Die Hebräer nannten das Buch „Loblieder“.

Wer durch die Bibel liest, merkt sofort, dass er mit dem Buch der Psalmen in einem neuen und wunderbaren Abschnitt der Schrift angelangt ist. Es ist Poesie, die von Gott erzählt und für ihn geschrieben wurde. Die Psalmen erforschen das ganze Spektrum menschlicher Erfahrungen und Gefühle. Die Menschen begegnen Gott in den Psalmen und entdecken auch eine Menge bezüglich ihrer eigenen Person. Bei der Anbetung ist es wichtig, dass wir es im richtigen Geist tun, und uns auch inhaltlich an der Schrift orientieren. Von je her dienten die Psalmen dazu als Vorbild. Selbst heute beeinflussen die Psalmen die Anbetung in der Gemeinde und gelten als richtungweisend.

1. Die Psalmen Autor und Abfassungszeit

Von mehreren Autoren verfasst, ca. 1410 bis 450 v. Chr.

Auch wenn man in Zusammenhang mit Poesie oft von Inspiration spricht, so trifft es doch in einem besonderen Maße auf die Psalmen und die gesamte Schrift zu. Die Bibel beansprucht, von Gott inspiriert zu sein (2. Tim 3,16). Auf diesem Anspruch ruhen Inhalt, Wahrheit und Vertrauenswürdigkeit der Bibel. Gott benutzte zwar verschiedene Menschen, um sein Wort zu Papier zu bringen, doch er ist der Autor. Die Einzigartigkeit der Verfasser spiegelt sich in ihrem Stil, ihren Erfahrungen und den Themen wider, aber letztendlich führte Gott Regie und wachte über dem Inhalt.
Man kann mindestens sieben Gruppen bzw. Einzelpersonen als Verfasser der Psalmen unterscheiden:

  1. David verfasste mindestens 75 der 150 Psalmen
  2. den Söhnen Korahs werden 10 zugeschrieben
  3. Asaph 12
  4. Salomo
  5. Mose
  6. Heman und
  7. Eta schrieben jeder mindestens einen Psalm.

Die restlichen 48 Psalmen sollte man am besten einem anonymen Verfasser zuschreiben.

2. Schlüsselpersonen

David - König Israels; Gott selbst nannte ihn „einen Mann nach dem Herzen Gottes“ (Ps 2-41; 51-70; 72,20; 78,70-71; 86; 89; 96; 101; 103; 105; 108-110; 122; 124; 131-133; 138-145)

3. Hintergrund und Umfeld

Während den langen Jahren, in denen Israel in der Wüste für die Anbetung zugerüstet wurde, hat man die Psalmen zum ersten Mal zusammengetragen. Viele geben die spontanen oder überlegten Antworten gegenüber Gott wieder, und man zeichnete sie auf, sodass man sie später wieder benutzen konnte. Sogar das intensive und sehr persönliche Nachsinnen Einzelner, z.B. Psalm 23, wurde schriftlich festgehalten und vermittelt universelle Wahrheiten bezüglich Gottes Wesen. Der Hintergrund für die Psalmen lässt sich in zweifacher Hinsicht beschreiben:

  1. Gottes Handeln in Schöpfung und Geschichte und
  2. die Geschichte Israels im Speziellen.

Es handelt sich um die gesammelten Erinnerungen und Reflektionen eines Volkes und dessen Beziehung zu Gott. Die Psalmen lehren uns, worauf es bei echtem Lob und der Anbetung Gottes wirklich ankommt.

4. Schlüssellehren

Die Sündhaftigkeit des Menschen (PS 1,4; 5,5; 32,1-4; 36,2; 51,4; 66,18; 78,17; 106,43; 130,3; 1. Mo 6,5; 3. Mo 15,14; 5. Mo 31,18; Hi 4,17-19; Jer 17,9; Joh 1,10-11; Röm 5,15-17; 1. Joh 1,8)
Das Gesetz Gottes (Ps 1,1-2; 78,1; 119,97; 2. Mo 20,1-21; 5. Mo 5,6-21; Jer 11,4; Röm 7,7-14; Jak 1,25; 1. Joh 3,4)

