Das 5. Buch MOSE oder DEUTERONOMIUM

Der große Rückblick


Im 5. Buch Mose finden wir die letzten Worte eines großen Führers - Mose.

Der hebräische Titel des Buches lautet übersetzt: „Dies sind die Worte“ und leitet sich von den beiden ersten hebr. Worten des Buches ab. Die alten griechischen Übersetzer leiteten ihren Titel aus 5. Mose 17,18 ab: „eine Abschrift des Gesetzes“. Das griechische Wort bedeutet eigentlich „Das zweite Gesetz“. Dadurch wird betont, was der eigentliche Inhalt des 5Mo ist; Mose blickt in seinem fortgeschrittenen Alter zurück und erklärt noch mal den Sinn und die Bedeutung des Gesetzes Gottes.

1. Autor und Abfassungszeit

Geschrieben von Mose ca. 1410 bis 1405 v. Chr.
Traditionell wurde Mose als der Verfasser des Deuteronomiums angesehen, da das Buch selbst bezeugt, dass Mose es schrieb. Sowohl das AT als auch das NT stützen den Anspruch der mosaischen Verfasserschaft. Während 5. Mose 32,48-34,12 nach Moses Tod hinzugefügt wurde (wahrscheinlich durch Josua), stammt der Rest des Buches aus der Hand Moses direkt vor seinem Tod im Jahr 1405 v. Chr.

2. Schlüsselpersonen im 5. Buch Mose

  • Mose - Führer Israels; unterwies das Volk im Gesetz Gottes, es war ihm aber untersagt, in das verheißene Land einzugehen (5. Mo 1-5; 27; 29; 31-34)
    Josua - Moses Nachfolger; er führte Israel ins verheißene Land (5. Mo 1,37-38; 3,21-28; 31,3-23; 32,44; 34,9)

3. Hintergrund und Umfeld

Wie Levitikus deckt Deuteronomium keine große historische Zeitspanne ab, sondern spielt etwa einen Monat lang nur an einem Ort. Israel hatte sein Lager zum letzten Mal aufgeschlagen, bevor es anschließend das verheißene Land eroberte. In 4. Mose 36,13 wird auf diesen Standort mit dem Ausdruck „den Ebenen von Moab“ Bezug genommen.
Die ersten 30 Kapitel von 5 Mose, ein Rückblick Mose, sind eine Auslegung des Gesetzes Gottes. Nebst diesem Rückblick werden nur zwei zusätzliche Begebenheiten erwähnt:

  • Mose zeichnet das Gesetz in einem Buch auf und setzt Josua als den neuen Führer ein (5. Mo 31,1-29);
  • Moses Tod, nachdem er auf das Land Kanaan vom Berg Nebo geblickt hatte (5. Mo 32,48-52; 34,1-12).

Der ursprüngliche Empfänger des Deuteronomiums war die zweite Generation des Volkes Israel, die während der 40 Jahre dauernden Wüstenwanderung dort in der Wüste geboren und aufgewachsen war. Da standen sie nun, 40 Jahre nach dem Exodus aus Ägypten, an der Grenze des verheißenen Landes, bereit, das zu vollbringen, was ihre Eltern, die sich weigerten, nicht taten.

4. Schlüssellehren im 5. Buch Mose

  • Das verheißene Land Israel (5. Mo 1,8; 6,10; 9,5; 29,12; 30,20; 34,4; 1. Mo 12,7; 15,5; 22,17; 2. Mo 33,1; 3. Mo 18,24; 4. Mo 14,23; 34,1-15; Jos 24,13; Ps 105,44; Tit 3,5)
  • Des Herrn Treue, Israel Sieg über seine Feinde zu schenken (5. Mo 2,24-3,11; 29,1.6.7; 4. Mo 21,3.33.34; Jos 1,7; 10,8-12; Ri 1,1-4; 1. Kö 2,3; Ps 18,44; Röm 8,37; 1. Kor 15,54-57; 1. Joh5,4)
  • Israels Rebellion gegen Gott (5. Mo 1,26-46; 9,7-10,11; 2. Mo 14,11; 4. Mo 14,1-4; Esr 4,19; Ps 106,24; Jer 5,6; Hes18,31; Dan 9,24; 2Th 2,2; Jud 1,11.15)
  • Die Zerstreuung Israels als Folge des Gerichts Gottes (5. Mo 4,25-31; 29,21-30,10; 31,26-29; 3. Mo 26,33; 1. Kö 14,15; Neh 1,8; Ps 106,25.27; Pred 3,5; Jer 9,14.15; Am 9,8)
  • Die Heiligkeit Gottes und seines Volkes (5. Mo 7,6-11; 8,6.11.18; 10,12.16.17; 11,13; 13,4.5; 14,1.2; 2Mo 19,5.6; Spr 10,22; Am 3,2; Mi 6,8; Mt 22,37; Röm 12,1; 1. Tim 1,5; 1. Petr 2,9)

