Einführung in das Buch Daniel

Zum Zeitpunkt der Entstehung des Buches

  • Dan 1,1: [[2]]. Jahr der Regierung Jojakims ⇒ Daniel wurde um 606 v. Chr. nach Babylon deportiert (1. Wegführung in die Babylonische Gefangenschaft).
  • Dan 10,1: 3. Jahr der Regierung des Kyrus ⇒ spätestes Datum im Buch: 537 / 536 v. Chr.
  • 6. Jh. v. Chr.; Vollendung um 536 v. Chr. oder kurz danach (vgl. die zahlreichen persischen Lehnwörter!)

Autor

Daniel (Mat 24,15); Florilegium (4Q174): Daniel, der Prophet

Handschriften in Qumran

  • Überreste von 8 Rollen
  • Höhle I: 2; Höhle IV: 5; Höhle VI: 1
  • Datierung: von 125 v. Chr. - 50 n. Chr.
  • Mit Ausnahme von Kap 12 sind alle Kapitel durch diese 8 Rollenfragmente belegt.
  • Kap 12 wird aber im Florilegium zitiert (4Q174) ⇒ In Qumran sind alle 12 Kapitel belegt.
  • Die Sprachübergänge (Hebräisch / Aramäisch) in 2,4 und 8,1 sind belegt.

Thema

  • Die Zeiten der Nationen (Luk 21,24): Von Babylon bis zum Reich Gottes
  • Das sechste heilsgeschichtliche Zeitalter auf der Grundlage des Zedekia-Bundes (Hes 17; 2. Kö 24,14-16; 2. Chr 36,10-13) und das siebte Zeitalter auf der Grundlage des neuen Bundes (Jer 31,31ff)
  • Israel sollte im Fall von Gehorsam gegen Gottes Wort zur höchsten Nation der Welt werden (5. Mo 28,1.10.13). Gott erwählte David als König nach seinem Herzen und schloss mit ihm einen Bund (2. Sam 7; Ps 89,3). Von ihm sollte der Weltherrscher, der Messias abstammen (Ps 89,36; 132,11; Jer 23,5). Weil die Meisten der Nachkommen Davids auf dem Thron sich als untreu erwiesen hatten, beendete Gott das Königtum und übergab die Weltherrschaft den Heiden (Dan 2,37-38). „Die Zeiten der Nationen“ umfassen die Perioden der vier Weltreiche Babylon, Medopersien, Griechenland und Rom. Danach sollte der Messias das Reich Gottes aufrichten. Während den Zeiten der Nationen sollte Israel unter der Oberherrschaft der Heidenvölker stehen, deshalb musste Zedekia den Bund mit Nebukadnezar besiegeln und sich ihm unterwerfen (Hes 17; 2. Kö 24,14-16; 2. Chr 36,10-13).

Aufbau und Struktur des Buches

  1. 1. Daniels Ausbildung in Babylon (1)
    2. Der Traum vom Standbild: Von Babylon bis zum Reich Gottes (2)
    3. Die drei Freunde im Feuerofen (3)
    4. Gott widersteht dem Hochmut Nebukadnezars (4)
    5. Die Schrift an der Wand (5)
  2. 1. Daniel in der Löwengrube (6)
    2. Der Traum von den wilden Tieren: Von Babylon bis zum Reich Gottes (7)
    3. Der Traum vom Widder und dem Ziegenbock (8)
    4. Die Prophetie von den 70 Jahrwochen (9)
    5. Die Enthüllung aus dem Buch der Wahrheit (10-12)

Zur Prophetie im Buch Daniel

Prophetie des Standbildes (Dan 2)

  • Kopf von Gold (Babylonisches Reich: ab 606 v. Chr.)
  • Brust und Arme aus Silber (Medopersisches Weltreich: ab 539 v. Chr.)
  • Hüfte aus Bronze (Griechisches Weltreich: ab 331 v. Chr.)
  • Beine und Füsse aus Eisen vermischt mit Ton (Römisches Reich: 40 v. Chr.)
  • Stein / Berg (das Reich Gottes)

Prophetie von den vier Tieren (Dan 7):

