Das 1. Buch der KÖNIGE - Königliche Enttäuschungen und Desaster

John F. MacArthur

 

Diese beiden Bücher zeigen auf eindrückliche Weise, was geschieht, wenn menschliche Führer es unterlassen, auf Gott zu hören und sich von ihm abwenden.

Könige werden uns in vielen verschiedenen Formen und Farben vorgestellt. Ihre Charaktermerkmale sind sehr unterschiedlich. Einige waren erfolgreiche Führer, während andere kläglich versagten. Einige bauen auf, nur um dann durch Nachfolger, die alles wieder zerstören, ersetzt zu werden. Einige kämpfen, andere ergeben sich, und wieder andere tun eigentlich überhaupt nichts. Einige hinterlassen ein Vermächtnis des Guten, andere eins des Verderbens. Die Monarchen veranschaulichen eine nicht weg zu diskutierende Wahrheit. Seien sie noch so gut oder noch so böse, eins ist klar: Könige können Gott einfach nicht ersetzen.

Autor und Abfassungszeit

Verfasser unbekannt, geschrieben ca. 561 bis 538 v. Chr. Die jüdische Überlieferung schlägt vor, dass Jeremia die Königsbücher geschrieben haben soll, obgleich die Bücher selbst einige Angaben enthalten, die dem zu widersprechen scheinen. 2. Könige 25,27-30 schildert z.B. Ereignisse, die 561 v. Chr. in Babylon stattfanden. Jeremia ging aber nie nach Babylon, sondern nach Ägypten (Jer 43,1-7). Letztendlich bleibt die Identität des ungenannten Autors ungewiss. Da der Dienst von Propheten in den Königsbüchern betont wird, scheint es, dass der Verfasser höchstwahrscheinlich einer von vielen ungenannten Propheten des Herrn war, die dem Volk Gottes dienten.

Schlüsselpersonen im 1. Buch Könige

  • David - König Israels; bestimmte, dass Salomo der nächste König sein sollte (1. Kö 1-2,10)
  • Salomo - Sohn von David und Bathseba; der dritte König, der Israel regierte und Erbauer des Tempels; Gott machte ihn zum weisesten Menschen, der je geboren wurde (1. Kö 1,10-11,43)
  • Rehabeam - Sohn Salomos; wurde König in Israel nach Salomo; seine bösen Taten führten zur Aufteilung Israels in zwei Königreiche; errichtete Götzenbilder und setzte nicht-levitische Priester ein (1. Kö 11,43-12,24; 14,21-31)
  • Jerobeam - böser König der nördlichen zehn Stämme Israels; errichtete Götzenbilder und setzte nicht-levitische Priester ein (1. Kö 11,24-14,20)
  • Elia - Prophet Israels; vollbrachte außerordentliche Glaubenstaten, als er den Propheten Baals gegenüberstand (1. Kö 17,1-19,21; 21,17-28)
  • Ahab - der achte und verdorbenste, böseste König Israels; beging mehr schlechte Taten als jeder andere König in Israel (1. Kö 16,28-17,1; 18,1-19,1; 20,1-22,40)
  • Isebel - heiratete Ahab und wurde Königin in Israel; warb dafür, Baal anzubeten (1. Kö 16,31; 18,4-19; 19,1-2; 21,5-27)

Hintergrund und Umfeld

Wir finden in den Königsbüchern zwei unterschiedliche Quellen hinsichtlich der Berichterstattung:

  • Menschen, die an den Ereignissen beteiligt und deren Augenzeugen waren;
  • Der Kommentar zu diesen Ereignissen, der vom eigentlichen Autor verfasst wurde.

Einerseits haben wir es mit einem Bericht über die effektiven historischen Ereignisse zu tun, andererseits werden dieselben ausgelegt. Folglich beinhalten die Königsbücher die Geschichte von zwei Gruppen von Königen und zwei ungehorsamen Völkern, Israel und Juda. Beide standen Gottes Gesetz und seinen Propheten zunehmend gleichgültig gegenüber, was dazu führte, dass sie gedemütigt wurden, Niederlagen erlebten und zum Schluss in einer grausamen Gefangenschaft endeten.
Die Königsbücher beschreiben nicht nur exakte, sondern auch interpretierte Geschichte. Der Verfasser, ein Exilant in Babylon, wünschte, den anderen Verbannten die Lektionen der Geschichte Israels mitzuteilen. Er teilte ihnen insbesondere mit, weshalb der Herr das Gericht des Exils über sie verhängt hatte. Er verdeutlichte, dass die gegenwärtige Situation eine direkte Folge des konstanten Ungehorsams war. Das gewohnheitsmäßige Missachten der Gebote Gottes führte zu diesem Gericht (1. Kö 9,3-9).
Das Buch berichtet aber auch, wie Gott immer wieder Propheten schickt, um das Volk durch ihre Botschaft vor dem drohenden Gericht zu warnen, und sie zur Umkehr zu bewegen. Furchtlos kündigten die Propheten an, was für Folgen die nationale Sündhaftigkeit nach sich ziehen könnten, und wiesen auf das unter diesen Umständen unabwendbare bevorstehende Exil hin. Die Propheten stellten dem Volk aber auch immer Gottes Gnade vor Augen. Allen, die bereit waren sich zu demütigen, sollte sie zuteil werden.