5. Gottes Wesen im 5. Buch Mose

  • Gott ist zugänglich (5. Mo 4,7)
  • Gott ist ewig (5. Mo 33,27)
  • Gott ist treu (5. Mo 7,9)
  • Gott ist herrlich (5. Mo 5,24; 28,58)
  • Gott ist eifersüchtig (5. Mo 4,24)
  • Gott ist gerecht (5. Mo 10,17; 32,4)
  • Gott ist liebend (5. Mo 7,7-8.13; 10,15.18; 23,6)
  • Gott ist gnädig (5. Mo 4,31; 32,43)
  • Gott ist mächtig (5. Mo 3,24; 32,39)
  • Gott hält seine Versprechen (5. Mo 1,11)
  • Gott ist vorhersehend (5. Mo 8,2.15.18)
  • Gott ist rechtschaffen (5. Mo 4,8)
  • Gott ist wahrhaftig (5. Mo 32,4)
  • Gott ist einzigartig (5. Mo 4,35; 33,26)
  • Gott ist eins (5. Mo 4,32-35.39-40; 6,4-5; 32,39)
  • Gott ist weise (5. Mo 2,7)
  • Gott ist zornig (5. Mo 29,19.26-27; 32,19-22)

6. Christus im 5. Buch Mose

Deuteronomium spricht klar und deutlich vom Kommen eines neuen Propheten, ähnlich wie Mose: „Einen Propheten wie mich wird dir der Herr dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf ihn sollst du hören“ (5. Mo 18,15). Sowohl das AT wie auch das NT erkennen in diesem Propheten den Messias oder Christus (5. Mo 34,10; Apg 3,22.23; 7,37).
Moses ist in mancherlei Weise ein Typus auf Christus:

  • Beide entgingen als Baby den gegen sie geplanten Mordanschlägen (2. Mo 2; Mt 2,13-23);
  • beide waren Priester, Propheten und Führer Israels (2. Mo 32,31-35; Hebr 2,17; 34,10-12; Apg 7,52; 33,4.5; Mt 27,11).

7. Schlüsselworte im 5. Buch Mose

  • Satzungen: Hebräisch choq (5. Mo 4,1.14; 5,1; 6,1; 7,11; 10,13; 16,12; 28,15; 30,16) - hat viele Bedeutungen im Alten Testament, einschließlich eines Verbs das „erlassen“ oder „einschreiben“ bedeuten kann (Spr 8,15; Jes 10,1; 49,16). Oft bezieht es sich auf Befehle, zivile Erlasse, juristische Verordnungen oder rituelle Gesetze, die von jemandem, der eine Führungsposition innehat (Autorität), angeordnet werden - das trifft für Menschen zu (Mi 6,16) oder auch für Gott selbst (5. Mo 6,1). Das Gesetz Moses beinhaltet Gebote (miswah), Rechte (mispat) und Satzungen (choq) (5. Mo 4,1-2). Israel wurde aufgefordert, den Geboten und Satzungen Gottes zu gehorchen, und sie versprachen auch, sich daran zu halten (5. Mo 26,16-17).
  • Schwören: Hebräisch shaba' (5. Mo 6,13; 7,8; 10,20; 13,18; 19,8; 29,12; 31,7) - das Verb schwören ist mit einem Wort, das sieben (die Zahl 7) bedeutet, verwandt. Tatsächlich ist damit gemeint: „sich völlig binden“; das ist „sieben Mal“. In der Antike war ein Schwur verbindlich, ja schon fast etwas Heiliges. Leute versicherten, sich an ihr Wort zu halten, egal welche persönlichen Konsequenzen oder Verluste es mit sich bringen würde. Das AT berichtet, wie Gott einen Schwur leistete (1. Mo 24,7; 2. Mo 13,5). Er war zwar nicht gezwungen, das zu tun; er musste nicht schwören, um damit zu unterstreichen, dass er sein Wort nicht brechen würde. Aber er leistete trotzdem einen Schwur, so dass sein Volk sicher sein konnte, dass alle seine Zusagen absolut vertrauenswürdig waren.
  • Anbetung: Hebräisch shachah (5. Mo 4,19; 8,19; 11,16; 26,10; 30,17) - ist das am meisten verwendete Wort im Hebräischen für Anbetung und bedeutet wortwörtlich „sich selbst dazu bringen, sich niederzuwerfen“. In der Antike war es üblich, dass sich jemand vor einer Person höheren Ranges niederwarf. Leute verneigten sich vor dem König, um damit ihrer völligen Untertänigkeit Ausdruck zu verleihen. Wenn wir dem Beispiel der alten Glaubenshelden folgen wollen, müssen wir uns bewusst sein, dass echte Anbetung mehr als nur ein Ausdruck der Liebe zu Gott ist; echte Anbetung erfordert auch, dass wir uns völlig unter den Willen Gottes stellen und ihn auch tun.
  • Verflucht: Hebräisch 'arar (5. Mo 7,26; 13,18; 27,15.20.23; 28,16.19) - bedeutet wortwörtlich „mit einem Fluch binden“. Ein Fluch ist das Gegenteil eines Segens. Man wünscht sich oder betet, dass jemand oder etwas von einer Krankheit oder einer Verletzung heimgesucht wird. Gott verfluchte die Schlange und den Erdboden, nachdem Adam und Eva gesündigt hatten (1. Mo 3,14.17). Jeremia verfluchte in seiner Verzweiflung den Mann, der die Botschaft seiner Geburt überbracht hatte (Jer 20,14-15). Die Ernsthaftigkeit des Bundes, den Gott mit seinem Volk einging, wird dadurch verdeutlicht, dass er jedem, der diesen Bund zu brechen wagt, einen Fluch androht (5. Mo 28,60-61). Im NT lehrt Paulus, dass Jesus Christus für uns zum Fluch wurde, auf das wir von dem Fluch des Gesetzes befreit würden (Gal 3,13).

