1. Mose 1: Die Schöpfungswoche

1. Tag (V. 1-5)

  • 1,1: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde“ = Erschaffung des Weltalls (vgl. Jer 10,16)
  • „erschaffen“ (hebr. bara): 1. nur für Gott gebraucht, 2. für die Erschaffung von etwas Neuartigem gebraucht (vgl. 4Mo 16,30: „ein Neues schaffen“: bara bri’a); an drei Stellen in 1Mo 1:
    • V.1: Erschaffung der Materie
    • V.20-21: Erschaffung des beseelten Lebens („lebendige Wesen“ = w. „lebendige Seelen“)
    • V. 27: Erschaffung des Menschen mit Geist
  • Der hebräische Text von 1,1 besteht aus 7 Wörtern und 4 x 7 Buchstaben:

          

           = bereschith bara’ ’elohim ’et haschamajim ve’et ha’aretz

           ⇒ vollkommene Schöpfung; Schöpfung aus dem Nichts (vgl. Röm 4,17; Heb 11,3)

  • 1,2: „Und die Erde/ Die Erde jedoch war/wurde Wüstheit und Leere... (thohu vavohu)" ⇒ Fall Satans (Jes 14,12ff.; Hes 28,12ff.; von Anfang an: 1Joh 3,8 vor 1. Mo 3! nach Hi 38,7!); Jes 45,18: „...nicht als ein thohu hat er sie (die Erde) erschaffen (bara), um bewohnt zu werden hat er sie gebildet.thohu vavohu: noch 1x in Jer 4,23: Verwüstung des Landes!; thohu / bohu in Jes. 34,11; Erschaffung der Engel vor 1,1: Hi 38,7; Finsternis: 1. Joh 1,5; Tiefe: thehom = tiefe, rauschende Wassermenge/rauschender Ozean; schweben: richaph = mit den Flügeln flattern, schützend schweben, vgl. 5Mo 32,11, der Zustand von Wüstheit und Leere war nur kurz (vgl. Heb 4,3-4; 9,26; Luk 11,50-51); 1,1-2 gehört zum ersten Tag: 2. Mo 20,11: „Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tage; darum segnete der HERR den Sabbathtag und heiligte ihn.“ ⇒ Hier können keine geologischen Zeitalter untergebracht werden.
  • 1,3-5: Erzählniveau 0 beginnt erst in V. 3 (hebr. Narrativformen, vajiqtol-Formen ab hier), Licht: or = Licht an sich, nicht ma’or = Lichtträger (vgl. 4. Tag); Licht aus der Gegenwart Gottes: vgl. Apg 26,13; 1Tim 6,16; Dan 2,22; geistliche Deutung im NT: 2. Kor 4,6

2. Tag (V. 6-8)

  • Ausdehnung (nicht „Feste“!): raqia’, von raqa’ = plätten, breitschlagen, dünnschlagen è raqia’ = etwas, das sehr dünn und weit ausgebreitet ist, nämlich die Atmosphäre, der Lufthimmel; Wasser über der Ausdehnung = Wasserdunsthülle als Strahlenschutz und Treibhauseffekt, in der Sintflut abgeregnet.
  • Drei Himmel:
    • 1. Atmosphäre (1,1)
    • 2. Kosmos (vgl. 1,1; 5. Mo 10,14; 1. Kön 8,27)
    • 3. Paradies (2. Kor 12,2-4)

3. Tag (V. 9-13): Auffaltung des Meeresbodens, Bildung des Festlandes, Erschaffung der Pflanzenwelt

4. Tag (V. 14-19): Lichtträger für die Erde: Sonne, Mond und Sterne

5. Tag (V. 20-23): Erschaffung der Tiere im Wasser und in der Luft

6. Tag (V. 24-31): Erschaffung der Landtiere, Erschaffung des Menschen (Mann und Frau)

7. Tag (2,1-3): Gott hört auf mit Erschaffen, schabbath (Verb) = ruhen, aufhören, stoppen, fertig sein, vgl. 1Mo 8,22; Jos 5,12

Charakteristische Ausdrücke in 1. Mose 1

  • 7x „gut“, siebtes Mal in V. 31: „sehr gut
  • scheiden“ (1,4.6.7.14.18)
  • 11x „Gott sprach“: Ps 33,9; Hebr. 11,3
  • 10x „Art“ = min, Achtung: min darf nicht einfach mit dem heute gebräuchlichen biologischen Artbegriff gleichgesetzt werden! ⇒ Aufspaltung der Arten durch Zucht und Umweltfaktoren3 · Kapitel 1: immer „Elohim“ (Gott), Kapitel 2: immer „Jahve Elohim“ (der HERR, Gott).

Erklärung:

  • Elohim = Gott, der Schöpfer und Erhalter des Weltalls (vgl. 2. Chr 18,31; im Buch Prediger: 40 x Elohim);
  • Jahve = Gott, in Bundesbeziehung zu dem Menschen (2. Mo 6,2-3.6-7; im Buch der Sprüche: 87 x Jahve, 5 x Elohim, 1 x Eloah);
  • Kap 1: Gott erschafft alle Dinge;
  • Kap 2: detaillierte Beschreibung, wie Gott den Menschen erschafft und mit ihm in eine Bundesbeziehung tritt.
  • Die Quellenscheidungstheorie, die sich u.a. auf die verschiedenen Namen Gottes beruft, ist völlig unhaltbar.

Symmetrie

1. Tag: Licht                         4. Tag: Licht

2. Tag: Wasser und Luft        5. Tag: Wasser und Luft

3. Land                                6. Tag: Land

Empfehlenswerte Literatur zu 1. Mose 1:

  • OUWENEEL, W.J.: Der Schöpfungsbericht, Neustadt/Weinstrasse 1972.
  • KÜLLING, S.: Bibelerklärung: Genesis, Fundamentum, 1981-2003. 3 R. Junker: Evolution ohne Grenzen? Fakten zur Entstehung der Arten, Neuhausen-Stuttgart, 2. Aufl. 1994.
  • vgl. Lücken-Theorie („Gap-Theory“ / „Restitutionstheorie“); Literatur: A.E. Wilder-Smith: Herkunft und Zukunft des Menschen, Neuhausen-Stuttgart 1992, S. 35ff.; Vertreter im 19. Jh.: Thomas Chalmers; William Kelly.
  • vgl. W.J.J. Glashower: So entstand die Welt, Neuhausen-Stuttgart 1980, S. 69-71. 

 

Impressum

Roger Liebi, Dez. 2006 Seite 1 von 2 Stand: 29.12.2009

www.rogerliebi.ch 

www.clkv.ch

https://www.rogerliebi.ch/content/der-biblische-sch%C3%B6pfungsbericht-teil-1-0 

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