Das 1. Buch SAMUEL - Qualifikationen für einen König und die Aufrichtung der Linie Davids

Das aus Stämmen bestehende Israel entwickelte sich allmählich zu einem Königreich. Wie es dazu kam, wird in diesem Buch berichtet.
Das 1. und 2. Buch Samuel greift die Geschichte Israels da auf, wo sie im Buch Richter aufgehört hat. Während der Zeit Samuels durchlebte das erwählte Volk Gottes bedeutende Veränderungen. Man könnte ihn auch als den letzten der großen Richter bezeichnen (Apg 13,20). Samuels Dienst machte ihn auch zum ersten Propheten (Apg 3,24). Er salbte die ersten zwei Könige Israels (Saul und David). Die zwei nach ihm benannten Bücher waren ursprünglich eine Schriftrolle, die später von den Schreibern, welche die Schriftrollen von Hand kopierten, in zwei Bücher unterteilt wurde, da es so komfortabler für sie war.

1. Autor und Abfassungszeit

Autor(en) ist unbekannt, geschrieben ca. 931 v. Chr. oder später. Obwohl die ursprünglichen Verfasser von 1. und 2. Samuel unbekannt sind, hat die alte jüdische Tradition die Verfasserschaft Samuel zugeschrieben (1. Chr 29,29). Auch Nathan oder Gad könnten als Verfasser in Frage kommen.

2. Schlüsselpersonen im 1. Buch Samuel

  • Eli - 40 Jahre Hoherpriester und Richter in Israel; bildete Samuel zum Richter aus (1. Sam 1,3-28; 2,11-4,18)
  • Hanna - Samuels Mutter, gab ihn dem Herrn hin, als er noch ein Baby war (1. Sam 1,2-2,11.21)
  • Samuel - Priester, Prophet und der größte Richter Israels; er salbte die ersten zwei Könige Israels (1. Sam 1,20; 2,11.18-26; 3,1-21; 7,3-13,15; 15,1-16,13; 19,18-24; 25,1; 28,3-16)
  • Saul - der erste von Gott ernannte König Israels; wurde eifersüchtig auf David und wollte ihn umbringen (1. Sam 9,2-11,15; 13,1-19,24; 20,24-33; 21,11-12; 22,6-24,23; 25,44-27,4; 28,3-31,12)
  • Jonathan - Sohn Sauls; beschützte ihn vor Saul und war ein Freund Davids (1. Sam 13,1-14,49; 18,1-23,18; 31,2)
  • David - der größte König Israels; zugleich war er ein Hirte, Musiker und Poet; direkter Vorfahre Jesu (1. Sam 16,11-30,27)

3. Hintergrund und Umfeld

Es ist das erste Mal, dass die uns in der Schrift berichteten Ereignisse (1. und 2. Samuel) sich innerhalb der Grenzen des verheißenen Landes abspielen. Bekannte Orte wie z.B. Jerusalem, Bethlehem, Rama und Hebron sind jetzt jüdische Städte. Das tägliche Leben ist geprägt von Krieg und Auseinandersetzungen mit Völkern, die sich nicht vertreiben ließen, als Israel das verheißene Land eroberte. Das Volk verlangt nach einem König. Saul und v. a. David regieren das Land mit starker Hand. Samuel durchlebt all diese umwälzenden Ereignisse, und spricht im Auftrag Gottes zum Volk und den Führern. Die Geschehnisse in 1. und 2. Samuel ereigneten sich ungefähr in den Jahren zwischen 1105 v. Chr., Samuels Geburt (1. Sam 1,1-28), bis ca. 971 v. Chr., Davids letzte Worte (2. Sam 23,1-7). Folglich umspannt das Buch etwa 135 Jahre. In diesen Jahren wandelte Israel sich von einer lose verbundenen Gruppe von Stämmen zurzeit der „Richter“ zu einem vereinten Volk unter der Regierung eines Königs. Wenn wir die Zeitgeschehnisse betrachten fallen drei Männer ganz besonders auf: Samuel, er diente von 1105 bis 1030 v. Chr.; Saul regierte als König von 1052 bis 1011 v. Chr.; David regierte von 1011 bis 971 v. Chr.