  • Löwe mit Adlersflügeln (Babylonisches Reich) o Gefrässiger Bär (Medopersisches Reich)
  • Leopard mit vier Köpfen und vier Flügeln (Griechisches Reich und seine nachfolgenden Splitterreiche ab Schlacht von Ipsos [301 v. Chr.])
    • 1. Kassander erwarb sich Mazedonien (Westen),
    • 2. Lysimachus Kleinasien und Thrakien (Norden),
    • 3. Seleukus Syrien (Osten) und
    • 4. Ptolemäus Ägypten (Süden).
  • Tier mit zehn Hörnern (Römisches Reich; die 10 Hörner [Dan 7,7.20] = die 10 Herrscher der Endzeit [Off 17,12-18); das Horn mit Augen [Dan 7,20-26] = der kommende Fürst des Römischen Reiches in der Endzeit: Dan 7,7-11.19-27; Dan 9,26b-27; Off 13,1-10; 16,13; 19,19-20)
  • Der Menschensohn und sein Reich (das Reich Gottes)

Prophetie von den zwei Tieren (Dan 8):

  • Widder (Medopersisches Weltreich; kleineres Horn = Medien; grösseres Horn = Persien)
  • Ziegenbock (Griechisches Reich; zerbrochenes Horn = Alexander der Grosse; kleines Horn = Antiochus Epiphanes; 2300 Abende + Morgen = 1150 Tage ⇒ Diese Zeit passt genau zwischen die Tempelschändung durch Antiochus am 6. Dezember 167 v. Chr. (1Makk 1,57) und der Befestigung des Zionsberges durch die Makkabäer im Januar 163 v. Chr. hinein! Die Befestigung fand nämlich kurz nach der Tempelweihe (4. Dezember 164 v. Chr.; 1. Makk 4,52) statt, und zwar mit dem Zweck, das Heiligtum zu schützen (vgl. 1Makk 4,60-61).
  • Der König von Grosssyrien in der Endzeit: Dan 8,23.26; 9,27; 11,40-45)

Die Prophetie von den 70 Jahrwochen:

