Das 2. Buch SAMUEL - Qualifikationen für einen König und die Aufrichtung der Linie Davids

John F. MacArthur

Das aus Stämmen bestehende Israel entwickelte sich allmählich zu einem Königreich. Wie es dazu kam, wird in diesem Buch berichtet.

Das 1. und 2. Buch Samuel greift die Geschichte Israels da auf, wo sie im Buch Richter aufgehört hat. Während der Zeit Samuels durchlebte das erwählte Volk Gottes bedeutende Veränderungen. Man könnte ihn auch als den letzten der großen Richter bezeichnen (Apg 13,20). Samuels Dienst machte ihn auch zum ersten Propheten (Apg 3,24). Er salbte die ersten zwei Könige Israels (Saul und David). Die zwei nach ihm benannten Bücher waren ursprünglich eine Schriftrolle, die später von den Schreibern, welche die Schriftrollen von Hand kopierten, in zwei Bücher unterteilt wurde, da es so komfortabler für sie war.

1. Autor und Abfassungszeit

Autor(en) ist unbekannt, geschrieben ca. 931 v. Chr. oder später. Obwohl die ursprünglichen Verfasser von 1. und 2. Samuel unbekannt sind, hat die alte jüdische Tradition die Verfasserschaft Samuel zugeschrieben (1. Chr 29,29). Auch Nathan oder Gad könnten als Verfasser in Frage kommen.

2. Schlüsselpersonen im 2. Buch Samuel

  • David - der größte König Israels; zugleich war er ein Hirte, Musiker und Poet; direkter Vorfahre Jesu (2. Sam 1,1-24,25)
  • Joab - Feldherr in Davids Armee (2. Sam 2,13-3,39; 8,16; 10,7-12,27; 14,1-33; 18,2-24,9)
  • Bathseba - beging Ehebruch mit David; wurde Königin über Israel und Mutter Salomos; direkte Vorfahrin Jesu (2. Sam 11,1-26; 12,24)
  • Nathan - Prophet und Berater Davids; drängte David, Buße zu tun über seine Sünde (2. Sam 7,2-17; 12,1-25)
  • Absalom - Sohn Davids, versuchte die Königsherrschaft über Israel an sich zu reißen (2. Sam 3,3; 13,1-19,11)

3. Hintergrund und Umfeld

Es ist das erste Mal, dass die uns in der Schrift berichteten Ereignisse (1. und 2. Samuel) sich innerhalb der Grenzen des verheißenen Landes abspielen. Bekannte Orte wie z.B. Jerusalem, Bethlehem, Rama und Hebron sind jetzt jüdische Städte. Das tägliche Leben ist geprägt von Krieg und Auseinandersetzungen mit Völkern, die sich nicht vertreiben ließen, als Israel das verheißene Land eroberte. Das Volk verlangt nach einem König. Saul und v. a. David regieren das Land mit starker Hand. Samuel durchlebt all diese umwälzenden Ereignisse, und spricht im Auftrag Gottes zum Volk und den Führern. Die Geschehnisse in 1. und 2. Samuel ereigneten sich ungefähr in den Jahren zwischen 1105 v. Chr., Samuels Geburt (1. Sam 1,1-28), bis ca. 971 v. Chr., Davids letzte Worte (2. Sam 23,1-7). Folglich umspannt das Buch etwa 135 Jahre. In diesen Jahren wandelte Israel sich von einer lose verbundenen Gruppe von Stämmen zurzeit der „Richter“ zu einem vereinten Volk unter der Regierung eines Königs. Wenn wir die Zeitgeschehnisse betrachten fallen drei Männer ganz besonders auf: Samuel, er diente von 1105 bis 1030 v. Chr.; Saul regierte als König von 1052 bis 1011 v. Chr.; David regierte von 1011 bis 971 v. Chr.

4. Schlüssellehren im 2. Buch Samuel

  • Davidischer Bund - Gott verhieß David, seinen Thron und sein Königtum für immer zu bewahren (2. Sam 7,12-16; 22,51; 1. Mo 49,8-12; 4. Mo 24,7-9.17-19; 2. Kö 8,19; 2. Chr 13,5; 21,7; Ps 89,21-38; Jes 16,5; Apg 15,16-18; Offb 22,16)
  • Sünde - Israels Sünde zog persönliche und nationale Konsequenzen nach sich (2. Sam 6,6-7; 12,13-14; 1. Mo 3; 4. Mo 4,15; 15,30-31; 1. Kö 11,38; 13,34; 2. Kö 21,12; Ps 106,43; Jes 22,14; Jer 19,3; Hes 7,3; 18,30; Joh 8,34; Röm 2,5; Hebr 10,4.26-31)
  • Messias - Nathan kündigte es David bereits an, dass der Messias, der gesalbte König, über alle sich Gott widersetzenden Nationen triumphieren würde (2. Sam 7,12-16; 22,51; Mt 1,16-17; 12,22; Mk 1,1; Joh 7,42; Apg 2,30-33)