4. Schlüssellehren im 1. Buch Samuel

  • Der davidische Bund - Gott verhieß David, seinen Thron und sein Königtum für immer zu bewahren (1. Sam 2,10; 1. Mo 49,8-12; 4. Mo 24,7-9.17-19; 2. Kö 8,19; 2. Chr 13,5; 21,7; Ps 89,21-38; Jes 16,5; Apg 15,16-18; Offb 22,16)
  • Das Wirken des Heiligen Geistes - befähigt Männer, von Gott gegebene Aufträge auszuführen (1. Sam 10,6.10; 16,13; 4. Mo 11,25.29; Ri 14,6; 27,18; Mt 4,1; 28,19-20; Mk 13,11; Lk 1,35; Joh 14,16.17; Apg 1,8; 2,4; Röm 8,5.6; Gal 5,16-18; Jak 4,5.6)
  • Sünde - Israels Sünde zog persönliche und nationale Konsequenzen nach sich (1. Sam 3,10-14; 4,17-18; 6,19; 13,9.13-14; 15,8-9.20-23; 1. Mo 3; 4. Mo 4,15; 15,30-31; 1. Kö 11,38; 13,34; 2. Kö 21,12; Ps 106,43; Jes 22,14; Jer 19,3; Hes 7,3; 18,30; Joh 8,34; Röm 2,5; Hebr 10,4.26-31)

5. Gottes Wesen im 1. Buch Samuel

  • Gott ist heilig (1. Sam 2,2)
  • Gott ist mächtig (1. Sam 14,6)
  • Gott ist vorhersehend (1. Sam 2,7-8; 6,7-10.12; 30,6)
  • Gott ist gerecht (1. Sam 12,7)
  • Gott ist souverän (1. Sam 9,17; 16,12-13; 24,21)
  • Gott ist weise (1. Sam 2,3)
  • Gott ist zornig (1. Sam 5,6; 6,19; 7,10; 31,6)

6. Christus im 1. Buch Samuel

Während Hanna betet (1. Sam 2,10), sieht sie den zukünftigen von Gott gesalbten König voraus. Dieser Gesalbte, auch Messias genannt, wird Gottes Verheißung an David, ihm einen ewigen Thron aufzurichten, erfüllen.

7. Schlüsselworte im 1. Buch Samuel

  • Hört: Hebräisch shama' (1. Sam 1,13; 2,23; 4,14; 7,9; 8,18; 17,11; 23,11; 25,24) - bedeutet auch „hinhören“ oder „gehorchen“. Dieses wichtige alttestamentliche. Wort taucht über 1.100 Mal auf. Es bringt zum Ausdruck, dass der Hörer seine Aufmerksamkeit ungeteilt auf den Redenden richtet. An gewissen Stellen wird die Bedeutung sogar noch verstärkt; es bedeutet dann nicht bloß hören, sondern schließt den Gehorsam hinsichtlich des Gesagten mit ein. Abraham wurde nicht gesegnet, weil er Gottes Wort nur hörte, sondern weil er ihm auch gehorsam war (siehe auch 1. Mo 22,18, wo das Wort mit „gehorchen“ übersetzt wird). Im dritten Kapitel von 1. Samuel sehen wir Samuel, wie er Gottes Wort hört und entschlossen ist, ihm auch zu gehorchen. Dieser junge Mann ist ein gutes Vorbild. Gott freut sich, solche Männer zu gebrauchen - Männer, die immer bereit sind, Gottes Wort aufzunehmen, um es dann auch zu tun.
  • König: Hebräisch melek (1. Sam 2,10; 8,6; 10,24; 15,11; 18,22; 21,12; 24,21) - kann entweder den Vorsteher eines kleinen Dorfes beschreiben (Jos 10,3) oder den mächtigen Monarchen eines gewaltigen Weltreichs (Est 1,1-5). In den Zuständigkeitsbereich eines Königs der Antike fielen Dinge wie z.B. das Militär (1. Sam 8,20), die Wirtschaft (1. Kö 10,26-29), internationale Diplomatie (1. Kö 5,15-25) und das Rechtssystem (2. Sam 8,15). Oft diente er auch als geistlicher Leiter (2. Kö 23,1-24), obwohl den israelitischen Königen einige Priesterdienste versagt blieben (1. Sam 13,9-14). Die Bibel beschreibt uns David als Beispiel eines gerechten Königs, dessen Herz ungeteilt und treu auf den Herrn ausgerichtet war (Apg 13,22). Gott verspricht David ein immerwährendes Königtum (2. Sam 7,16). Dieses Versprechen wurde in Jesus, menschlich gesehen ein direkter Nachfahre der königlichen Familie Davids, erfüllt (Lk 2,4).
  • Den Bann vollziehen: Hebräisch charam (1. Sam 15,3.8-9.15.18.20) - bezieht sich auf das „absondern, bei Seite stellen“ von unpassenden Dingen, meistens im Zusammenhang mit Verunreinigung auf Grund von Götzendienst. In der Antike betrachtete man heilige und unreine Gegenstände als unpassend für den alltäglichen Gebrauch. Folglich wurden sie völlig zerstört. Gemäß 5. Mose 13,13-16 sollten die Israeliten alles und jeden, der in irgendeiner Form gottlos oder unrein war, auslöschen und zerstören. Die Nichtbeachtung dieses Gebots kostete Achan sein Leben (Jos 7) und Saul den Thron (1. Sam 15,9-11). Paulus erinnert uns daran, dass wir alle gottlos und unrein sind, und nichts als den Tod und Vernichtung verdient haben. Aber Gott hat in seiner großen Gnade beschlossen, alle, die ihr Vertrauen in Jesus Christus setzen, zu erretten (Röm 3,10-26).