  • Nach 70 Jahrwochen (Dan 9,24):
    • 1. Abfall zum Abschluß zu bringen (= Ende der Geschichte von Israels Abfall)
    • 2. den Sünden ein Ende zu machen (= Ende von Israels ständigem Sündigen gegen Gottes Gebote)
    • 3. die Ungerechtigkeit zu sühnen (= Gott vergibt Israel all die vielen Sünden der Vergangenheit)
    • 4. eine ewige Gerechtigkeit einzuführen (= Gott wird eine gerechte Weltregierung schenken.)
    • 5. Gesicht und Propheten zu versiegeln (= Alle Prophetien werden sich vollständig erfüllen.)
    • 6. ein Allerheiligstes zu salben (= Der Dritte Tempel (Hesekiel-Tempel) wird mit Öl gesalbt werden.)
  • Dan 9,25a: „So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind 7 Jahrwochen und 62 Jahrwochen. 
    • Erlass zum Aufbau Jerusalems (Neh 2): Nisan (März/April) 445 v. Chr.
    • Auftreten Jesu als Messias-Fürst: Palmsonntag (Joh 12), Nisan (März/April) 32 n. Chr. (15. Jahr des Kaisers Tiberius [Lk 3,1]; Tiberius: ab 14 n. Chr.; 15 + 3 [Lk 13,6-9) ⇒ 32 n. Chr.)
    • 7 + 62 JW = 69 JW
    • 1 Jahrwoche = 7 Jahre a 360 Tage (vgl. Off 11,2-3)
    • 69 x 7 x 360 T = 173’880 T ⇒ Passt exakt hinein! Vgl. R. Liebi: Jerusalem - Hindernis für den Weltfrieden? S. 34ff
  • Dan 9,25b: „Strassen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden, und zwar in Drangsal der Zeiten.
    • Vgl. die dauernde militärische Bedrohung Israels während des Wiederaufbaus in Neh 2ff
  • Dan 9,26a: „Und nach den 62 Wochen wird der Messias ausgerottet / weggetan werden und nichts haben.
    • Nach den ersten 7 JW (= 49 Jahre, während derer Jerusalem vollständig wiederaufgebaut wurde) folgten die 62 JW. Exakt am Ende dieser Zeit trat Jesus als Fürst auf. Fünf Tage danach wurde er gekreuzigt. Er richtete kein weltweites Friedensreich auf.
  • Dan 9,26b: „Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, ..."
    • Im Jahr 70 n. Chr. zerstörten die Römer (= das Volk; „der kommende Fürst“ aus diesem Volk, Dan 7,20ff, ist noch zukünftig) Jerusalem und den Tempel.
  • Dan 9,26c: „... und das Ende davon wird durch die überströmende Flut sein; ...
    • Die Zerstörung Jerusalems steht am Anfang einer Kette von Gerichten Gottes über sein Volk. Der Abschluss dieser Kette sollte die Invasion Syriens in der Grossen Drangsal sein (Dan 11,40; vgl. Jes 28,17.18).
  • Dan 9,26d: „... und bis ans Ende: Krieg, Festbeschlossenes von Verwüstungen.“
    • Bis in die Endzeit (Zeit der Rückkehr der Juden aus aller Welt; Hes 38,8) sollte Jerusalem ständig Krieg und Verwüstungen erfahren (135: Römer; 614: Perser; 629: Byzantiner; 638; 1071: Türken; 1099: Kreuzfahrer; 1187: Saladin; 1244: Tataren: 1517: Osmanen; 1917: Engländer; 1948: Jordanier; 1967: Israel)
  • Dan 9,27a: „Und er [der kommende röm. Fürst] wird einen festen Bund mit den Vielen schließen für eine Jahrwoche;...
    • Der kommende Führer des wiedererstandenen Römischen Reiches (Off 13 u. 17) wird mit Israel einen Bund für 7 Jahre schliessen (Jes 28,14-22). Dieser Bundesschluss wird die 70. Jahrwoche eröffnen.
  • Dan 9,27b: „... und zur Hälfte der Jahrwoche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. ...“
    • Nach 3 ½ Jahren wird der römische Fürst den Opferdienst in Jerusalem stoppen. Der Antichrist wird den Dritten Tempel entweihen, indem er sich in den Tempel setzt (2. Thes 2,4; = 1. Gräuel) und indem er das sprechende Götzenbild (Off 13,14-18; 2. Gräuel) auf dem Tempelplatz, sichtbar für alle, aufstellt (Mat 24,15). Die folgenden 3 ½ Jahen nennt die Bibel: „die grosse Drangsal“ (Mt 24,21).
  • Dan 9,27c: „... Und wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen, und zwar bis Vernichtung und Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden.“
    • Weil die Masse des jüdischen Volkes den Götzendienst des Antichristen akzeptieren wird, wird Syrien mit seinen Verbündeten den entscheidenden Vernichtungsschlag gegen Israel ausführen können (“Verwüster” = der König des Nordens (in der Vergangenheit: Grosssyrien vom Libanon bis Pakistan) und seine Verbündeten; “der Assyrer” [Dan 11,40-45; 8,23-26; Joel 1-2; Jes 28-29; Micha 5; Sach 12-14 etc.])

