Inhalt

Thema: Die Herkunft und der Umgang mit dem Leid

Gott lässt es zu, dass der Satan dem gläubigen und gottesfürchtigen Halbnomaden Hiob sein Hab und Gut raubt, seine Kinder umkommen und er selbst schließlich mit furchtbaren Geschwüren geplagt wird. Daraufhin versuchen seine Freunde, ihn in seinem Leid zu trösten und ihm eine Antwort auf die Ursache seines Leidens zu geben. Den Aussagen seiner Freunde kann Hiob allerdings nicht folgen. Schließlich spricht Gott selbst zu seinem Diener. Im Anschluss daran tut Hiob Buße, betet für seine Freunde und wird wieder vollkommen hergestellt. Nach Inhalt und Form ist das Buch Hiob ein Meisterwerk hebräischer Dichtung.

Das Buch ist eine Kombination aus Prosa (Erzählform) und Poesie (Gedicht):

  • Prosa: Hiob 1-2; 42,7-17
  • Poesie: Hiob 3,1-42,6

Abfassung

Der Schreiber dieses Buches wird nicht ausdrücklich genannt. Es ist naheliegend, dass Hiob es selbst geschrieben hat (vgl. Hiob
O dass doch meine Worte aufgeschrieben würden! dass sie in ein Buch <kämen> und aufgezeichnet würden, mit eisernem Griffel und Blei in den Felsen gehauen würden auf ewig! (Hi 19,23)
Ach hätte ich doch einen, der auf mich hörte, - hier ist meine Unterschrift! Der Allmächtige antworte mir! <Wo ist> die <Klage>schrift, die mein Rechtsgegner geschrieben hat? (Hi 31,35)).
Der Talmud nennt Mose als Verfasser. Andere Ausleger halten Salomo für den Autoren.

Zeitabschnitt

Wahrscheinlich lebte Hiob zur Zeit von Abraham, Isaak und Jakob am Anfang des 2. Jahrtausends vor Christus. Folgende Tatsachen könnten darauf hinweisen:

  • Hiob erfüllte den Dienst als Familienpriester wie z.Z. der Patriarchen
    Und es geschah, wenn die Tage des Gastmahls reih umgegangen waren, da sandte Hiob hin und heiligte sie: Früh am Morgen stand er auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl. Denn Hiob sagte <sich>: Vielleicht haben meine Söhne gesündigt und in ihrem Herzen Gott geflucht. So machte es Hiob all die Tage <nach den Gastmählern>. (Hi 1,5)
  • Sein Reichtum wurde an der Größe seiner Herden gemessen
    Und sein Besitz bestand aus siebentausend Schafen und dreitausend Kamelen und fünfhundert Gespannen Rinder und fünfhundert Eselinnen, und <sein> Gesinde war sehr zahlreich, so dass dieser Mann größer war als alle Söhne des Ostens. (Hi 1,3)
  • Seine Lebensweise und sein hohes Alter stimmen mit denen der Erzväter überein. Nach seiner Wiederherstellung lebte er noch 140 Jahre.
    Und Hiob lebte nach diesen <Ereignissen noch> 140 Jahre. Und er sah seine Kinder und seine Kindeskinder, vier Generationen. (Hi 42,16)
  • Abraham wurde 175 Jahre alt.
    Und dies sind die Tage der Lebensjahre Abrahams, die er lebte: 175 Jahre. (1. Mo 25,7)

Einteilung

Die Prüfung Hiobs (Hi 1-2)

  1. Hiobs Frömmigkeit und sein Wohlstand (Hi 1,1-5)
  2. Hiob bewährt sich nach dem Verlust seines Reichtums (Hi 1,6-22)
  3. Hiob bewährt sich nach dem Verlust seiner Gesundheit (Hi 2)

Die Reden Hiobs mit seinen Freunden (Hi 3-37)