8. Gliederung

Samuel: Prophet und Richter über Israel (1. Sam 1,1-7,17)

  • Samuel, der Prophet (1. Sam 1,1 - 4,1 a)
  • Samuel, der Richter (1. Sam 4,1 b - 7,17)

Saul: Israels erster König (1. Sam 8,1 - 15,35)

  • Sauls Aufstieg zum Königtum (1. Sam 8,1 - 12,25)
  • Der Niedergang des saulschen Königtums (1. Sam 13,1 - 15,35)

David und Saul: Israels Königtum wechselt (1. Sam 16,1 -31,13)

  • Einführung Davids (1. Sam 16,1-17,58)
  • David wird von Sauls Hof vertrieben (1. Sam 18,1 - 20,42)
  • Davids Flucht vor Sauls Verfolgung (1. Sam 21,1 - 28,2)
  • Sauls Tod (1. Sam 28,3-31,13)

9. Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde ...

In der Gegend, die heute unter dem Namen Nevada und Kalifornien (USA) bekannt ist, erlebt das Volk der Pintos eine Blütezeit. Heute findet man dort Überreste von Hütten, die aus Weiden, Holz und Lehm erbaut wurden.

10. Häufig auftauchende Fragen

Wenn wir die Meinung der Gelehrten akzeptieren, wonach die überlieferten alten Manuskripte von 1. und 2. Samuel sehr schlecht erhalten sind, stellt sich die Frage, inwiefern das unsere Einstellung hinsichtlich dieser Bücher als Bestandteil des Wortes Gottes beeinflussen wird?

Wenn wir uns die Herausforderung, Schriftrollen von Hand zu kopieren, vor Augen halten, dann ist es eigentlich ein Wunder, dass wir überhaupt die heute vorhandenen Dokumente besitzen. Unsre Haltung sollte sich mehr Richtung Erstaunen bewegen, dass wir so geringe Diskrepanzen vorfinden, anstatt uns allzu sehr mit den Schwierigkeiten, die uns nur verwirren und herausfordern, zu beschäftigen.
Viele der wissenschaftlichen Entdeckungen im Zusammenhang mit der Analyse dieser sehr alten Manuskripte, fördern bloß die üblichen Fehler, die es eben beim Kopieren von Hand geben kann, zu Tage. Wenn z.B. zwei Zeilen mit demselben Wort enden, dann tendiert der Abschreiber dazu, die zweite Zeile völlig zu übersehen. Ein sorgfältiger Vergleich zwischen den Manuskripten und die Rekonstruktion des Textes offenbaren oft solche simplen Fehler. Im Fall von 1. und 2. Samuel haben wir es mit zwei alten Textfamilien zu tun:

  • dem masoretischen Text in der hebr. Sprache und
  • der LXX (Sepuaginta) in Griechisch. Die Septuaginta wurde von hebr. Gelehrten ca. 100 v. Chr. übersetzt.

Wenn wir die zwei miteinander vergleichen, stellen wir fest, dass sie hier (1. Sam und 2. Sam) wirklich mehr Unterschiede aufweisen, als das bei anderen alttestamentlichen Büchern der Fall ist. Wenn es um Zahlen geht, treten des Öfteren Differenzen auf. Grundsätzlich bezieht man sich dann auf den masoretischen Text, da dieser älter ist und somit näher am Original sein sollte, es sei denn, dass die Grammatik und der Kontext auf einen Fehler bei der Abschrift hindeuten. Eine zentrale Tatsache, die wir uns immer wieder in Erinnerung rufen sollten, wenn wir die Möglichkeit eines Textfehlers in Betracht ziehen, ist: Die grundlegenden Lehraussagen der Schrift gründen sich nie auf einen einzelnen Vers oder auf eine umstrittene Stelle. Gottes Erlösungsplan, sowie die Eckpfeiler christlicher Lehre, können quer durch die gesamte Schrift hindurch immer wieder, an verschiedenen Stellen, gefunden werden.

Wie können wir anhand von 1. und 2. Samuel die Rolle, die der Heilige Geist im AT spielte, verstehen?