Prophetie in Dan 11

  • Noch vier persische Könige (Dan 11,2):
    • 1. Kambyses (530-522 v. Chr.; = Ahasveros in Esra 4,6)
    • 2. Gaumata (= Pseudosmerdis; 522 v. Chr.; = Artasasta in Esra 4,7; er regierte nur einige Monate lang)
    • 3. Darius I. Hystaspes (522-486 v. Chr.; = Darius in Esra 4,5)
    • 4. Xerxes I. (486-465 v. Chr.; = Ahasveros in Esth. 1,1)
  • Alexander d. Grosse und die vier Diadochen (Dan 11,3-4):
    • 1. das Reich des Ptolemäus
    • 2. das Reich des Seleukus
    • 3. das Reich des Kassander
    • 4. das Reich des Lysimachus
  • Die Ptolemäer und die Seleuziden (Dan 11,3-35):
    • ■ Ägypten („König des Südens “)
      • • 323-285 Ptolemäus I. Soter (Dan 11,5a
      • 285-247 Ptolemäus II. Philadelphus (Dan 11,6)
      • 247-222 Ptolemäus III. Euergetes (Dan 11,7.8.9)
      • 222-205 Ptolemäus IV. Philopator (Dan 11,10b.c.11.12)
      • 205-182 Ptolemäus V. Epiphanes (Dan 11,13.14.15.16.17)
      • l82-145 Ptolemäus VI. Philometor (Dan 11,25.26.27.29)
    • Syrien („König des Nordens“)
      • • 312-281 Seleukus I. Nikator (Dan 11,5b)
      • 281-261 Antiochus I. Soter (Dan 11,6: „Und nach Verlauf von Jahren ...“)
      • 261-246 Antiochus II. Theos (Dan 11,6)
      • 246-226 Seleukus II. Kallinikus (Dan 11,7.9)
      • 226-223 Seleukus III. Soter (Dan 11,10a)
      • 223-187 Antiochus III. der Große (Dan 11,10a.b.c.11.12.13.14. 15. 16. 17.18.19)
      • 187-175 Seleukus IV. Philopator (Dan 11,20)
      • 175-163 Antiochus IV. Epiphanes (Dan 11,21.22.23.24.25.26.27. 28.29.30.31.32.33.34.35)
    • Der Antichrist, der Königs des Nordens u. der König des Südens:
      • Der Antichrist (Dan 11,36-39; vgl. 2Thess 2,3-4; 1Joh 2,18ff.; Off 13,1118; 16,13 (falscher Prophet); 19,20
      • Die Invasion des Königs des Nordens (Dan 11,40-45)

Prophetie in Dan 12

  • Die grosse Drangsal (Dan 12,1; Mt 24,21)
  • Zeitdauer der Drangsal: 3 ½ Jahre (1260 Tage): Dan 7,25; 9,27; Off 11,2.3; 12,7.14; 13,5
  • Wiedereinführung der Opfer nach 1290 Tagen (= 1260 + 30 Tage): Dan 12,11
  • Nach 1335 Tagen kommt der Frieden des 1000-jährigen Reiches (= 1260 + 75 Tage): Dan 12,12
  • Die Auferstehung der Gläubigen in der Endzeit (Dan 12,13)

