Daniel |
Der Name bedeutet Gott ist mein Richter und bezeichnet neben dem Propheten und Verfasser des alttestamentlichen Buches noch zwei oder sogar drei weitere Männer.
- Der zweite Sohn Davids. Seine Mutter war die Karmeliterin Abigajil, in erster Ehe verheiratet mit Nabal. Daniel wurde in Hebron geboren (1. Chr [[2]],1) und auch Kilab genannt (2. Sam 3,3).
- Ein Prophet aus dem Stamm Juda, der am Hof des Königs Nebukadnezar von Babylon lebt. Er ist einer der vier jungen, besonders begabten Israeliten aus vornehmem Hause, die für den Dienst im Palast des Königs Nebukadnezar ausgesucht worden waren. Zusammen mit seinen drei Freunden bekommt er täglich Speisen von der königlichen Tafel, weist sie jedoch als unrein zurück (Dan 1,8-16). Als Nebukadnezar einen erschreckenden Traum hat, den niemand auslegen kann, meldet sich Daniel und deutet ihn im Vertrauen auf Gott. Nebukadnezar überhäuft Daniel mit Geschenken, gibt ihm eine hohe Stellung und erkennt Gott als Gott über allen Göttern an (Dan 2). Später lässt er jedoch ein goldenes Standbild machen und befiehlt allen, davor niederzufallen und es anzubeten – wer sich weigert, soll verbrannt werden. Daniels Freunde landen so im Feuerofen, werden aber von einem Engel beschützt und können den Brennofen unversehrt verlassen (Dan 3). Wieder erkennt Nebukadnezar Gott als mächtig an, und noch einmal hat er einen Traum, den Daniel deutet (Dan 4). Die Ereignisse, von denen im Buch Daniel berichtet wird, ergeben keine vollständig geordnete Biografie, sondern sind oft einfach hintereinandergestellt und heben vor allem Gottes Treue hervor. Ein weiteres bekanntes Ereignis findet während eines Festmahls von König Belsazar, dem Enkel Nebukadnezars, statt: Als er goldene und silberne Gefäße aus dem Tempel in Jerusalem als Trinkgefäße missbraucht und dabei Götzen anbetet, sieht er plötzlich eine Hand, die etwas an die Wand schreibt. Daniel wird herbeigerufen und deutet die Worte als Ankündigung dessen, was dann auch eintritt: Belsazars Reich wird zerteilt und von dem Mederkönig Darius erobert (Dan 5). Daniel erhält auch unter Darius eine hohe Stellung, woraufhin neidische Konkurrenten ihm eine Falle stellen: Sie veranlassen den König, ein Gebot festzusetzen, nach dem Bitten nur an den König selbst gerichtet werden dürfen. Als Daniel beim Gebet beobachtet wird, wird ihm vorgeworfen, das Gebot missachtet zu haben. So landet er in der berühmten Löwengrube – aus der er mit Gottes Hilfe jedoch ebenso lebendig wieder herauskommt, wie er hineingeworfen worden war (Dan 6). Die zweite Hälfte des Daniel-Buches enthält keine Berichte über sein Leben, sondern seine Visionen über den Verlauf der Weltgeschichte, an dessen Ziel der Sieg des Gottesreiches steht. Auch in der Offenbarung des Johannes sind einige Gedanken des Buches aufgenommen (Offb 10,5f; 13,5f; 19,20), und an anderen Stellen im Neuen Testament wird Bezug darauf genommen (Mt 24,15.30; Lk 1,19.26; Joh 5,29; 2. Thes 2,4; Hebr 11,33ff).
- In Hes 14,14.20 und 28,3 kommt ein Daniel (oder Danel) vor, dessen Gerechtigkeit und Klugheit gerühmt werden. Zuweilen hat man gedacht, dass es sich dabei auch um den Propheten handelt, allerdings ist die hebräische Schreibweise eine andere, es fehlt ein Konsonant. Die Stelle in Hes 28,3, wo Hesekiel dem Fürsten von Tyrus ein Gerichtswort Gottes sagt, legt außerdem nahe, dass eine Persönlichkeit gemeint ist, die auch in der phönizischen Tradition bekannt ist. In der Tat gibt es in Texten aus Ugarit einen Danel, der ein gerechter Herrscher war, dessen gerechtes Richten erwähnt wird und der Waisen und Witwen ihr Recht verschafft hat. Wenn diese Vermutung zutrifft, dann ist hier neben Hiob ein weiterer außerisraelitischer Frommer genannt, was unterstreichen würde, dass Gottes Gerechtigkeit universal ist und jeden Menschen, ob Israelit oder Nichtisraelit, nach seinem eigenen Tun beurteilt.
- Ein mit Esra aus dem babylonischen Exil zurückgekehrter Priester (Esra 8,2; Neh 10,7).
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