1. und 2. Samuel veranschaulichen teilweise die Rolle des Heiligen Geistes im AT. Die folgenden Stellen zeichnen spezifische Handlungen des Heiligen Geistes auf: 1. Sam 10,6.10; 11,6; 16,13-14; 19,20.23; 2. Sam 23,2. Diese Stellen bieten einige aufschlussreiche Einblicke in den Dienst des Heiligen Geistes:

  • Es war ein gelegentliches „Kommen auf“ eine auserwählte Person, um einen bestimmten Auftrag zu erfüllen, oder eine bestimmte Aussage zu machen;
  • diese Person(en) kontrollierten nicht den Dienst des Heiligen Geistes, sie hatten keine Macht über ihn;
  • das Erwarten der Hilfe durch den Geist konnte verliehen, aber auch entzogen werden;
  • der Heilige Geist inspirierte bestimmte Personen, Gottes Wort aufzuschreiben oder es auszusprechen.

Jesus versprach die innewohnende Gegenwart des Heiligen Geistes, keine Überraschungsbesuche. Es kann schon mal vorkommen, dass Gläubige in einer bestimmten Situation (ein ganz bestimmter auszuführender Auftrag) eine Art spezieller Stärkung durch den Geist erfahren. Grundsätzlich besteht aber ein entscheidender Unterschied zwischen dem Dienst des Geistes im AT und demjenigen im Neuem Testament. Während es sich im Altem Testament um eine äußerliche Visitation handelte, sehen wir, wie der Geist im Neuem Testament im Gläubigen selbst wohnt.

Entsprach es schon immer Gottes Plan, einen König in Israel einzusetzen oder spiegelte es eher den Wunsch des Volkes wider? Züchtigte Gott sein Volk, indem er ihm eine Monarchie zugestand?

Als Israel das verheißene Land einnahm, begegneten ihm die Könige der ka-naanitischen Stadt-Staaten (Jos 12,7-14). Später, zur Zeit der Richter, war Israel unter von Königen regierte Nationen versklavt (Ri 3,8.12; 4,2; 8,5; 11,12). Im Buch Richter wird das Fehlen eines Königs wiederholte Male angesprochen (Ri 17,6; 18,1; 19,1; 21,25). Der Gedanke, einen König zu haben, genauso wie die umliegenden Nationen, wurde zu einer gewaltigen Versuchung. Gemäß 5. Mose 17,4 kannte Gott jedoch Israels Herzenswunsch bereits und ließ es schlussendlich gewähren. 1. Samuel 8,4-20 offenbart, dass sein Wunsch sich eigentlich auf eine Ablehnung Gottes gründete.
Trotz der eindringlichen Warnungen von Seiten Samuels hinsichtlich der Nachteile, die eine Monarchie mit sich bringen würde, stellte das Volk fest, dass es drei zwingende Gründe gäbe, warum sie auch einen König bräuchten (1. Sam 8,20):

  • um so zu sein, wie die Nationen;
  • um einen nationalen Richter zu haben;
  • um einen Kriegshelden zu haben.

Jeder dieser Gründe widersprach Gottes Absichten zutiefst:

  • Israel sollte eine heilige Nation sein, und nicht wie alle anderen;
  • Gott war ihr ultimativer Richter;
  • Gott hatte ihre Schlachten für sie geschlagen, ein König hingegen würde sie in den Krieg schicken.

Israels Problem war nicht, dass es einen König haben wollte, sondern, dass es Gott durch einen Herrscher aus seinen Reihen, einen Menschen, ersetzen wollte. Es tauschte den gewaltigen und mächtigen Herrscher, den es nicht sehen konnte, gegen einen sichtbaren ein, der letztendlich doch bloß versagen konnte.

11. Kurzstudium zum 1. Buch Samuel/einige Fragen

· In welcher Weise beeinflusste Samuels Kindheit seinen Dienst als Richter und Prophet?
· Welche herausragenden Charaktereigenschaften erkennen wir im Leben von Samuels Mutter Hanna?
· In welcher Beziehung stand Samuel zu den ersten zwei Königen Israels?
· Was offenbart diese Beziehung über Gottes Sicht im Bezug auf Könige?
· Inwiefern spielt Gehorsam die Hauptrolle im 1. Buch Samuel?
· Samuel erfuhr in seinem Leben eine spezielle Berufung durch Gott.
· Wie beeinflusst diese Tatsache dein Leben, denn Gott hat doch auch für dein Leben einen bestimmten Plan, oder?

Impressum

John F. MacArthur
1. Auflage 2003
© 2001 by John MacArthur
Originaltitel: The MacArthur Quick Reference Guide To The Bible
Nelson / Word Publishing Group, Nashville
© der deutschen Ausgabe 2003
by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung
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Internet: www.clv.de 
Übersetzung: Martin Manten, Berlin
Lektorat: Claudia Kreutzer und Gabi Manten
Satz: CLV
Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN: 3-89397-644-2