Besonderheiten

  • 1,1-2,4a: hebräisch; 2,4b-7,28: aramäisch; 8,1-12,13: hebräisch
  • Aramäisch im Buch Daniel: Reichsaramäisch (Official Aramaic); = Dialekt des 6. Jh. v. Chr.
  • Hebräisch im Buch Daniel: Sprachstufe des 6. Jh.
  • Mehr als 200 bisher erfüllte Prophezeiungen
  • Dan 11,2-35: ca. 150 erfüllte Prophezeiungen über die Zeit von Kyrus bis zu den Makkabäern (6.-2. Jh. v. Chr.)
  • Das Buch Jeremia als Gottes Wort bestätigt (Dan 9,2): Erfüllung der Prophetie über die 70 Jahre Babylons.
  • Die Prophetie der 70 Jahre Babylon (Jer 25,12; 29,10: 609 - 539 v. Chr.) und der 70 Jahrwochen (Dan 9). Beginn: Untergang des assyrischen Reiches (609 v. Chr.). Ende: Untergang des Babylonischen Reiches (539 v. Chr.)
    Israel und die Religion der Babylonier
  • Mit der ersten Belagerung Jerusalems durch Nebukadnezar (606 v. Chr.; Dan 1,1; 2Kön 24,1ff; 2Chr 36,5ff) kam Juda unter den Druck der babylonischen Religion.
  • Sind die Götter Babylons stärker als der HERR? Nein, der HERR liess durch seine Propheten im Voraus den Sieg Babylons über das Königreich Juda verkündigen, und zwar als Gericht über Judas Abfall von ihm (vgl. Jeremia; Habakuk, Micha 4,10; 5Mo 28,36). ER hat die Geschichte in seiner Hand!
  • Die Weggeführten Juden bekamen von Jeremia zuvor noch eine Botschaft in der damaligen Weltsprache Aramäisch mit auf den Weg, als Zeugnis für die Babylonier (Jer 10,11): „So sollt ihr zu ihnen sprechen: Die Götter, die den Himmel und die Erde nicht gemacht haben, diese werden verschwinden von der Erde und unter diesem Himmel hinweg."  Vgl. Jeremia 10: Kampf gegen die falschen Götter Babylons.
  • Viele Juden opferten der „Königin des Himmels“, der Göttin Ishtar von Babylon (Jer 7,18; 44,17.18.19.25). Vgl. den Marien-Kult; lat. regina coelis = Königin des Himmels!
  • Der babylonische Thammuz-Kult wurde im Tempel zu Jerusalem praktiziert (Hes 8,14). All das verhinderte aber nicht den Untergang des Königreiches Judas durch die Babylonier.
  • Geraubte Tempelgeräte aus dem Tempel des HERRRN wurden in den Tempel Marduks nach Babylon gebracht (Dan 1,2; Marduk, Babylons Stadtgott, war speziell Nebukadnezars Gott; vgl. Inschriften. Aber beachte den genauen Wortlaut von Dan 1,2: „Der Herr (’adonaj = der Gebietende) gab ... in seine Hand“ ⇒ Der Gott Israels ist der Herr der Geschichte!
  • Dan 1,6-7: Versuch zur Entwurzelung Daniels und seiner Freunde durch Namensänderung: Daniel (Gott ist mein Richter / Gott verschafft mir Recht) ⇒ Beltschazar: balatsu-uzur = (Marduk) schütze sein Leben! (vgl. Dan 4,8); Hanan-ja (Der HERR ist gnädig) ⇒  Shadrak: shaduraku / shuduraku = Ich bin sehr in Furcht versetzt (vor einem babylonischen Gott); Misa-el (Wer ist wie Gott?) ⇒ Meshak: Wer ist wie Aku (der Mondgott)?; Asarja (Der HERR hilft) ⇒ Abed-Nego: Knecht von Nebo.
  • Dan 1: Zwang zum Götzenopfer essen. („Götter“ bekamen zwei Mahlzeiten mit zwei Gängen: am Morgen und am Abend. Mahlzeit: Fleisch, Geflügel, Fisch, Früchte, Öl, Milch, Wein, Honig etc. Während des „Essens“ wurde ein Vorhang gezogen. Niemand durfte es sehen. Es gibt Belege für Folgendes: Gerichte der Götter wurden danach auf den Tisch des Königs gesandt (vgl. Dan 1,5ff.!). Daniel ass Gemüse, weil er sich nicht mit Götzenopfern verunreinigen wollte (vgl. Apg 15; 1Kor 8; 10).) Daniels Widerstand gegen die Götzenopfer Babylons am Tisch des obersten Priesters von Babylon (= Nebukadnezar) und Gottes Belohnung: Obwohl Daniel und seine 3 Freunde keine Gemeinschaft mit den Göttern Babylons haben wollten (sie betrachteten diese Götter als Quelle von Verunreinigung!), übertrafen sie alle babylonischen