5. Gottes Wesen im 2. Buch Samuel

  • Gott ist freundlich (2. Sam 2,6)
  • Gott hält seine Versprechen (2. Sam 7,12-13)
  • Gott ist vorhersehend (2. Sam 17,14-15)
  • Gott ist treu (2. Sam 2,6)
  • Gott ist einzigartig (2. Sam 7,22)
  • Gott ist eins (2. Sam 7,22)
  • Gott ist weise (2. Sam 7,20)
  • Gott ist zornig (2. Sam 6,7; 21,1; 24,1.15.17)

6. Christus im 2. Buch Samuel

Der in 2. Samuel 7,12-16 erwähnte davidische Bund offenbart Gottes Verheißung, David ein immerwährendes Königtum zu schenken. Christus, der direkt von der königlichen Linie Davids abstammt, erfüllt diesen Bund als der kommende Messias. Das in 2. Samuel aufgezeichnete Leben Davids ist ein Vorschatten auf das zukünftige Königreich Christi.

7. Schlüsselworte im 2. Buch Samuel

  • (Bundes)-lade: Hebräisch ´aron (2. Sam 6,2.4.10.12.17; 7,2; 11,11; 15,24) - kann übersetzt werden mit „Lade“ (2. Kö 12,10) oder „Sarkophag“ (1. Mo 50,26). Meisten finden wir das Wort aber in folgendem Kontext: ´aron heberith, was „Bundeslade“ bedeutet. Die Bundeslade war eine mit Gold überzogene Truhe (2. Mo 25,10-22), in der sich die Zehn Gebote (2. Mo 40,20), Aarons Stab und ein Krug mit Manna befanden (Hebr 9,4). Sie war im innersten Heiligtum aufgestellt und erinnerte Israel an seien Bund mit Gott und seine Gegenwart in seiner Mitte. Als die Israeliten die Bundeslade unvorsichtig und gedankenlos behandelten (1. Sam 4,1-11), ließ Gott es zu, dass sie von einem fremden Volk erbeutet wurde. Er wollte dadurch den Israeliten verdeutlichen, dass seine Bundesbeziehung mit ihnen weit mehr beinhaltete, als das simple Erfüllen symbolischer Handlungen und nichts mit Aberglauben zu tun hatte. Was er forderte, waren beständiger Gehorsam und ein zerschlagenes Herz, das sich ihm unterordnete (Ps 51,19; Jes 57,15).
  • Jerusalem: Hebräisch yerushalaim (2. Sam 5,5; 8,7; 11,1; 15,8.29; 16,15; 17,20; 19,20; 24,16) - ist dem Wort für „Frieden“ verwandt. Während der Zeit der Königsherrschaft Davids, entwickelte sich Israel zum politischen und religiösen Zentrum Israels und spielte eine zentrale Rolle bei der Entfaltung von Gottes Erlösungsplan. Jerusalem wird im Alten Testament immer wieder als die Stadt Gottes (Ps 87,1-3), ein Ort, wo Gott seinen Namen wohnen ließ (2. Kö 21,4), ein Ort der Errettung (Jes 46,13), der Thron Gottes (Jer 3,17) und die Heilige Stadt (Jes 52,1) beschrieben. Die Propheten kündigten an, dass eine Zeit kommen werde, da Israel wegen seiner Übertretungen gerichtet würde (Mi 4,10-12), aber während sie das Gericht ankündigten, konnten sie auch Israels herrliche Wiederherstellung voraussehen (Jes 40,2; 44,25-28; Dan 9,2; Zeph 3,16-20). Die Vision des wiederhergestellten Jerusalems beinhaltete auch die Hoffnung auf das Neue Jerusalem, wo Gott alle seine Völker sammeln wird (Jes 65,17-19; Offb 21,1-2).
  • Helden (starke Männer): Hebräisch gibbor (2. Sam 1,25; 10,7; 16,6; 17,8; 20,7; 23,8.22) - betont ausgezeichnete Qualitäten oder hervorragende Eigenschaften. Im Alten Testament beschreibt es die Stärke des Löwen (Spr 30,30) oder gute bzw. böse Männer (1. Mo 10,9; 1. Chr 19,8), Riesen (1. Mo 6,4), Engel (Ps 103,20) oder sogar Gott selbst (5. Mo 10,17; Neh 9,32). Die Schrift hält fest, dass der Held nicht auf Grund seiner Stärke siegreich ist (Ps 33,16), sondern wegen seiner Einsicht und Erkenntnis Gottes (Jer 9,22-23). Der Ausdruck starker Gott kommt im AT drei Mal vor, einmal sogar im Zusammenhang mit der messianischen Verheißung Jesu (Jes 9,5; 10,21; Jer 32,18).

