Inhalt

Thema: Die Treue der Moabiterin Ruth zu ihrer Schwiegermutter Noomi

Elimelech aus Betlehem in Juda wanderte mit seiner Familie zur Zeit der Hungersnot nach Moab aus. Er starb dort in der Fremde. Ebenso starben auch seine beiden Söhne Machlon und Kiljon, die mit Moabiterinnen verheiratet waren. Als es in Israel wieder mehr Nahrungsmittel gab, machte sich Elimelechs Witwe, Noomi, mit ihren beiden Schwiegertöchtern, Orpa und Ruth, auf den Weg in ihre Heimat. Als Noomi ihnen Anbot umzukehren, nahm Orpa das Angebot an und ging zurück in ihr Elternhaus. Ruth dagegen wollte nicht umkehren, sondern bekannte sich zu dem Volk und dem Gott ihrer Schwiegermutter.

Aber Ruth sagte: Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, von dir weg umzukehren! Denn wohin du gehst, <dahin> will <auch> ich gehen, und wo du bleibst, da bleibe <auch> ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, <da> will <auch> ich sterben, und dort will ich begraben werden

In Kanaan las Ruth Ähren auf den Feldern des Boas - nach dem damaligen Witwen- und Fremdenrecht - auf (3. Mo 23,22 Und wenn ihr die Ernte eures Landes erntet, darfst du den Rand deines Feldes nicht vollständig abernten, und du sollst keine Nachlese deiner Ernte halten; für den Elenden und für den Fremden sollst du sie lassen. Ich bin der HERR, euer Gott.; 5. Mo 24,19 Wenn du deine Ernte auf deinem Feld einbringst und hast eine Garbe auf dem Feld vergessen, sollst du nicht umkehren, um sie zu holen. Für den Fremden, für die Waise und für die Witwe soll sie sein, damit der HERR, dein Gott, dich segnet in allem Tun deiner Hände.). Vermutlich hatte ihr verstorbener Schwiegervater Elimelech seinen Besitz noch vor seiner Ausreise ins Moabiterland verkauft. Boas war ein Verwandter Elimelechs und fand Gefallen an Ruth. Er löste das Erbe Elimelechs wieder ein und heiratete Ruth. So wurde Ruth die Urgroßmutter von David und ein Glied in der messianischen Linie.

Abfassung

In der Bibel wird der Verfasser nicht genannt. Die jüdische Überlieferung (Talmud) und viele Bibelausleger geben Samuel als Verfasser an. Die Abfassung muss nach der Richterzeit (vgl. Rt 1,1 Und es geschah in den Tagen, als die Richter richteten, da entstand eine Hungersnot im Land. Und ein Mann von Bethlehem-Juda ging hin, um sich im Gebiet von Moab als Fremder aufzuhalten, er und seine Frau und seine beiden Söhne.) und noch vor der Zeit Salomos geschehen sein, da die Stammtafel in Ruth 4,22 (und Obed zeugte Isai, und Isai zeugte David)mit David abschließt. Das Buch Ruth umfasst einen Zeitraum von ca. 12 Jahren innerhalb der Richterzeit.

Einteilung

  1. Ruths Entscheidung für den Herrn und für sein Volk (Rt 1)
  2. Ruths Dienst für Noomi (Rt 2)
  3. Ruths Verlobung mit Boas (Rt 3)
  4. Ruts Heirat mit Boas (Rt 4)

Besonderheiten

  • Nur zwei Bücher der Bibel tragen Frauennamen: Ruth (eine Heidin, die unter Juden wohnte) und Ester (eine Jüdin, die unter Heiden wohnte). Gottes Liebe ist nicht an eine bestimmte Nation oder Rasse gebunden.
  • Das Buch Ruth gehört zu den „fünf Büchern" (Megilloth = Hohelied, Rut, Klagelieder, Prediger und Ester), die an bestimmten Festtagen im Tempel vorgelesen wurden. Das Buch Ruth wurde am Erntedankfest gelesen.
  • Nach dem Gesetz sollte der Besitz einer Familie in der Verwandtschaft bleiben

(4. Mo 27,8-11 Und zu den Söhnen Israel sollst du folgendes reden: Wenn ein Mann stirbt und keinen Sohn hat, dann sollt ihr sein Erbteil auf seine Tochter übergehen lassen. Und wenn er keine Tochter hat, dann sollt ihr sein Erbteil seinen Brüdern geben. Und wenn er keine Brüder hat, dann sollt ihr sein Erbteil den Brüdern seines Vaters geben. Und wenn sein Vater keine Brüder hat, dann sollt ihr sein Erbteil seinem Blutsverwandten geben, der ihm aus seiner Sippe am nächsten steht, damit der es erbe. Und das soll für die Söhne Israel zu einer Rechtsordnung werden, wie der HERR dem Mose geboten hat.).

  • Wenn jemand verarmte und sein Land verkaufen musste, sollte sein nächster Verwandter den Besitz wieder zurückkaufen (lösen)

(3. Mo 25,14-25 Und wenn ihr etwas verkauft - <sei es> ein Verkauf an deinen Nächsten oder ein Kaufen aus der Hand deines Nächsten -, dann sollt ihr euch gegenseitig nicht übervorteilen. Nach der Zahl der Jahre seit dem Jobel<jahr> sollst du von deinem Nächsten kaufen, nach der Zahl der Erntejahre soll er dir verkaufen. Nach dem Verhältnis der größeren Zahl von Jahren sollst du ihm den Kaufpreis vergrößern, und nach dem Verhältnis der geringeren Zahl von Jahren sollst du ihm den Kaufpreis verringern; denn eine Zahl von Ernten verkauft er dir. Und so soll keiner von euch seinen Nächsten übervorteilen. Und du sollst dich fürchten vor deinem Gott; denn ich bin der HERR, euer Gott. führt meine Ordnungen aus und haltet meine Rechtsbestimmungen und tut sie, dann werdet ihr in eurem Land sicher wohnen! Und das Land wird seine Frucht geben, und ihr werdet essen bis zur Sättigung und sicher in ihm wohnen. Und wenn ihr sagt: Was sollen wir im siebten Jahr essen? - siehe, wir säen nicht, und unsern Ertrag sammeln wir nicht ein -: Ich werde im sechsten Jahr meinen Segen für euch aufbieten, dass es den Ertrag für drei Jahre bringt. Und wenn ihr im achten Jahr sät, werdet ihr <noch> altes <Getreide> vom Ertrag <des sechsten Jahres> essen. Bis ins neunte Jahr, bis sein Ertrag einkommt, werdet ihr altes <Getreide> essen. Und das Land soll nicht endgültig verkauft werden, denn mir gehört das Land; denn Fremde und Beisassen seid ihr bei mir. Und im ganzen Land eures Eigentums sollt ihr für das Land Loskauf gestatten. Wenn dein Bruder verarmt und <etwas> von seinem Eigentum verkauft, dann soll als sein Löser sein nächster Verwandter kommen und das Verkaufte seines Bruders einlösen.).

  • Wenn jemand starb und keine Söhne hatte, so sollte sein Schwager die Witwe heiraten und den ersten Sohn nach dem Namen des verstorbenen Bruders nennen

(5. Mo 25,10 Und sein Name soll in Israel heißen «Haus des Barfüßers».).

  • Für Boas war es somit möglich, Ruth und Noomi zu helfen, da er mit ihnen verwandt und sowohl fähig als auch willig war. Boas, der Löser, weist symbolisch auf das Erlösungswerk Jesu Christi hin.