  • Priesterklassen an Weisheit. Wo war Nabu, der Gott der Weisheit, der Schrift und der Offenbarung (vgl. Nebukadnezar: Dan 1,1.18; Abed-Nego: Dan 1,7)? Wo war Enki, „der Erfahrene unter den Göttern“, der Weisheit und Verstand gibt? Wo war Marduk, der Gott der Weisheit und Unergründlichkeit (vgl. Dan 1,2: „sein Gott“)? Wo war der weise und unergründliche Mondgott Sin?
  • Dan 2: Nur ein Prophet des HERRN kann sagen, was Nebukadnezar geträumt hat. Nur der HERR kennt die Zukunft der Weltreiche. Nebukadnezar muss den HERRN als den Höchsten anerkennen. Obwohl Nebukadnezar ein „Göttersohn“ sein sollte, konnte er den eigenen Traum nicht deuten.
    Wo war Nabu, der Offenbarer der verborgenen Dinge? Wo war Bel, der über die Ordnung der Welt wacht und die Schicksalstafeln besitzt? Wo war Sin / Aku, der das Schicksal für weit entfernte Tage festlegt (vgl. Arioch: Dan 2,14.15.15.24.25)? Wo war Marduk, der Gott Babylons, der verhindern sollte, dass nach Babel ein anderes Reich käme (Dan 2,39: „nach dir ... ein anderes Reich“)? Nebukadnezar musste den wahren Gott anerkennen (Dan 2,47)!
  • Dan 3: Zwang zur Götzenanbetung. Die drei Freunde Daniels widerstehen dem Götzendienst Babylons (Verehrung des angeblichen Gottessohnes Nebukadnezar. Der vierte im Feuer sieht aus wie „einer der Söhne der Götter“). Der HERR ist Herr über die Gewalt des Feuers. Nebukadnezar muss den HERRN als den Höchsten anerkennen. Nabu, der Gott des Feuers, vermag nichts gegen HERRN! Nebukadnezar musste den wahren Gott anerkennen (Dan 3,28-29)! Er machte im ganzen Reich den wahren Gott bekannt (Dan 3,29). ⇒  Mission in Babylon!
  • Dan 4: Der HERR macht den obersten Priester Babylons (Nebukadnezar) für 7 Jahre zu einem Tier. ER gibt ihm den Verstand wieder zurück. Nebukadnezar muss den HERRN als den Höchsten anerkennen. Nabu konnte die Krone nicht schützen! Anu, der Gott des Königtums konnte Nebukadnezar nicht schützen! Bel konnte das Schicksal des Königs nicht abwenden. Marduk, der Gott der Krankenheilung, vermochte nichts gegen den Willen des HERRN! Nur der HERR - und nicht die Götter Babylons - setzte wieder als Herrscher ein. Nebukadnezar musste den wahren Gott anerkennen (Dan 4,34-37)!
  • Dan 5: Die Entweihung der Tempelgeräte des HERRN aus dem Marduk-Tempel zum Lob der Götter Babylons führt zum unmittelbaren Untergang des babylonischen Reiches. Nur Daniel kann die prophetische Schrift des HERRN an der Wand deuten: Der HERR übergibt die Weltherrschaft Babylons den Persern. Wo war Nabu, der Offenbarer verborgener Dinge? Der Erfinder der Schrift kann nicht einmal die Schrift an der Wand lesen, geschweige denn deuten! Wo war Marduk, der Gott Babylons, der verhindern sollte, dass nach Babel ein anderes Reich kommt? Wo war Bel, der über die Ordnung der Welt wacht und die Schicksalstafeln besitzt? Wo war Sin, der das Schicksal für weit entfernte Tage festlegt?
  • Der HERR liess den Untergang des Reiches der Babylonier prophetisch verkündigen, wegen deren Götzendienst und wegen deren Hass gegenüber seinem Volk (Jer 25,11-12 [70 Jahre / 3 Generationen: Nebukadnezar - Evil Merodach - Nabonid]; 27,6-8; Dan 2; 5; 7; Jes 44,27 - 45,7; 47; Hab 2; 5Mo 28,36). Vgl. den endzeitlichen Totaluntergang Babyloniens: Jes 13-14 und Jer 5051. Der Untergang der Römischen Kirche als „Hure Babylon“: Off 17-18.
  • Die Zucht der Gefangenschaft in Babylon führt viele Juden zur Umkehr zum HERRN und zu einem geistlichen Neuanfang (Ps 137; Esr; Dan 9; Esr 1ff; Neh 1ff; Haggai 1ff; Sach 1ff).