8. Gliederung

Einleitung: Der historische Rahmen der mosaischen Reden (5. Mo 1,1-4)

Moses erste Ansprache: Ein historischer Prolog (5. Mo 1,5 - 4,43)

  • Ein historischer Rückblick des gütigen Handelns Gottes vom Horeb bis Bet-Peor (5. Mo 1,5-3,29)
  • Ermahnung, dem Gesetz gehorsam zu sein (5. Mo 4,1 -40)
  • Die Wahl von drei Städten als Zufluchtsorte (5. Mo 4,41-43)

Moses zweite Ansprache: Die Bedingungen des sinaitischen Bundes (5. Mo 4,44 - 28,68)

  • Einleitung (5. Mo 4,44-49)
  • Die wesentlichen Elemente der Beziehung Israels zum Herrn (5. Mo 5,1 -11,32)
  • Die spezifischen Bedingungen für das Leben im neuen Land (5. Mo 12,1 -26,19)
  • Segen und Fluch des Bundes (5. Mo 27,1 - 28,68)

Moses dritte Ansprache: ein anderer Bund (5. Mo 28,69 - 30,20)

  • Abschließende Ereignisse (5. Mo 31,1 - 34,12)
  • Der Wechsel der Führerschaft (5. Mo 31,1-8)
  • Die zukünftige Gesetzeslesung (5. Mo 31,9-13)
  • Das Lied des Moses (5. Mo 31,14-32,47)
  • Die letzten Ereignisse in Moses Leben (5. Mo 32,48 - 34,12)

9. Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde ...

Äthiopien wird eine unabhängige Macht. Die Shang-Dynastie in China erlebt eine Blütezeit.

10. Häufig auftauchende Fragen

Ist Deuteronomium bloß Moses Version der säkularen Bündnisse und Abkommen seiner Tage, oder handelt es sich tatsächlich um eine einzigartige Offenbarung Gottes?

Die Form, deren Mose sich bedient - nicht nur die Inhalte im 5. Buch Mose und auch im gesamten Pentateuch - weist tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit anderen offiziellen Dokumenten, die aus einer bestimmten Geschichtsepoche stammen, auf. Anhand dieser Indizien versuchten Historiker das Datum der Niederschrift dieses Buches festzulegen. Auch diejenigen, welche Gottes einzigartige Offenbarung in Frage stellen, bedienen sich dieser Indizien, um ihrer Behauptung, Mose habe lediglich den Stil anderer Nationen seiner Zeit kopiert, Gewicht zu verleihen.
Die Menschen, die Gott gebrauchte, um seine Offenbarung aufzuschreiben, haben sich weder ihrer Persönlichkeit, ihrer Ausbildung noch ihres persönlichen Stils entledigt, um das Wort Gottes aufzuzeichnen. Mose genoss in Ägypten eine hervorragende Ausbildung, so wie sie jungen Prinzen zuteil wurde (Apg 7,22). Wenn wir uns also den Pentateuch als den von Mose unter Gottes Anleitung verfassten Reisebericht der Wüstenwanderung vorstellen, dann erstaunt es nicht, dass sein Schreibstil eine gewisse Ähnlichkeit mit den zu dieser Zeit verfassten politischen Schriften aufweist. Was die Schriften Moses, wie auch die gesamte Schrift, wirklich von allem anderen unterscheidet, beruht nicht so sehr auf ihrem Stil, sondern auf ihrem autoritativen, von Gott inspirierten Inhalt.

11. Kurzstudium zum 5. Buch Mose/einige Fragen

  • Mose führt dem Volk alle große Taten Gottes nochmals vor Augen. Was bewegte ihn dazu? Welche Gründe zählt er auf?
  • Wie soll/kann das Gesetz gemäß Kapitel 6 von jeder Generation bewahrt werden?
  • Welche Beziehung besteht zwischen dem verheißenen Land und dem Gesetz?
  • Wie offenbart sich Gottes Liebe in diesem Buch?
  • Wieso starb Mose, ohne das verheißene Land je betreten zu haben?

Inpressum

John F. MacArthur
1. Auflage 2003
© 2001 by John MacArthur
Originaltitel: The MacArthur Quick Reference Guide To The Bible
Nelson / Word Publishing Group, Nashville
© der deutschen Ausgabe 2003
by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung
Postfach 11 01 35 • 33661 Bielefeld
Internet: www.clv.de 
Übersetzung: Martin Manten, Berlin
Lektorat: Claudia Kreutzer und Gabi Manten
Satz: CLV
Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN: 3-89397-644-2