Die Sprüche - Der Weg des Weisen

John F. MacArthur

Salomo verfasste über 3000 Sprüche.

Die gesammelten Sprüche umfassen 513 Sprichwörter des Königs. Dazu kommen noch ausgewählte Sprichwörter von anderen weisen Männern. Bei den Sprüchen handelt es sich um einfache moralische Aussagen oder Illustrationen, die grundlegende Wahrheiten und Lebensweisheiten hervorheben bzw. lehren. Sie kamen zustande, indem Menschen die alltäglichen Dinge und Begebenheiten des Lebens beobachteten und dann ihre Schlüsse daraus zogen. Das hebräische Wort für Sprüche bedeutet „so sein wie“. Tatsächlich werden in den Sprüchen oft Vergleiche angestellt; Bilder, Wünsche und die damit verbundenen Konsequenzen werden einander auf anschauliche Art gegenübergestellt, z.B. „Wie einer, der an einem kalten Tag das Gewand auszieht oder Essig auf Natron gießt, so ist, wer einem missmutigen Herzen Lieder singt“ (Spr. 25,20).

Die Psalmen Autor und Abfassungszeit

Verfasst und zusammengestellt von Salomo und verschiedenen anderen Autoren ca. 971 bis 686 v. Chr.

Salomo war berühmt für seine Weisheit und das Buch der Sprüche vermittelt uns einen Eindruck derselben. Er setzte den Standard im Bezug auf Weisheit fest unter seinem Volk. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum das gesamte Buch traditionellerweise nach ihm benannt wurde, obwohl er nicht der alleinige Verfasser ist. Tatsächlich wurde die endgültige Zusammenstellung der Sprüche erst unter Hiskia, der lange Zeit nach Salomo herrschte, vollendet. Agur und Lemuel, zwei weitere Weise ihrer Zeit werden im Buch der Sprüche auch ausdrücklich mit Namen aufgeführt.

Hintergrund und Umfeld

Das Buch birgt einen dreifachen Ansatz als:

  1. allgemeine Weisheitsliteratur;
  2. Einblick in den Königshof und
  3. Belehrung, die sich in der liebevollen Beziehung von Vater und Mutter zu ihren Kindern findet;

all dies sollte das Nachdenken über Gott fördern und einen gottesfürchtigen Wandel bewirken.

Diejenigen Bücher, die das AT, welches das Gesetz (1. Mo - 5. Mo), die Geschichte (Josua - Esther) und die Propheten (Jesaja - Maleachi) umfasst, ergänzen, werden als Weisheitsliteratur bezeichnet. Zu dieser Kategorie zählt man Hiob, die Psalmen, die Sprüche, Klagelieder und das Hohelied. Im Buch der Sprüche gibt der Weise, Salomo, Einblick in die verwickelten Dinge des Lebens (Spr 1,6). Obschon praktisch, sind die Sprüche nicht oberflächlich, da sie moralische und ethische Elemente beinhalten, die eine gerechte Lebensweise aus einer festen Beziehung mit Gott hervorheben. Das Buch der Sprüche enthält die Prinzipien und Anwendungen der Schrift, die fromme Menschen durch ihr Leben veranschaulichen.

Schlüssellehren

  • Praktische Gerechtigkeit (Spr 1,3; Joh 14,21)
  • Der Nutzen der Weisheit (Spr 2,20-22; 3,13-18; 9,11; 12,21; Hi 28,17; Ps 37,3; 91,10; 1. Petr 3,13)
  • Die Beziehung zwischen Mensch und Gott (Spr 1,7; 3,34; 6,23; 10,22; 12,28; 15,11; 22,19; 1. Mo 24,35; 26,12; 5. Mo 8,18; Hi 28,28; Ps 19,9; 111,10; Pred 12,13; Apg 1,24; Jak 4,6; 1. Petr 5,5; 2. Petr 1,19)
  • Die Beziehung des Menschen zu sich selbst (Spr 1,5; 3,3; 6,9-11; 11,4; 13,4; 20,11; 29,11; 2. Mo 13,9; 5. Mo 6,8; Jer 17,1; Hes 7,19; Zef 1,18; Mt 7,16; 2. Kor 3,3)
  • Die zwischenmenschlichen Beziehungen (Spr 3,1-3; 4,1-4; 8,17; 17,17; 19,27; 20,19; 23,23; 5. Mo 8,1; Rt 1,16; 1. Sam 2,30; Ps 34,12; Röm 16,18)

Gottes Wesen

  • Gott ist gnädig (Spr 28,13)
  • Gott ist allwissend (Spr 5,21)
  • Gott ist vorhersehend (Spr 3,6; 16,3.9.33; 19,21; 20,24; 21,30-31)
  • Gott ist weise (Spr 3,19; 15,11)

Christus

Die Verfasser der Sprüche beabsichtigten, dass die Leser die Wahrheit nicht bloß zur Kenntnis nehmen sondern sie in ihrem Leben auch anwenden. Die Sprüche fordern, dass die Weisheit verinnerlicht werden soll, quasi in Fleisch und Blut übergehen soll (Spr 8); und genau das geschah als „alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ in Christus Fleisch wurden (Kol 2,3). Während die alttestamentlichen Leser der Sprüche durch die geschriebenen Weisheitsworte angeleitet wurden, haben die neutestamentlichen Gläubigen die Weisheit in menschlicher Gestalt kennen gelernt. In diesem Sinne umfasst Christus die Weisheit der Sprüche nicht nur, sondern „er ist uns von Gott gemacht worden zur Weisheit“ (1. Kor 1,30).