Bemerkungen zu einzelnen Göttern

  • Enki (= Ea = sum. „Wasserhaus“); Stadtgott von Eridu; Machthaber über den unterirdischen Süsswasserozean Apsu (sum. ab-zu); Gott der Weisheit, „der König der Weisheit, der Verstand schafft“, „er, der alles kennt, was einen Namen hat“, „der Erfahrene (apkallu) unter den Göttern“, gibt dem König Weisheit; vgl. aber Dan 2 und 5; Gott der Beschwörungskunst (vgl. Dan 2,2.27; 4,7; 5,7.11.15); Schutzpatron von Handwerker und Künstlern; Ea = Künstler, „dessen Hände den Menschen geformt haben“ (Verdrehung von 1Mo 2,7; zur Hälfte Mensch und zur Hälfte Fisch (gemäss Berossus, 270 v. Chr.); Bilder: Steinbockskopf und Fischschwanz; Vermittler von Kultur (Baukunst etc.; vgl. Jes 28,23-29); Gemahlin: Ninki (fem. von Enki) und Damgalnunna / Damkina (Damkina = „Herrscherin des Himmels und der Erde“; vgl. Apg 17,24)
  • Bel (= der Herr; vgl. hebr. ba’al); = sum. Enlil / Ellil; Gott der Atmosphäre (vgl. Eph 2,2); „König der Länder“ (d.h. der Erde); vgl. „Fürst dieser Welt“ (Joh 12,31; 14,30; 16,11); Jes 46,1; Jer 50,2; 51,44; Göttervater“, „Götterkönig“; verleiht zusammen mit An Königswürde (vgl. aber Dan 2,37);
    u.a. Epithet: „Wildochse“; Sturmflut abubu = seine Waffe; Urheber der Sintflut; sein Befehl sei unwiderruflich; wacht über Ordnung der Welt, Besitzer der Schicksalstafeln; Gemahlin: Ninlil; Stadt: Nippur; Belsazzar (Dan 5): akkad. bel sharra uzzur = Bel schütze den König; Name hat sich nicht erfüllt!; Daniel = Gott ist mein Richter / der mir Recht verschafft; Name hat sich erfüllt (Dan
    5)!
  • Marduk; Sohn von Enki und Damkina; Stadtgott Babylons; Nationalgott Babyloniens (vgl. Dan 1,2); „Sonnensohn“ od. „Sonnenstier“; mit Planet Jupiter assoziiert; Tempel in Babylon: Esagila; Hauptperson im babylon. Schöpfungsmythos (Enuma elish / „Als droben“); Sohn von Enki / Ea; besiegte das Chaos, die Göttin Tiamat (als alle Götter machtlos waren), und erschuf die Welt; erhielt von den anderen Göttern die Schicksalstafeln; Schluss des Epos: 50 Ehrennamen Marduks;
    = oberster Gott; Gott der Magie und Beschwörungskunst, als Sohn Eas (vgl. aber Dan 1; 2; 4; 5); viele Götter werden als Manifestation Marduks betrachtet, erhält Beinamen „Bel“ und wird so mit Enlil identifiziert (vgl. Jes 46,1; Jer 50,2; 51,44); Epitheta: Allmacht, Weisheit, Unergründlichkeit (vgl. jedoch Dan 1; 2; 4; 5), kriegerisches Auftreten; Krankenheilung (vgl. aber Dan 4 dazu!); Tote zum Leben erwecken; Ritual für das Neujahrsfest: Identifikation mit versch. Astralgöttern; Ende des Gebets: „Mein Herr ist mein Gott, mein Herr ist mein Herrscher, gibt es einen Herrn ausser ihm?“ (vgl. Dan 1,2!); Gemahlin: Sarpanitu (= “die Glänzende“), zuweilen mit Venus identifiziert; Wortspiel: zer-banitu = „die Samen-Schaffende (vgl. 1Mo 3,15.20; Vergottung von Eva); Jes 39,1: Merodak-Baladan (König von Babel zur Zeit Hiskias); = marduk apla iddina = Marduk hat einen Sohn gegeben; 2Kön 25,27; Jer 52,31: Evil-Merodach = avil marduk = Mann des Marduk, König von Babylon und Nachfolger Nebukadnezars: 561-559 v. Chr.; Mordokai = Marduk geweiht (Est 2-10)
  • Nabu; nabu = „Sprecher“, d.h. der sich offenbarende Gott; Sohn Marduks; Gott der Stadt Borsippa (15 km von Babylon entfernt); mit Planet Merkur assoziiert; vgl. Jes 46,1; 30x Nebukadrezar (z.B. Jer 21,2); 61x Nebukadnezar (z.B. Dan 1,1); = nabu kudurri uzzur = Nabu schütze die Krone!; Nebusaradan (Feldherr Nebukadnezars); = nabu zer iddin = Nabu hat Samen gegeben (2Kön 25,8.11.10; Jer 39; 40; 41; 43; 52; Nebushasban (Oberster der Eunuchen Nebukadnezars); = nabu schizib anni = Nabu errette mich! (Jer 39,13); der Gott, der „den Königen das Szepter der Herrschaft verleiht, zur Verwaltung aller Länder“ (vgl. aber Dan 2,37.38!); Gott des Feuers (vgl. aber Dan 3!); Gott der Schreibkunst / Erfinder der Schrift (vgl. aber Dan 5,8);
    Gott der Weisheit; in neubabylon. Zeit auf Kosten Marduks besonders erhöht; Gattin: Tashmetu (= „das Hören“), die Gebet Erhörende
  • Sin; = sum. Nanna; Mondgott; seine Stadt: Ur, die Stadt Abrahams; Kopfbedeckung: 4 Paar Hörner, gekrönt von Mondsichel; Neumond = „der starke Jungstier mit starken Hörnern“; Sichel = „glänzendes Boot des Himmels“; abnehmender Mond = alter Mann mit Bart ^ weiser, unergründlicher Gott, dessen „Pläne kein Gott kennt“; „der die Schicksale für weit entfernte Tage festlegt“ (vgl. aber Dan 2 speziell 2,28; beachte Dan 2,14.15.24.25: Arioch = eri-aku = Diener des Mondgottes; vgl. auch 1Mo 14,1.9: Zeit Abrahams), Urheber des Lebens (vgl. aber Dan 5,23); Wächter und Leiter der Menschen, Richter des Himmels und der Erde, Herr der Schicksale; Nabonid (555-539 v. Chr.) wollte Sin zum obersten Gott machen, jedoch: starker Widerstand des Volkes und der Priester; Sins Frau: Nin-gal (= „die grosse Herrscherin“), aram./phön. Nikkal; Kinder: Shamash und Ishtar; Dan 1,7: Meshak = „Wer gehört Aku (dem Mondgott)?“; Gegensatz: Mischael = Wer ist es, der Gott zugehört? Sanherib (König von Assyrien; 2Kön 18,13); = sin-ache-irba = Sin vermehrt Brüder; Sanballat (Neh 2,10.19; 3,33; 4,1; 6,1.2.5.12.14; 13,18) = sin-uballit = Sin gab Leben.

