Jesaja

Inhalt

Thema: Die Rettung kommt vom Herrn
Bei seiner Berufung bekam Jesaja den Auftrag, als Bote des Herrn die Botschaft Gottes an sein Volk weiterzugeben und das Gericht Gottes anzukündigen. Seine Gerichtsbotschaften beziehen sich zunächst auf Juda selbst. Darüber hinaus verurteilt er die Sünden der umliegenden Völker um Juda herum und kündigt ihnen ebenso Gottes Gericht an. Mitten im Vollzug der Strafen gibt Gott aber auch immer wieder eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes. So empfängt Jesaja eine umfassende Prophetie über das Kommen des Messias auf diese Erde und einen Blick in das zukünftige Friedensreich.

Die drei großen Themen des Buches Jesaja lassen sich in etwa wie folgt einteilen:
· die zeitgeschichtliche Botschaft: Kap. 1-39
· die messianische Botschaft: Kap. 40-55
· die endgeschichtliche Botschaft: Kap. 56-66

Verfasser

Jesaja war ein Sohn des Arnos und weissagte in Juda zur Zeit der Könige Usia, Jotam, Ahas und Hiskia. Sein Name bedeutet „Heil Jahwes“ oder „Gott rettet“. Er war verheiratet und hatte mindestens zwei Söhne (Jes 7,3; 8,3.18). Über den Beruf und Werdegang des Propheten ist nur sehr wenig bekannt. Gemäß der jüdischen Überlieferung soll er ein Bruder des Königs Amazja gewesen sein. Das lässt auf eine vornehme Herkunft und gute Bildung schließen. Nach jüdischer Überlieferung soll Jesaja den Märtyrertod gestorben sein: Auf der Flucht vor dem König Manasse soll er sich in einem hohlen Baum versteckt haben, den der König daraufhin durchsägen ließ.

Abfassung

Die Abfassung des Buches Jesaja geschah durch den Propheten Jesaja in der Zeit von 740-680 v. Chr. (vgl. Jes 1,1).
Bis ins Jahr 1775 wurde Jesaja als Verfasser fast überall akzeptiert. Mit dem Aufkommen der liberalen Theologie und bis in unsere Zeit hinein wird die Verfasserschaft des Jesaja heftig kritisiert. Von der liberalen Theologie werden gewöhnlich mindestens drei oder mehr Verfasser für das Buch Jesaja angegeben. Dieser Standpunkt ist aus folgenden Gründen völlig unhaltbar:

  • Das Buch Jesaja kennt nur einen Propheten namens Jesaja als Verfasser des Buches.
  • Ein unterschiedlicher Wortschatz in der ersten und zweiten Hälfte des Buches hängt mit der unterschiedlichen Thematik der einzelnen Kapitel zusammen. Wenn die Abfassung außerdem in einem Zeitraum von mindestens 40 Jahren stattfand, ist es verständlich, dass Unterschiede im Schreibstil und in der Wortwahl vorhanden sind.
  • Das Buch Jesaja wird im Neuen Testament am häufigsten zitiert und als einheitliches Werk anerkannt.
  • Jesus zitierte das Buch Jesaja und erkannte damit die Abfassung durch ihn an.
  • Wer darum die Verfasserschaft durch Jesaja leugnet, stellt damit die Glaubwürdigkeit Jesu in Frage.
  • Die jüdische Tradition schreibt das Buch einstimmig Jesaja zu.
  • Viele Prophetien haben sich bereits mit unüberbietbarer Genauigkeit erfüllt.