Schlüssellehren im 1. Buch Könige

  • Gottes Gericht über die abgefallene Nation (1. Kö 9,3-9; 5Mo 4,26; 28,37; 2. Sam 14-16; 2. Chr 7,19-20; Ps 44,15; 89,31; Jer 24,9; Hos 5,11-12; Mt 23,33-36; Joh 3,18-19; 12,48; Röm 2,5-6; 2. Petr 3,10; Offb 18,10)
  • Erfüllte Verheißungen Gottes (1. Kö 13,2-5; 22,15-28; 4. Mo 27,17; 2. Kö 23,15-20; 2. Chr 18,16; Mt 9,36; Mk 6,34; Joh 2,18)
  • Gottes Treue hinsichtlich seines Bundes mit David (1. Kö 11,12-13.34-36; 15,4; 2Sam 7,12-16; Lk 1,30-33; Apg 2,22-36)

Gottes Wesen im 1. Buch Könige

  • Gott erfüllt Himmel und Erde (1. Kö 8,27)
  • Gott ist herrlich (1. Kö 8,11)
  • Gott ist gnädig (1. Kö 8,23)
  • Gott hält seine Versprechen (1. Kö 8,56)
  • Gott ist vorhersehend (1. Kö 21,19; 22,30.34.37-38)

Christus im 1. Buch Könige

Salomos Weisheit ist ein Typus auf Christus, „der uns Weisheit geworden ist von Gott“ (1. Kor 1,30). Im 1. Buch Könige werden wir jedoch Zeugen, wie Salomo sein Königreich in den Abfall führt, indem er viele fremde Frauen heiratete (1. Kö 11,1). Christus hingegen stellt fest, dass er „größer als Salomo“ ist (Mt 12,42). Das zukünftige Königreich Jesu wird nie vergehen.

Schlüsselworte im 1. Buch Könige

  • Baal: Hebräisch ba´al (1. Kö 16,31; 18,19.21.26.40; 19,18; 22,54) - wortwörtlich „Meister/Herr“ oder „Ehemann“. Mit Baal sind die heidnischen Fruchtbarkeits- und Sturmgötter des Mittleren Ostens gemeint. Die kanaanitische Literatur bringt Baal oft mit der Fruchtbarkeitsgöttin Aschera (Astarte) in Verbindung, die im AT mehrmals erwähnt wird (2. Kö 21,7). Die Anbetung dieser Götter beinhaltete Selbstverstümmelung, rituelle Prostitution und Kinderopfer. Gott strafte die Israeliten, weil sie Baal und Aschera anbeteten (Ri 2,11-15; Jer 19,4-6).
  • Flehen: Hebräisch techinnah (1. Kö 8,28.33.45.47.52.54.59; 9,3) - das Flehen zu Gott um Gunst oder Gnade für eine bestimmte Person (Jer 37,20; 38,26). Salomo benutzt dieses Wort wiederholt in seinem Gebet bezüglich des Tempels (1. Kö 8,23-9,3; 2Chr 6,14-42). Oft sehen wir auch, wie Leute, die von Feinden verfolgt werden, angesichts des bevorstehenden Leides flehen (Ps 55,2-4; 119,70; Jer 36,7). Die Bibel beschreibt das Flehen Davids (Ps 6,10), Salomos (1. Kö 9,3) und des bösen Königs Manasse, der sich vor Gott demütigte (2. Chr 33,12-13).
  • Name: Hebräisch shem (1. Kö 1,47; 3,2; 5,19; 7,21; 8,17; 9,3; 11,36; 18,24) - bedeutet wahrscheinlich „kennzeichnen“. In der Bibel beschreibt der Name oft persönliche Merkmale einer Person, wie z.B. ihr Schicksal oder ihre Stellung (siehe 1. Sam 25,25, dort wird die Bedeutung von Nabals Name erklärt: „Tor“). Manchmal gab Gott jemandem auch einen neuen Namen, um damit einer Veränderung im Charakter oder der Stellung dieser Person Ausdruck zu verleihen (siehe 1. Mo 35,10). Die verschiedenen Namen Gottes offenbaren unterschiedliche Charaktereigenschaften Gottes (z.B. der Höchste, der allmächtige Gott, Ich Bin). Der Name Gottes sollte auch immer mit dem nötigen Respekt und Ehrfurcht genannt werden (2. Mo 20,7). Gott teilte Israel seinen Namen mit. Dadurch kommt die intime Bundesbeziehung zwischen den beiden zum Ausdruck (2. Mo 3,13-15).
  • Gold: Hebräisch zahab (1. Kö 6,21.28; 7,49; 9,28; 10,14; 12,28; 15,15; 20,3) - beschreibt sowohl die Substanz als auch die Farbe (1. Kö 10,16; Sach 4,12). Gold wird oft zusammen mit Silber genannt und symbolisiert Reichtum (1. Mo 13,2; 2. Chr 1,15; Hes 16,13). Im Alten Testament finden wir die Erwähnung von Gold meistens im Zusammenhang mit Salomos Tempel und Palast (2. Mo 25,3; 2. Chr 2,7; 9,13-27). So wertvoll Gold auch sein mag, Weisheit (Hi 28,17), Anmut/Gunst (Spr 22,1) und die Gebote Gottes (Ps 19,10-11; 119,72.127) übertreffen seinen Wert bei weitem.