5. Gottes Wesen

  • Gott ist zugänglich (Ps 15,1; 16,11; 23,6; 24,3-4; 65,5; 145,18)
  • Gott ist ein Befreier (Ps 106,43-45)
  • Gott ist ewig (Ps 90,2; 102,26-28; 106,48)
  • Gott ist herrlich (Ps 8,2; 19,2; 57,6; 63,3; 79,9; 90,16; 93,1; 96,3; 102,17; 104,1.31; 111,3; 113,4; 138,5; 145,5.11-12)
  • Gott ist gut (Ps 23,6; 25,8; 31,20; 33,5; 34,9; 52,3; 65,5; 68,11; 86,5; 104,24; 107,8; 119,68; 145,9)
  • Gott ist gnädig (Ps 116,5)
  • Gott ist groß (Ps 86,10)
  • Gott ist heilig (Ps 22,4; 30,5; 47,9; 48,2; 60,8; 89,36; 93,5; 99,3.5.9; 145,17)
  • Gott ist unveränderlich (Ps 102,27-28)
  • Gott ist gerecht (Ps 9,5; 51,6; 89,15; 98,9; 99,3-4)
  • Gott ist freundlich (Ps 17,7; 24,12; 25,6; 26,3; 31,22; 36,8.11; 40,11-12; 42,8-9; 48,10; 63,4; 89,34.50; 92,3; 103,4; 107,43; 117,2; 119,76.88.149; 138,2; 143,8)
  • Gott ist langmütig (Ps 78,38; 86,15)
  • Gott ist barmherzig (Ps 6,3.5; 25,6; 31,8; 32,5; 36,6; 51,3; 52,10; 62,13; 86,5.15; 89,29; 103,4.8.11.17; 106,1; 107,1; 115,1; 118,1-4; 119,64; 130,7; 145,9; 147,11)
  • Gott ist der Höchste (Ps 83,19)
  • Gott ist allgegenwärtig (Ps 139,7)
  • Gott ist allwissend (Ps 139,1-6)
  • Gott ist mächtig (Ps 8,4; 21,14; 29,5; 37,17; 62,12; 63,2-3; 65,7; 66,7; 68,34.36; 79,11; 89,9.14; 106,8; 136,12)
  • Gott hält seine Versprechen (Ps 89,4-5.36-37; 105,42)
  • Gott ist vorhersehend (Ps 16,8; 31,16; 33,10; 36,7; 37,28; 39,6; 73,16; 75,7-8; 77,20; 91,3-4.11; 104,5-9.27-28; 119,15; 121,4; 127,1-2; 136,25; 139,1-5.10; 140,8; 145,9.17; 147,9)
  • Gott ist rechtschaffen (Ps 5,9; 7,10.18; 11,7; 19,10; 22,32; 31,2; 35,24.28; 36,7.11; 40,11; 48,11; 50,6; 51,16; 69,28; 71,2.15-16.19.24; 73,12-17; 85,11; 96,13; 97,2.6; 98,2.9; 103,17; 111,3; 116,5;  119,7.40.62.123.137-138.142.144.172; 143,1.11; 145,7.17)
  • Gott ist souverän (Ps 2,4-5; 3,4; 72,5)
  • Gott ist treu (Ps 9,15; 11,7; 19,10; 25,10; 31,6; 33,4; 57,4.11; 71,22; 85,11; 86,15; 89,15.50; 96,13; 98,3; 100,5; 119,160; 139,2; 146,6)
  • Gott allein ist Gott (Ps 83,19; 86,10)
  • Gott ist unergründlich (Ps 145,3)
  • Gott ist aufrichtig (Ps 25,8; 92,16)
  • Gott ist weise (Ps 1,6; 44,22; 73,11; 103,14; 104,24; 136,5; 139,2-4.12; 142,4; 147,5)
  • Gott ist zornig (Ps 2,2-5.12; 6,2; 7,12-13; 21,9-10; 30,6; 38,2; 39,11; 58,11-12; 74,1-2; 76,7-9; 78,21-22.49-51.58-59; 79,5; 80,5; 89,31-33; 90,7-9.11; 99,8; 102,10-11)

6. Christus

Viele Psalmen sehen das Kommen des Messias und Königs, der ein direkter Nachkomme Davids ist, voraus (Ps 2,18; 20; 21; 24; 47; 110; 132). Da der Messias ein direkter Nachfahre Davids ist und aus seiner königlichen Linie stammt, wird er in messianischen Psalmen oft Sohn Davids genannt, oder David wird als Typus auf Christus gesehen. Hier einige ganz spezifisch messianische Prophezeiungen und ihre Erfüllung
· Psalm 2,7 (und Mt 3,17; 16,10; Mk 16,6-7);
· Psalm 22,17 (und Joh 20,25.27; 40,7-8; Hebr 10,7);
· Psalm 68,19 (und Mk 16,19; 69,21; Mt 27,34);
· Psalm 118,22 (und Mt 21,42).