Zeitabschnitt

Der Zeitabschnitt, in dem Jesaja wirkte, dauerte mindestens 60 Jahre. Er begann seinen Dienst zur Zeit des Königs Usia, ca. 740 v. Chr. (Jes 1,1; 6,1), und er wirkte noch nach dem Tode des assyrischen Königs Sanherib, ca. 681 v. Chr. (Jes 37,37).
In der Zeit des Propheten Jesaja entwickelte sich Assyrien zu einer Großmacht. Im Nordreich Israels ging der Niedergang unter der Leitung gottloser Könige in großem Tempo voran. Der assyrische König Tiglat-Pileser eroberte den Norden Israels. Seine Nachfolger Sargon und Salmanasser eroberten auch Samaria und führten das Nordreich in die Gefangenschaft nach Assyrien. Der assyrische Könige Sanherib fiel zur Zeit des Königs Hiskia auf seinem Feldzug auch in Juda ein und belagerte Jerusalem. Bei diesem Angriff griff Gott selbst ein und vernichtete das assyrische Heer, so dass es später Jerusalem nicht wieder bedrohte (Hes 36-37).
Der geistliche Verfall ging auch in Juda neben dem politischen Verfall unaufhaltsam voran. Besonders in der Zeit des Königs Ahas nahm in Juda der Götzendienst und der Abfall vom lebendigen Gott zu. Anlässlich der Bedrohung Judas durch Israel und die Aramäer suchte Ahas die Hilfe bei den Götzen und den Assyrern anstatt bei Gott. Unter der Herrschaft des gottesfürchtigen Königs Hiskia kam es zu einer Reform in Juda, wodurch noch einmal viel Unheil abgewandt wurde.
Im Nordreich Israels weissagte der Prophet Hosea bis zum Fall Israels und bis zur Verschleppung nach Assyrien. Er war der Gerichtsbote für das Nordreich. Er appellierte an den Bund Gottes mit seinem Volk und wies auf die Gnade Gottes hin.
Im Südreich wirkte neben Jesaja der Prophet Micha. Wahrend Jesaja sich mehr an die Führungsschicht in Jerusalem wandte, predigte Micha überwiegend zur Landbevölkerung im westlichen Juda.

Zweck

  • Der Zweck des Buches Jesaja besteht darin, das Volk vor weltlichen Bündnissen, vor dem Abfall von Gott, vor Götzendienst, vor dem Einfall der Assyrer und vor der bevorstehenden Gefangenschaft in Babylon zu warnen.
  • Die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft unter dem Perserkönig Cyrus vorauszusagen.
  • Das Gericht Gottes über die Nachbarvölker von Israel anzukündigen.
  • Auf das Kommen des Messias und seinen Leidensweg zu unserer Erlösung hinzuweisen.
  • Das zukünftige Heil durch den Messias und sein Friedensreich vorauszusagen.

Botschaft

Die Botschaft des Buches Jesaja besteht darin, auf den lebendigen Gott Israels hinzuweisen. Obwohl das Volk Gott kennen sollte, suchten es doch immer wieder Hilfe bei seinen Nachbarvölkern und bei den selbstgemachten Götzen. Gott muss es für diesen Ungehorsam strafen, aber er will es nicht für immer verstoßen. Er wird sich wieder über sein Volk erbarmen und es nach der Gefangenschaft wieder in sein Land zurückführen. Gleichzeitig weist Jesaja schon auf das zukünftige Heil durch den Messias hin und macht Mut, zu Gott umzukehren und Hilfe von ihm in Anspruch zu nehmen.

Einteilung

Weissagungen des Gerichts (Jes 1-35)

  1. Gericht und Gnade über Juda und Israel (Jes 1-12)
    1. Die Lage der Nation (Jes 1)
    2. Weissagungen über das weltweite Friedensreich (Jes 2-5)
    3. Jesajas Berufung (Jes 6)
    4. Die Erlösung durch den Messias (Jes 7-12)
    5. Gericht über die Nationen (Jes 13-23)
    6. Babel (Jes 13,1-14,23)
    7. Assyrien (Jes 14,24-27)
    8. Philistäa (Jes 14,28-32)
    9. Moab (Jes 15-16)
    10. Damaskus, Israel (Jes 17)
    11. Kusch (Äthiopien) (Jes 18)
    12. Ägypten (Jes 19-20)
    13. Babel (Jes 21,1-10)
    14. Edom (Duma) (Jes 21,11-12)
    15. Arabien (Jes 21,13-17)
    16. Jerusalem (Jes 22)
    17. Tyrus und Sidon (Jes 23)
  2. Gericht über die ganze Welt und Verheißung des Friedensreiches (Jes 24-27)
  3. Gericht über Israel und Juda (Jes 28-33)
  4. Gericht und Segen am Tag des Herrn (Jes 34-35)

Historischer Zwischenbericht (Jes 36-39

  1. Jerusalems Befreiung (Jes 36-37)
    (Abwendung der assyrischen Gefahr)
  2. Hiskias Krankheit, Genesung und Unvorsichtigkeit (Jes 38-39)
    (Ankündigung der babylonischen Gefahr)

Weissagungen des Heils (Jes 40-66)

  1. Die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft (Jes 40-48)
  2. Heil durch den Messias (Jes 49-57)
  3. Sünde, Gericht und Heil (Jes 58-66)

