

Gottes Wort (AT und NT) hat ewigen Bestand und ist darum maßgebend für unser Leben und für unsere Beziehung zu Gott.

Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen {nicht} vergehen. (Mt 24,35)
«Man hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut ist. Und was fordert der HERR von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und demütig zu gehen mit deinem Gott?»( Mi 6,8)

1.2 Die Einteilung des Alten Testaments

Der Inhalt unseres deutschen Alten Testaments ist mit dem Inhalt in der hebräischen Bibel identisch. Die Anzahl und Aufteilung der einzelnen Bücher ist dagegen unterschiedlich. Unser deutsches AT besteht aus 39 Büchern, der hebräische Text dagegen aus 24 Büchern.

Folgende Bücher wurden zu einem Buch zusammengefasst:

  • 1. und 2. Samuel
  • 1. und 2. Chronik
  • 1. und 2. Könige
  • die zwölf kleinen Propheten
  • Esra und Nehemia

 

Hebräische Bibel

 

Deutsche Bibel

 

Das Gesetz  (Thora) Die Geschichtsbücher  
1.-5. Mose Die Bücher Mose 1.-5. Mose Gesetz Gesetz
    Josua Geschichte
    Richter  
Die Propheten  (Nebiim) Rut 1.-2. Samuel   
Josua  frühere Propheten  1.-2. Könige   
Richter    1.-2. Chronik  
Samuel    Esra   
Könige    Nehemia  
    Ester  
Jesaja spätere Propheten Die Lehrbücher  
Jeremia   Hiob  
Hesekiel   Psalmen poetische Bücher
Die zwölf kleinen Propheten    Sprüche (Weisheitsbücher)
    Prediger  
    Hohelied  
Die Schriften  (Ketubim) Die prophetischen Bücher  
Hiob Poetische Bücher Jesaja  große Propheten
Psalmen Rollen = Megilloth Jeremia  
Sprüche   Klagelieder  
Hohelied   Hesekiel  
Ruth (An Festen gelesen) Daniel  
Klagelieder   Hosea kleine Propheten
Prediger   Joel  
Ester   Amos  
Daniel Geschichtsbücher Obadja  
Esra/Nehemia   Jona  
Chronik   Micha  
    Nahum  
    Habakuk  
    Zefanja  
    Haggai  
    Sacharja  
    Maleachi  

1.3 Der Ablauf der alttestamentlichen Zeit

Siehe Zeitstrahl

1.4 Die Beziehung zu den Apokryphen

Außer den 66 Büchern der Bibel gibt es noch eine Reihe anderer hebräischer Schriften. Die Apokryphen sind 14 religiöse Bücher des späteren Judentums (3.-1. Jahrhundert v. Chr.), die aber nicht zur Bibel gehören.
Apokryphen = griechisch „die Verborgenen"
Mit diesem Begriff wurden ursprünglich die Geheimschriften von Sektierern bezeichnet.
Warum gehören die Apokryphen nicht zur Heiligen Schrift?

  1. Diese Bücher wurden von den Juden nie als Teil der Heiligen Schrift anerkannt.
  2. Die Apokryphen wurden von Jesus nicht zitiert und folglich nicht anerkannt. Er kannte und benutzte das Alte Testament so, wie es uns heute vorliegt.
  3. Die Apokryphen waren ursprünglich nicht in der Septuaginta (erste griechische Übersetzung des AT) enthalten.
  4. Die Apokryphen enthalten Widersprüche zur Bibel.
  5. Auf dem Konzil zu Trient (1546 n. Chr.) wurden die Apokryphen als kanonisch erklärt und sind heute in manchen Bibelausgaben enthalten.

1.5 Die Beziehung zum Neuen Testament

Beide Testamente sind vom Heiligen Geist inspiriert und darum Gottes Wort. Sie gehören zusammen und bilden gemeinsam die Bibel.

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, (2. Tim 3,16)
Denn die Schrift sagt: «Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden», und: «Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.» (1. Tim 5,18)
Sie forschten, auf welche oder auf was für eine Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er die Leiden, die auf Christus <kommen sollten>, und die Herrlichkeiten danach vorher bezeugte. Ihnen wurde es geoffenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienten im Blick auf das, was euch jetzt verkündet worden ist durch die, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, in welche Dinge Engel hineinzuschauen begehren. (1. Petr 1,11.12)
Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist. (2. Petr 1,21)

Der Plan Gottes zur Erlösung (Heilsplan) wird Stück um Stück im Alten Testament offenbart.

Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; {er} wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. (1. Mo 3,15)
Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein! Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! (1. Mo 12,2.3)
Er ist wie ein Trieb vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten. Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet. Jedoch unsere Leiden - {er} hat <sie> getragen, und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen <eigenen> Weg; aber der HERR ließ ihn treffen unser aller Schuld. - Er wurde misshandelt, aber {er} beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf. - Aus Drangsal und Gericht wurde er hinweggenommen. Und wer wird über sein Geschlecht nachsinnen? Denn er wurde abgeschnitten vom Lande der Lebendigen. Wegen des Vergehens seines Volkes <hat> ihn Strafe <getroffen>. Und man gab ihm bei Gottlosen sein Grab, aber bei einem Reichen <ist er gewesen> in seinem Tod, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Mund gewesen ist. Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird <seine> Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Um der Mühsal seiner Seele willen wird er <Frucht> sehen, er wird sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen. Darum werde ich ihm Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ. {Er} aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan. (Jes 53,2-12)

Im Neuen Testament sehen wir, wie viele der alttestamentlichen Prophetien (z.B. auf Jesus hin) in Erfüllung gehen.

Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und im Herzen <zu> träge, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen? Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf. (Lk 24,25-27)
Dem aber, der euch zu stärken vermag nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war, (Röm 16,25)
Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat; er, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens ist und alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt, hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat; (Hebr 1,1-3)

1.6 Die Bedeutung des Alten Testaments

  • Wir bekommen sichere Informationen über die Entstehung der Erde und die Herkunft des Menschen.
  • Im Alten Testament lernen wir Gott in seiner Heiligkeit und Erhabenheit kennen, der die Sünde nicht duldet. Auf der anderen Seite sehen wir die Sündhaftigkeit des Menschen, der dringend Erlösung braucht.
  • Wir sehen, welche Bedeutung das Volk Israel im Heilsplan einnimmt.
  • Der Plan Gottes zu unserer Erlösung wird Stück um Stück entfaltet.
  • In den poetischen Büchern erleben wir verschiedene Menschen auf den Höhen und in den Tiefen ihres Glaubenslebens, die uns Trost in unseren Glaubenskämpfen geben.
  • Die Propheten sprachen nicht nur Gericht über die damaligen Völker aus, sie wiesen bereits auf das Kommen unseres Erlösers sowie auf die Zukunft dieser Welt hin.
  • Die Erfüllung von zahlreichen Verheißungen dürfen wir in Anspruch nehmen.
  • Das Alte Testament bildet die Grundlage zum Verständnis des Neuen Testaments.