7. Schlüsselworte im 1. Buch Könige

  • Sela: Hebräisch selah (Ps 3,3; 24,10; 39,12; 47,5; 60,6; 76,4; 88,11; 140,4) - stammt von einem Verb salal und bedeutet „hoch heben“. In 39 Psalmen sowie dem „Psalm Habakuks“ (Hab 3) kommt es zur Anwendung. Niemand weiß genau, was dieses Wort im Kontext bedeutet, d.h. was hochgehoben werden soll. Einige meinen, Sela sei ein „Verstärkungsbegriff“ und markiere die Stelle im Psalm, wo man seine Gedanken zu Gott „erheben“ soll. Die meisten Gelehrten halten das Sela aber für eine simple musikalische Anweisung wie z.B. ein Zwischenspiel, eine Pause oder ein Tonartwechsel.
  • Hoffnung: Hebräisch yachal (Ps 31,25; 42,12; 71,14; 119,49.116; 130,5; 131,3) - bedeutet „etwas mit großer Erwartung erwarten“. Das Wort kommt in den Psalmen am Häufigsten vor (über 50%) und speziell im Psalm 119. Manchmal finden wir „Hoffnung“ zusammen mit „starkem Vertrauen“ (Hi 13,15; Jes 51,5), manchmal ist sie schlicht und einfach vergeblich (Hes 13,6). Die Bibel beschreibt Noah, wie er sieben Tage wartet, bevor er die Taube aussendet (1. Mo 8,12) und die Männer, wie sie gespannt auf Hiobs Ratschläge warten (Hi 29,21). Dieses „mit Erwartung erwarten“ oder eben unsere „Hoffnung“ ist aber v. a. auf Gott gerichtet - sein Wort, sein Gericht und seine Gnade (Ps 33,18; 119,43; Mi 7,7). Diese Hoffnung ist nicht fehl am Platz, denn wir haben unsere Hoffnung auf den gesetzt, der treu ist und seine Zusagen gewiss erfüllen wird.
  • Psalm: Hebräisch mizmor (die Überschriften der Psalmen 3; 9; 32; 54; 72; 84; 100; 101) - stammen von dem Verb zamar „Musik machen“. Dieses Wort kommt nur in den Psalmen vor, und zwar bei 57 Überschriften. Vielleicht weist es darauf hin, dass es sich hierbei um ein Loblied handelt oder einfach um ein Lied mit einer bestimmten instrumentalen Begleitung. Bei 34 Psalmen finden wir mizmor im Zusammenhang mit „dem Chorleiter“, vielleicht ein Hinweis darauf, dass Psalmen üblicherweise von Musik begleitet wurden. Oft werden auch die Verfasser des Psalms genannt wie z.B. Korah (Ps 48; 84), Asaph (Ps 50; 82) und v. a. David (Ps 23; 29; 51).
  • Gesetz: Hebräisch torah (Ps 1,2; 19,8; 37,31; 89,31; 119,1.55.174) - wird meistens mit „Gesetz“ übersetzt. Torah stammt vom Verb yarah „lehren“ und vermittelt den Gedanken von „anleiten, unterweisen“. Das Wort kann sich auf verschiedene Arten von Unterweisung beziehen wie z.B. elterliche (Spr 1,8) oder die der Psalmisten (Ps 78,1). Meistens verweist es aber auf das Gesetz Gottes. Der Verfasser von Psalm 119 bringt seine große Liebe für das Gesetz, welches ihn Weisheit und Gerechtigkeit lehrt, zum Ausdruck (Ps 119,97-176). Auch Paulus preist im Neuen Testament das Gesetz. Es hat ihm seine Sünde aufgezeigt und machte ihm klar, dass er einen Erlöser brauchte (Röm 7,7).
  • Wahrheit: Hebräisch ´emet (Ps 15,2; 25,10; 30,10; 43,3; 71,22; 108,5; 146,6) - beschreibt Wahrheit, die mit einem vorgegebenen Standard übereinstimmt, d.h. entweder mit der erschaffenen Realität oder mit dem Maßstab Gottes. Wahrheit tritt oft zusammen mit Barmherzigkeit, v. a. Gottes Barmherzigkeit, auf (Ps 57,4; 117,2; 1Mo 24,49). Das Wort wird auch oft in der Rechtsprechung eingesetzt. In der Welt finden wir es im Kontext von Geschworenen und Richtern (Spr 14,25; Sach 8,16), während es in religiösen Belangen auf die Gebote und das Gesetz Gottes verweist (Ps 119,142.151). Die Wahrheit ist sehr kostbar und ihre Abwesenheit wird von den Propheten beklagt (Jes 59,14; Jer 9,4; Hos 4,1). Gott wünscht sich, dass die Wahrheit im Innern seines Volkes wohnt (Ps 15,2; 51,8). Sie bildet die Grundlage für ein Gott wohlgefälliges Leben (Ps 25,5.10; 26,3).