Besonderheiten

  • Jesaja gilt als der „Fürst unter den Propheten“. Der Grund dafür ist sein majestätischer Schreibstil, seine Themenvielfalt, seine tiefen Einsichten in Gottes Gedanken und seine zahlreichen Vorhersagen auf das Kommen des Messias und des Friedensreiches.
  • Die prophetische Schau Jesajas erstreckt sich über große Zeiträume. Sie kann sich z.B. auf die Gegenwart, auf das erste Kommen Jesu, auf dessen zweites Kommen oder auf das zukünftige Friedensreich beziehen. Die Zeitspannen zwischen den Ereignissen gehen aus der Prophetie nicht unbedingt hervor. Es ist oft nicht sofort ersichtlich, auf welchen Zeitabschnitt sich eine Prophetie bezieht.
  • Viele der Prophetien, die Jesaja gab, erfüllten sich noch zu seinen Lebzeiten oder in den darauf folgenden Jahrhunderten, z.B.:
    • die Wegführung des Nordreiches in die Gefangenschaft (Jesaja 7,8)
    • der Untergang des Großreichs Assyrien (Jesaja 10,12.24-25)
    • der Untergang des babylonischen Reiches durch die Meder (Jesaja 13,17-19)
    • das Gericht über Philistäa, Moab, Damaskus, Kusch, Ägypten und Tyrus (Jesaja 14-23)
    • der Name des persischen Königs Cyrus, den Gott gebrauchen wollte, um Juda aus der babylonischen Gefangenschaft zurückzuführen, wurde bereits 150 Jahre vor seiner Geburt prophezeit (Jesaja 44,28-45,6).
  • Die bereits erfüllten Prophetien sind eine Bestätigung dafür, dass auch die langfristigen Prophetien in Erfüllung gehen werden.
  • In Jesaja 14 wird das Gericht über den König von Babel beschrieben. Im Laufe der Kirchengeschichte wurden sowohl dieser Text (Jes 14,4-20) als auch der Sturz des Königs von Tyrus (Hes 28,12-19) als prophetische Worte über den Sturz Satans angesehen. Gott hat nicht das Böse, den Satan, erschaffen. Gott hat ihn vielmehr als einen Engel mit außerordentlicher Schönheit, einem Thron und mit einer besonderen Stellung erschaffen. Er wurde „schöner Morgenstern“ (Jes 14,12) genannt Von diesem Begriff leitet sich das lateinische Wort „Lucifer“ (= Lichtträger, Lichtbringer) ab. Leider blieb er nicht in seiner erhabenen Stellung, sondern wollte dem Allerhöchsten gleich sein. Deshalb ist er gestürzt worden und begann mit seinem unheilbringenden Werk (Jes 14,14-17).

Hinweise auf Jesus Christus

In keinem anderen Buch des Alten Testaments befinden sich so viele Hinweise auf den kommenden Messias wie im Buch Jesaja (besonders in Jes 53).

Vers Inhalt
7,14 er wird von einer Jungfrau geboren werden
7,15 er wird ein einfaches Leben führen
9,1 er wird das Licht sein für die, die in der Finsternis leben
9,5-6 er wird geboren werden und bestimmte Bezeichnungen tragen
9,6  er wird als König auf dem Thron Davids sitzen
11,1 er wird der Sohn Davids sein, aus dem Stamm Isais kommen
11,2  auf ihm wird der Geist des Herrn ruhen
11,3-4  er wird sagen, was gerecht ist, und gerecht richten
11.5 Gerechtigkeit und Treue werden sein Gurt sein
11,6-16 er wird regieren im zukünftigen Friedensreich
28,16 er wird verglichen mit einem bewährten und kostbaren Eckstein
32,1 er wird gerecht sein
40,3 er wird von einer Stimme in der Wüste angekündigt
40,9 er wird wahrer Gott sein
40,11 er wird wie ein Hirte seine Schafe weiden
42,1 er wird das Recht unter die Heiden bringen
42,1-4 er wird als Knecht Gottes dienen
42,6 er wird das Licht der Heiden sein
42,7 er wird den Blinden die Augen öffnen
49,6 er ist das Heil Gottes bis an die Enden der Erde
53,3 er wird der Allerverachtetste und Unwerteste sein
53,4  er wird unsere Krankheit und Schmerzen tragen
53,5 er wird um unserer Missetat willen verwundet werden 
53,7 er wird willig leiden, wenn er gemartert wird
53,9 er wird bei Gottlosen begraben werden
53,10 Gottes Plan wird durch seine Hand gelingen
53,11 er wird die Sünden von vielen tragen
53,12 er wird die Starken zum Raube haben, weil er sein Leben in den Tod gibt
61,1-2 er wird den Elenden gute Botschaft bringen
63,1-6 er wird den unbußfertigen Sündern Zorn und Grimm erweisen