Inhalt

Thema: Warnung vor dem Gericht Gottes
Arnos war ein Hirte aus Juda. Er hatte von Gott den Auftrag, dem Nordreich Israels das Gericht Gottes anzukündigen. In den ersten beiden Kapiteln wird aber nicht nur über Juda und Israel, sondern auch über die sündigen Nachbarvölker und -Städte die Strafe Gottes ausgesprochen. Dann wendet sich Gott in drei Reden speziell an Israel. Obwohl er sein Volk gezüchtigt hat, hat es sich doch nicht zu ihm gewandt. Das Gericht steht jetzt nahe bevor. Doch auch jetzt noch ruft Gott dem Volk zu: Suchet mich, so werdet ihr leben. Ab Kapitel 7 werden fünf Visionen beschrieben, die alle von dem bevorstehenden Gericht handeln. Während dieser Zeit versuchte der Priester Amazja, den Propheten Arnos aus Betel zu vertreiben. Den Abschluss des Buches bildet ein Blick auf die künftige Wiederherstellung des Volkes Israel.

Verfasser

Der Prophet Arnos stellt sich vor als jemand, der unter den Schafzüchtern in Tekoa war (Am 1,1). Sein Heimatort Tekoa lag ungefähr 8 km südlich von Bethlehem. Von Beruf war er ein Hirte und Maulbeerfeigenzüchter. Er bezeichnete sich weder als einen Prophetenjünger noch als einen Propheten. Doch der Herr hatte ihn berufen, hinzugehen und dem Volk Israel zu weissagen (Am 7,14-15). Mit Hingabe und missionarischem Eifer führte er diesen Dienst aus.

Abfassung

Der Prophet Arnos ist der Verfasser dieses Buches (vgl. Am 1,1; 7,8; 8,1-2). Er empfing seine Weissagungen in der Zeit des Königs Usia von Juda und Jerobeams, des Königs von Israel, zwei Jahre vor dem Erdbeben (Am 1,1). Das große Erdbeben lässt sich nur schwer datieren. Die Regierungszeit der zwei genannten Könige überschneidet sich in den Jahren 767-752 v. Chr. Als Datum der Abfassung könnte die Zeit um 760 v. Chr. angenommen werden.

Zeitabschnitt

Äußerlich könnte die Zeit Jerobeams II. als ein Höhepunkt in der Geschichte des Nordreichs angesehen werden. Im Lande herrschte eine gewisse Stabilität. Ägypten und Assyrien stellten zu der Zeit keine Bedrohung für das Volk dar. Die Vornehmen in Juda und Samaria lebten relativ sorglos (Am 6,1). Manche meinten, das Unglück sei nicht so nahe und würde ihnen nicht begegnen (Am 6,3; 9,10).
In geistlicher und moralischer Hinsicht aber war das Volk auf einem Tiefpunkt angekommen. Es gab:

  • Unterdrückung der Armen (Am 2,6-7; 4,1; 5,11-12)
  • Sittenlosigkeit und Unmoral (Am 2,7)
  • Schlemmerei (Am 2,8; 6,4-6)
  • unaufrichtiger Gottesdienst (Am 5,21-23)
  • Hoffart (Am 6,8)
  • Götzendienst (Am 8,14).

Zweck

Gott kündigte durch Arnos das göttliche Gericht über die Nachbarn Israels, aber in erster Linie über Israel selbst an. Das Volk hatte die Züchtigungen Gottes missachtet. Jetzt ruft Arnos in einer ernsten Sprache noch einmal zur Umkehr auf.

Einteilung

Gerichtsankündigungen gegen acht Länder oder Städte (Am 1-2)

  1. Die Einführung (Am 1,1.2)
  2. Die Gerichtsankündigung gegen Damaskus (Am 1,3-5)
  3. Die Gerichtsankündigung gegen Gaza (Am 1,6-8)
  4. Die Gerichtsankündigung gegen Tyrus (Am 1,9.10)
  5. Die Gerichtsankündigung gegen Edom (Am 1,11.12)
  6. Die Gerichtsankündigung gegen Ammon (Am 1,13-15)
  7. Die Gerichtsankündigung gegen Moab (Am 2,1-3)
  8. Die Gerichtsankündigung gegen Juda (Am 2,4.5)
  9. Die Gerichtsankündigung gegen Israel (Am 2,6-16)

Drei Gerichtsreden über Israel („Höret. . .“) (Am 3-6)

  1. Gott will die Sünden Israels heimsuchen (Am 3)
  2. Gottes Züchtigungen sollen zur Bekehrung führen (Am 4)
  3. Gott gibt die Möglichkeit zur Umkehr trotz des nahenden Gerichtes (Am 5-6)

Fünf Visionen des Gerichts über Israel (Am 7,1-9,10)

  1. Die Vision von den Heuschrecken (Am 7,1-3)
  2. Die Vision vom Feuer (Am 7,4-6)
  3. Die Vision vom Bleilot (Am 7,7-9)
  4. Amazjas Reaktion auf Arnos Gerichtsankündigungen (Am 7,10-17)
  5. Die Vision vom reifen Obst (Am 8)
  6. Die Vision vom Herrn über dem Altar (Am 9,1-10)

Die künftige Wiederherstellung Israels (Am 9,11-15)

Besonderheiten

  • Gott erinnert das Volk daran, wie er es bereits in der Vergangenheit gezüchtigt hat durch
    • Mangel an Brot (Am 4,6)
    • Trockenheit (Am 4,7-8)
    • Dürre, Getreidebrand, Raupen (Am 4,9)
    • Pest, Krieg (Am 4,10)
    • Zerstörung (Am 4,11).
  • Alle diese Strafen hatten keine Wirkung gezeigt. Fünfmal heißt es „Dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der Herr“ (Am 4,6.8.9.10.11). Die erneute Aufforderung lautet: „So bereite dich Israel und begegne deinem Gott“ (Am 4,12).
  • Amos spricht besonders häufig die soziale Ungerechtigkeit und Unterdrückung der Armen an (Am 2,6-8; 4,1; 5,11; 8,4-6).