Schlüsselworte

  • Weisheit: Hebräisch chokmah (Spr 1,2; 4,5; 9,10; 14,6; 16,16; 18,4; 23,23; 31,26) - kann auch „Geschicklichkeit“ heißen, wird aber meistens benutzt, um die tägliche Anwendung praktischer Weisheit zu beschreiben. Die Sprüche lehren, dass echte Weisheit mehr umfasst als die bloße Erkenntnis der Wahrheit; echte Weisheit führt zu einem Leben moralischer Integrität (Spr 8,7-9). Ein sündhaftes Leben wird aber zwangsläufig zu ultimativem Verderben und Selbstzerstörung führen; die Weisheit Gottes bewirkt ein erfülltes Leben (Spr 2,6; Hi 11,6).
  • Torheit: Hebräisch ´ivvelet (Spr 14,1; 12,23; 14,24; 15,2; 14; 19,3; 22,15; 24,9; 27,22) - beschreibt das Fehlen von Weisheit. Abgesehen von zwei Ausnahmen in den Psalmen, taucht dieser Begriff nur in den Sprüchen auf. Dort wird die Torheit des Toren oft mit der Weisheit des Weisen und Klugen verglichen (Spr 13,16; 14,8.18.24). Torheit kennzeichnet das Reden der Toren und die Reaktionen der Impulsiven (Spr 12,23; 14,17.29; 15,2.14; 18,13). Torheit wirkt sich auf den Wandel einer Person aus und lässt das Herz gegen Gott murren (Spr 15,21; 19,3). Oft wird Torheit auch mit Sünde und Übertretung identifiziert (Spr 5,22.23; 24,9, Ps 38,5.6). Einem Erwachsenen räumen die Sprüche wenig Hoffnung auf Besserung ein, bei den Kindern hingegen wird die Rute als Heilmittel genannt (Spr 22,15; 26,11; 27,22).

Gliederung

Prolog (1,1-7)

  • Titel (1,1)
  • Absicht (1,2-6)
  • Thema (1,7)

Weisheit für die jungen Menschen (1,8 - 9,18)

Sprüche für alle Menschen (10,1 - 29,27)

  • Von Salomo (10,1 - 22,16)
  • Von den Weisen (22,17 - 24,34)
  • Von Salomo geschrieben und Hiskia gesammelt (25,1 - 29,27)

Persönliche Anmerkungen (30,1 - 31,31)

  • Von Agur (30,1-33)
  • Von Lemuel (31,1-31)

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

Peking entwickelt sich zu einer etablierten Stadt in China. Später wird sie in Beijing umbenannt, die heutige Hauptstadt Chinas.

Häufig auftauchende Fragen

1. Einige der Sprüche scheinen unklar oder gar widersprüchlich zu sein. Wie können wir sie betrachten oder anwenden, wenn wir ihren Sinn nicht verstehen?

Des Öfteren kommt es vor, dass diejenigen Sprüche, welche auf den ersten Blick unklar oder widersprüchlich erscheinen einfach sehr tiefgründig und schwer fassbar sind. Manchmal enthüllen sie aber ganz offensichtliche Wahrheiten, deren Bedeutung absolut klar ist: „Ein törichter Sohn bereitet seinem Vater Verdruss und seiner Mutter Herzeleid“ (Spr 17,25). Aber viele Sprüche erfordern unseren ganzen Einsatz und viel Nachsinnen: „Im Gewandbausch wird das Los geworfen, aber jeder seiner Entscheide kommt von dem HERRN“ (Spr 16,33) oder „Mancher Weg erscheint dem Menschen richtig, aber sein Ende führt doch zum Tod“ (Spr 16,25). Die Tatsache, dass wir auf der Suche nach Antworten die Schrift durchforschen, und unsere grauen Zellen anstrengen müssen, sollte uns die Sprüche um so kostbarer machen. Wenn es Gott gefällt, uns auf diese Art und Weise wachsen zu lassen, warum sollten wir dann zurückschrecken und den Sprüchen nicht unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen?
Wenn wir den Kontext betrachten, in dem sich die Sprüche befinden - der Rest des Wortes Gottes - dann sollte ein Fehlschlag in der Interpretation eines Spruchs, den Studierenden nicht zu der Schlussfolgerung, etwas sei mit dem Spruch nicht in Ordnung, verleiten. Eine bessere Schlussfolgerung lautet; der Studierende hat noch nicht genug Erkenntnis oder sich dem Spruch noch nicht intensiv genug gewidmet. Eine weise Person lässt einen schwer fassbaren Spruch erstmal stehen und steckt ihn nicht gleich in die Kategorie „nutzlos“. Bevorstehende Lektionen, die Gott uns beibringen will, können sehr wohl dazu führen, dass einst schwer verständliche Passagen plötzlich in einem neuen Licht erscheinen.