8. Gliederung

Davids Herrschaft als König Israels (2. Sam 1,1 - 20,26)

  • Davids Antritt als König über Juda (2. Sam 1,1 - 3,5)
  • Davids Antritt als König über Israel (2. Sam 3,6 - 5,16)
  • Davids triumphale Herrschaft (2. Sam 5,17 - 8,18)
  • Davids problematische Herrschaftszeit (2. Sam 9,1 - 20,26)

Epilog (2. Sam 21,1 - 24,25)

  • Gottes Gericht über Israel (2. Sam 21,1-14)
  • Davids Helden (2. Sam 21,15-22)
  • Davids Lobeshymne (2. Sam 22,1-51)
  • Davids letzte Worte (2. Sam 23,1-7)
  • Davids Helden (2. Sam 23,8-39)
  • Gottes Gericht über David (2. Sam 24,1-25)

9. Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde ...

Das Tragen von Perücken wird bei den ägyptischen und assyrischen Aristo­kraten allgemein immer beliebter.

10. Häufig auftauchende Fragen

Wenn wir die Meinung der Gelehrten akzeptieren, wonach die überlieferten alten Manuskripte von 1. und 2. Samuel sehr schlecht erhalten sind, stellt sich die Frage, inwiefern das unsere Einstellung hinsichtlich dieser Bücher als Bestandteil des Wortes Gottes beeinflussen wird?

Wenn wir uns die Herausforderung, Schriftrollen von Hand zu kopieren, vor Augen halten, dann ist es eigentlich ein Wunder, dass wir überhaupt die heute vorhandenen Dokumente besitzen. Unsre Haltung sollte sich mehr Richtung Erstaunen bewegen, dass wir so geringe Diskrepanzen vorfinden, anstatt uns allzu sehr mit den Schwierigkeiten, die uns nur verwirren und herausfordern, zu beschäftigen.
Viele der wissenschaftlichen Entdeckungen im Zusammenhang mit der Analyse dieser sehr alten Manuskripte, fördern bloß die üblichen Fehler, die es eben beim Kopieren von Hand geben kann, zu Tage. Wenn z.B. zwei Zeilen mit demselben Wort enden, dann tendiert der Abschreiber dazu, die zweite Zeile völlig zu übersehen. Ein sorgfältiger Vergleich zwischen den Manuskripten und die Rekonstruktion des Textes offenbaren oft solche simplen Fehler. Im Fall von 1. und 2. Samuel haben wir es mit zwei alten Textfamilien zu tun:

  • dem masoretischen Text in der hebr. Sprache und
  • der LXX (Sepuaginta) in Griechisch. Die Septuaginta wurde von hebr. Gelehrten ca. 100 v. Chr. übersetzt.

Wenn wir die zwei miteinander vergleichen, stellen wir fest, dass sie hier (1. Sam und 2. Sam) wirklich mehr Unterschiede aufweisen, als das bei anderen alttestamentlichen Büchern der Fall ist. Wenn es um Zahlen geht, treten des Öfteren Differenzen auf. Grundsätzlich bezieht man sich dann auf den masoretischen Text, da dieser älter ist und somit näher am Original sein sollte, es sei denn, dass die Grammatik und der Kontext auf einen Fehler bei der Abschrift hindeuten. Eine zentrale Tatsache, die wir uns immer wieder in Erinnerung rufen sollten, wenn wir die Möglichkeit eines Textfehlers in Betracht ziehen, ist: Die grundlegenden Lehraussagen der Schrift gründen sich nie auf einen einzelnen Vers oder auf eine umstrittene Stelle. Gottes Erlösungsplan, sowie die Eckpfeiler christlicher Lehre, können quer durch die gesamte Schrift hindurch immer wieder, an verschiedenen Stellen, gefunden werden.

Wie können wir anhand von 1. und 2. Samuel die Rolle, die der Heilige Geist im AT spielte, verstehen?