8. Gliederung

Das vereinte Königreich: Salomos Regierung (1. Kö 1,1 - 11,43)

  • Salomos Aufstieg (1. Kö 1,1 - 2,46)
  • Der Beginn von Salomos Weisheit und Reichtum (1. Kö 3,1 - 5,14)
  • Vorbereitungen zum Tempelbau (1. Kö 5,15-32)
  • Der Bau des Tempels und Salomos Haus (1. Kö 6,1 - 9,9)
  • Salomos weitere Bauvorhaben (1. Kö 9,10-28)
  • Salomos Weisheit und Reichtum auf dem Höhepunkt (1. Kö 10,1-29)
  • Salomos Niedergang (1. Kö 11,1-43)

Das geteilte Königreich: Die Könige von Israel und Juda (1. Kö 12,1 - 22,54)

  • Das Aufkommen des Götzendienstes: Jerobeam von Israel/Rehabeam von Juda (1. Kö 12,1 - 14,31)
  • Könige von Juda und Israel (1. Kö 15,1 - 16,22)
  • Omris Dynastie und ihr Einfluss: Aufstieg und Fall der Baalsverehrung in Israel und Juda (1. Kö 16,23 - 22,54)
    • Die Einführung der Baalsverehrung (1. Kö 16,23-34)
    • Elias Widerstand gegen die Baalsverehrung (1. Kö 17,1 - 22,54)

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

König Kyros der Große (553-529 v. Chr.) besiegt die Lydier, Babylon und die Meder und richtet das persische Weltreich auf.

Häufig auftauchende Fragen

Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Büchern 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Könige sowie 1. und 2. Chronik hinsichtlich der Geschichtsschreibung des Königreichs Israel?

1. und 2. Samuel sowie 1. und 2. Könige geben einen chronologischen Abriss des Königreichs Israels während seines ursprünglichen, und später auch seines zweigeteilten Zustandes. 1. und 2. Chronik liefern uns einen speziellen Einblick in die königliche Linie Davids (die Könige Judas). Wer die in diesen Büchern aufgelisteten Zeitangaben hochrechnet, staunt manchmal über die mathematischen Ungereimtheiten. Auch außerbiblische Quellen werfen einige Fragen auf, wenn wir sie mit den Angaben in diesen Büchern vergleichen. Bei der Klärung dieses Problems gilt es, zwei wichtige Faktoren zu berücksichtigen:

  • In manchen Fällen gab es eine sog. Co-Herrschaft (d.h. Vater und Sohn teilten denselben Thron während einer bestimmten Zeit). In diesen Fällen wurden die Regierungsjahre der Könige ohne Rücksicht auf diese Überschneidungen gezählt.
  • Weder der Kalender noch die offizielle Jahreszählung stimmten in den beiden Königreichen zu jedem Zeitpunkt überein.

Kurzstudium zum 1. Buch Könige/einige Fragen

  • Welche Qualitäten weisen alle erfolgreichen Könige auf?
  • Welche Charakterschwächen bzw. schlechten Entscheidungen kennzeichnen das Leben der gescheiterten Könige?
  • Warum wurde das Königreich Davids in ein Königreich Israel und ein Königreich Juda aufgeteilt?
  • Welche Rolle kommt Elia im 1. Könige zu?
  • Die Hingabe an Gott, und die Erbauung des Tempels lehren uns einiges hinsichtlich der effektiven bzw. verkehrten Art und Weise, Gott anzubeten. Was lernen wir daraus?
  • Worauf konzentrierst du dich in deinem Leben und welche Anstrengungen unternimmst du, wenn es um die Ehre Gottes geht?

Impressum

1. Auflage 2003
© 2001 by John MacArthur
Originaltitel: The MacArthur Quick Reference Guide To The Bible
Nelson / Word Publishing Group, Nashville
© der deutschen Ausgabe 2003
by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung
Postfach 11 01 35 • 33661 Bielefeld
Internet: www.clv.de 
Übersetzung: Martin Manten, Berlin
Lektorat: Claudia Kreutzer und Gabi Manten
Satz: CLV
Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN: 3-89397-644-2