2. Welches sind erprobte und bewährte Grundprinzipien, die man anwenden kann, wenn es um die Interpretation der Sprüche geht?

Ein häuf ges Merkmal der Sprüche sind Parallelismen, d.h. man vergleicht Wahrheiten so, dass die zweite die erste erweitert, vervollständigt, definiert oder verstärkt. Manchmal gelangt man so zu einer logischen Schlussfolgerung; manchmal wird aber auch ein offensichtlicher Gegensatz aufgedeckt. Die folgenden Richtlinien helfen einem Studierenden Vertrauen zu gewinnen, wenn er oder sie einen Spruch auslegt:

  • Bestimme die Fakten, Prinzipien oder Umstände, die in diesem Spruch parallel laufen - welche zwei zentralen Konzepte oder Personen werden hier miteinander verglichen?
  • Bestimme die sog. geflügelten Worte und formuliere den Satz dann neu, ohne die entsprechende Redensart. Z.B. „Jemandem das Messer an die Kehle setzen“ (Spr 23,1-3).
  • Fasse die Lehre oder den Grundsatz dieses Spruches mit wenigen Worten zusammen.
  • Welche Art Verhalten wird gefördert, wozu wird ermutigt? Beschreibe es.
  • Versuche andere Schriftstellen zu finden, die dasselbe Prinzip veranschaulichen.

3. Viele Sprüche scheinen absolute Aussagen zu unklaren Lebenssituationen zu machen. Wie kann/soll man die Lehre der Sprüche in ganz bestimmten Entscheidungssituationen, oder auch im Zusammenhang mit bestimmten Erfahrungen, anwenden?

Die Sprüche sind göttliche Richtlinien und weise Beobachtungen, welche die grundlegenden Prinzipien fürs Leben vermitteln (Spr 24,3.4). Es sind weder in Stein gemeißelte Gesetze noch verbindliche Versprechen. Das ist so, weil die Lebenssituationen, in denen sie angewandt werden, selten eindeutig und frei von verworrenen Umständen sind. Die Konsequenz für törichtes Handeln gilt einem unverbesserlichen Toren (ein 100%er Tor). Meistens benehmen sich die Leute bloß ab und zu töricht, folglich bekommen sie nur ab und zu die Konsequenzen für törichtes Verhalten zu spüren. Es ist offensichtlich, dass die Sprüche auch Ausnahmen kennen, welche auf Grund der Ungewissheiten des Lebens und dem unberechenbaren Verhalten der gefallenen Leute notwendig sind.
Die wunderbare Herausforderung und das Prinzip von Sprüche 3,5.6 legen großes Gewicht darauf, dass wir dem Herrn „von ganzem Herzen“ vertrauen und ihn bei „all unseren Wegen“ anerkennen. Allein das teilweise Einhalten dieses Prinzips stellt für uns bereits eine immense Herausforderung dar. Dank Gottes Gnade müssen wir die Bedingungen nicht 100% erfüllen, um in den Genuss der Erfahrung „Ich will dich den Weg der Weisheit lehren, dich leiten auf gerader Bahn“ (Spr 4,11) zu kommen.
Gott garantiert nicht, dass jeder Spruch dasselbe Ergebnis bewirkt, oder dass eine bestimmte Anwendung immer funktioniert. Indem sie studiert und angewandt werden, eröffnen sie dem Gläubigen die Gelegenheit, Gottes Gedanken, seinen Charakter, sein Wesen, seine Werke und seinen Segen zu betrachten. Alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis, die in den Sprüchen teilweise zum Ausdruck kommen, sind in Jesus Christus verborgen (Kol 2,3).

Kurzstudium / einige Fragen

  • Wie würdest du „die Weisheit“ umschreiben, wenn du dabei die Worte aus dem Buch der Sprüche verwenden müsstest?
  • Welche Richtlinien hinsichtlich zwischenmenschlicher Beziehungen finden wir in den Sprüchen?
  • Wenn es um Arbeit geht heben die Sprüche einen Punkt ganz besonders hervor. Welchen?
  • Wie passt Gott in die Lehre der Sprüche? Welchen Platz nimmt er ein?
  • Welche Warnungen oder Richtlinien finden wir in den Sprüchen bezüglich unserer Rede oder der Zunge?
  • Beschreibe wie Sprüche 3,5-6 in deinem Leben zum Ausdruck kommt!

Impressum

1. Auflage 2003
© 2001 by John MacArthur
Originaltitel: The MacArthur Quick Reference Guide To The Bible
Nelson / Word Publishing Group, Nashville
© der deutschen Ausgabe 2003
by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung
Postfach 11 01 35 • 33661 Bielefeld
Internet: www.clv.de 
Übersetzung: Martin Manten, Berlin
Lektorat: Claudia Kreutzer und Gabi Manten
Satz: CLV
Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN: 3-89397-644-2