Praktische Lehren

  • Gott ist der HERR der Geschichte: Er weiss alles im Voraus. Er vollführt alle seine Pläne, trotz des Widerstandes der Gottlosen.
  • Gott teilt den Seinen mit, welche Pläne er mit der Welt und mit ihnen hat.
  • Daniels praktische Treue soll die Maskilim (= Verständige; vgl. Dan 11,33.35; 12,3.10) der Makkabäerzeit und der Endzeit vorbilden.
  • Wir sollen das prophetische Wort im Herzen bewahren wie Daniel (Dan 7,28).
  • Das Buch Daniel soll besonders die Treuen der Endzeit ermutigen. Für sie wird das Buch nicht mehr versiegelt sein (Dan 12,4).
  • Die Treuen bemühen sich um Reinheit. Gott gibt ihnen Weisheit. Weisheit von oben hilft den Treuen treu zu sein.
  • Humanität ohne Divinität wird zur Bestialität.

Literatur

  • LIEBI, R.: Weltgeschichte im Visier des Propheten Daniel, Neuauflage, Bielefeld 2009.

Impressum

Erklärung der Farben

im Bibeltext

Blau Handeln Gottes
Blau Rede Gottes
Rot Betrift mein Leben
Grün

Verheißung / Versprechen

Grün Verheißung / Versprechen
Braun wichtig
Beige wichtig
Türkis Jesus
Gelb Heiliger Geist