8. Gliederung

Die alten Hebräer pflegten die Psalmen nach einer bestimmten Art und Weise zu ordnen. Diese Gliederung orientiert sich daran.

  • Buch 1 (1 - 41)
  • Buch 2 (42 - 72)
  • Buch 3 (73 - 89)
  • Buch 4 (90 - 106)
  • Buch 5 (107 - 150)

9. Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

Die Chinesen stellen ihr erstes Wörterbuch zusammen, es umfasst 40.000 Zeichen. Das hebräische Alphabet entwickelt sich weiter. Es stammt ursprünglich aus einer früheren semitischen Sprachform.

10. Häufig auftauchende Fragen

  • Warum finden wir in den Psalmen oft Schilderungen, manchmal sogar genau in der Mitte eines unserer Lieblingspsalmen wie z.B. Psalm 23 oder 139, die uns etwas vor den Kopf stoßen?

    Da die Psalmen das wirkliche Leben widerspiegeln, sollten wir uns nicht wundern, dass sie oft dort unangenehm werden, wo das wahre Leben eben auch unangenehm ist. Gemäß dem wohl bekanntesten Psalm, Psalm 23, besteht das Leben nicht nur aus grünen Auen und stillen Wassern; es gibt da auch Tod und Feinde. Die Psalmisten waren überzeugt, den einzig wahren Gott zu kennen. Wenn jemand sie oder ihr Volk bedrängte, schrieen sie manchmal zu Gott und baten ihn, ganz spezifische Gerichte über ihre Feinde kommen zu lassen. Diese ungeschminkten Schreie zu Gott verleihen den Psalmen einen erstaunlichen Realitätsbezug, und wenn wir ehrlich sind, entsprechen sie z. T. sicher auch unseren eigenen inneren Klagen, die wir Gott vortragen. Im Fall von David, der König und der Stellvertreter Gottes für sein Volk war, sehen wir, wie sich seine offizielle Rolle zuweilen mit seiner eigenen Sicht der Dinge vermischt. Gelegentlich ist es schwierig zu unterscheiden, ob er nun für sich persönlich oder für das Volk als Ganzes spricht. Dieser Umstand erklärt teilweise die Härte, mit der in gewissen Psalmen ein Fluch gefordert wird. In unbeschämter Art und Weise beschwören sie Gottes gerechten Zorn und sein Gericht gegen die Feinde herauf.
  • Welche unterschiedlichen Arten von Psalmen gibt es?

    Die Psalmen decken das gesamte Spektrum an menschlichen Erfahrungen ab. Einige drücken sich relativ allgemein aus, während andere wiederum gewisse Umstände sehr detailliert beschreiben. Es gibt eigentlich für jede Lebenssituation einen Psalm. Man kann die Psalmen in fünf Gruppen einteilen:
    • Weisheitspsalmen: Anleitung für ein weises Leben (Ps 1; 37; 119)
    • Klagepsalmen: Nachsinnen über die Tiefschläge des Lebens (Ps 3; 17; 120)
    • Bußpsalmen: Nachsinnen über das Leid der Sünde (Ps 51)
    • Königtumspsalmen: Nachsinnen über Gottes souveräne Herrschaft (Ps 2; 21; 144)
    • Dankespsalmen: Gott loben und anbeten (Ps 19; 32; 111)

11. Kurzstudium zu den Psalmen / einige Fragen

  • Welche Psalmen sind dir am vertrautesten und wie beeinflussen sie dein Leben?
  • Was ist gemäß Ps 23 wichtig, um eine gesunde Beziehung zu Gott zu pflegen?
  • Wie könntest du anhand Ps 51 echte Buße erklären? Welche wichtigen Elemente der Buße finden wir dort?
  • Lies den ersten und den letzten Psalm (1 und 150). Warum wurden diese zwei ausgewählt, um genau da zu stehen, wo sie eben stehen?
  • Welches ist das zentrale Thema von Ps 119? Was oder wie trägt die Länge des Psalms zu dessen Aussagekraft und Wirkung bei?
  • Welchen Psalm oder Abschnitt eines Psalms betrachtest du als hilfreich, wenn es ums Gebet geht?

Impressum

John F. MacArthur
1. Auflage 2003
© 2001 by John MacArthur
Originaltitel: The MacArthur Quick Reference Guide To The Bible
Nelson / Word Publishing Group, Nashville
© der deutschen Ausgabe 2003
by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung
Postfach 11 01 35 • 33661 Bielefeld
Internet: www.clv.de 
Übersetzung: Martin Manten, Berlin
Lektorat: Claudia Kreutzer und Gabi Manten
Satz: CLV
Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN: 3-89397-644-2