1. und 2. Samuel veranschaulichen teilweise die Rolle des Heiligen Geistes im AT. Die folgenden Stellen zeichnen spezifische Handlungen des Heiligen Geistes auf: 1. Sam 10,6.10; 11,6; 16,13-14; 19,20.23; 2. Sam 23,2. Diese Stellen bieten einige aufschlussreiche Einblicke in den Dienst des Heiligen Geistes:

  • Es war ein gelegentliches „Kommen auf“ eine auserwählte Person, um einen bestimmten Auftrag zu erfüllen, oder eine bestimmte Aussage zu machen;
  • diese Person(en) kontrollierten nicht den Dienst des Heiligen Geistes, sie hatten keine Macht über ihn;
  • das Erwarten der Hilfe durch den Geist konnte verliehen, aber auch entzogen werden;
  • der Heilige Geist inspirierte bestimmte Personen, Gottes Wort aufzuschreiben oder es auszusprechen.

Jesus versprach die innewohnende Gegenwart des Heiligen Geistes, keine Überraschungsbesuche. Es kann schon mal vorkommen, dass Gläubige in einer bestimmten Situation (ein ganz bestimmter auszuführender Auftrag) eine Art spezieller Stärkung durch den Geist erfahren. Grundsätzlich besteht aber ein entscheidender Unterschied zwischen dem Dienst des Geistes im AT und demjenigen im Neuem Testament. Während es sich im Altem Testament um eine äußerliche Visitation handelte, sehen wir, wie der Geist im Neuem Testament im Gläubigen selbst wohnt.

Entsprach es schon immer Gottes Plan, einen König in Israel einzusetzen oder spiegelte es eher den Wunsch des Volkes wider? Züchtigte Gott sein Volk, indem er ihm eine Monarchie zugestand?

Als Israel das verheißene Land einnahm, begegneten ihm die Könige der ka-naanitischen Stadt-Staaten (Jos 12,7-14). Später, zur Zeit der Richter, war Israel unter von Königen regierte Nationen versklavt (Ri 3,8.12; 4,2; 8,5; 11,12). Im Buch Richter wird das Fehlen eines Königs wiederholte Male angesprochen (Ri 17,6; 18,1; 19,1; 21,25). Der Gedanke, einen König zu haben, genauso wie die umliegenden Nationen, wurde zu einer gewaltigen Versuchung. Gemäß 5. Mose 17,4 kannte Gott jedoch Israels Herzenswunsch bereits und ließ es schlussendlich gewähren. 1. Samuel 8,4-20 offenbart, dass sein Wunsch sich eigentlich auf eine Ablehnung Gottes gründete.
Trotz der eindringlichen Warnungen von Seiten Samuels hinsichtlich der Nachteile, die eine Monarchie mit sich bringen würde, stellte das Volk fest, dass es drei zwingende Gründe gäbe, warum sie auch einen König bräuchten (1. Sam 8,20):

  • um so zu sein, wie die Nationen;
  • um einen nationalen Richter zu haben;
  • um einen Kriegshelden zu haben.

Jeder dieser Gründe widersprach Gottes Absichten zutiefst:

  • Israel sollte eine heilige Nation sein, und nicht wie alle anderen;
  • Gott war ihr ultimativer Richter;
  • Gott hatte ihre Schlachten für sie geschlagen, ein König hingegen würde sie in den Krieg schicken.

Israels Problem war nicht, dass es einen König haben wollte, sondern, dass es Gott durch einen Herrscher aus seinen Reihen, einen Menschen, ersetzen wollte. Es tauschte den gewaltigen und mächtigen Herrscher, den es nicht sehen konnte, gegen einen sichtbaren ein, der letztendlich doch bloß versagen konnte.

11. Kurzstudium zum 2. Buch Samuel/einige Fragen

  • Welche bedeutenden Charakterzüge Davids können wir im 2. Buch Samuel erkennen?
  • Warum nannte man ihn »einen Mann nach dem Herzen Gottes«?
  • Was für eine Art Führer oder König war David?
  • Wenn wir uns die Reihenfolge der Ereignisse um David und Bathseba vor Augen führen, lassen sich daraus einige Lehren über den Reiz und die Folgen der Sünde ziehen. Welche?
  • Was bewahrte David vor der Verwerfung durch Gott, nachdem er mehr­fach gesündigt hatte?

Impressum

1. Auflage 2003
© 2001 by John MacArthur
Originaltitel: The MacArthur Quick Reference Guide To The Bible
Nelson / Word Publishing Group, Nashville
© der deutschen Ausgabe 2003
by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung
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Internet: www.clv.de 
Übersetzung: Martin Manten, Berlin
Lektorat: Claudia Kreutzer und Gabi Manten
Satz: CLV
Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN: 3-89397-644-2