  1. Die erste Redeeinheit (Hi 3-14)
    1. Hiobs Klage (Hi 3)
    2. Elifas erste Rede (Hi 4-5)
    3. Hiobs Antwort an Elifas (Hi 6-7)
    4. Bildads erste Rede (Hi 8)
    5. Hiobs Antwort an Bildad (Hi 9-10)
    6. Zofars erste Rede (Hi 11)
    7. Hiobs Antwort an Zofar (Hi 12-14)
  2. Die zweite Redeeinheit (Hi 15-21)
    1. Elifas zweite Rede (Hi 15)
    2. Hiobs Antwort an Elifas (Hi 16-17)
    3. Bildads zweite Rede (Hi 18)
    4. Hiobs Antwort an Bildad (Hi 19)
    5. Zofars zweite Rede (Hi 20)
    6. Hiobs Antwort an Zofar (Hi 21)
  3. Die dritte Redeeinheit (Hi 22-31)
    1. Elifas dritte Rede (Hi 22)
    2. Hiobs Antwort an Elifas (Hi 23-24)
    3. Bildads dritte Rede (Hi 25)
    4. Hiobs Antwort an Bildad (Hi 26-31)
  4. Die vier Reden des Elihu (Hi 32-37)

Die Wiederherstellung Hiobs (Hi 38-42)

  1. Die erste Rede des Herrn an Hiob (Hi 38-40,2)
  2. Die Antwort Hiobs (Hi 40,3-5)
  3. Die zweite Rede Gottes an Hiob (Hi 40,6-41,26)
  4. Die Antwort Hiobs (Hi 42,1-6)
  5. Hiob bekommt den Auftrag, für seine Freunde zu beten (Hi 42,7-9)
  6. Hiobs Wiederherstellung und sein Ende (Hi 42,10-17)

Zweck

Das Buch Hiob beschäftigt sich mit der stets aktuellen Frage nach der Ursache und dem Zweck des Leids. Es zeigt Gott in seiner Erhabenheit, der auch den Satan in seine Grenzen weist. Es macht Mut, in Leidenszeiten vollkommen auf Gott zu vertrauen, der um unser Geschick weiß und uns mit Liebe umgibt. Zur Ursache des Leids äußern sich alle Beteiligten. Hier soll versucht werden, deren Standpunkte kurz zusammenzufassen:

Hiobs Frau:

Hi 2,9: Da sprach seine Frau zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Sage dich los von Gott und stirb!

Hiobs Freunde:

Sie meinen, dass Leid eine Strafe für persönliche Sünde ist. Weil Hiob leidet, muss er gesündigt haben. Sie fordern ihn auf, sich von seiner Sünde abzuwenden und Buße zu tun.

Hi 4,7-9 Erinnere dich doch: Wer ist als Unschuldiger umgekommen, und wo sind Rechtschaffene vertilgt worden? So wie ich es gesehen habe: Die Unheil pflügen und Mühsal säen, ernten es. Durch den Odem Gottes kommen sie um, und durch den Hauch seiner Nase vergehen sie.

Hi 6,24.25: Belehrt mich, und ich will schweigen; und gebt mir zu erkennen, worin ich geirrt habe. Wie eindringlich sind richtige Worte! Aber was tadelt der Tadel, der von euch kommt?


Hi 8,20-22: Siehe, Gott wird den Vollkommenen nicht verwerfen und nicht bei der Hand fassen die Übeltäter. Während er deinen Mund mit Lachen füllen wird und deine Lippen mit Jubelschall, werden deine Hasser bekleidet werden mit Schande, und das Zelt der Gottlosen wird nicht mehr sein.


Hi 9,20.21: Wenn ich auch gerecht wäre, so würde mein Mund mich <doch> verdammen; wäre ich vollkommen, so würde er mich für verkehrt erklären. Vollkommen bin ich; nicht kümmert mich meine Seele, ich verachte mein Leben;


Hi 11,13-15: Wenn du dein Herz ausrichtest und deine Hände zu ihm ausbreitest – wenn Frevel in deiner Hand ist, so entferne ihn, und lass Unrecht nicht in deinen Zelten wohnen –, ja, dann wirst du dein Angesicht erheben ohne Makel und wirst unerschütterlich sein und dich nicht fürchten.


Hi 13,23.26: Wie viele Ungerechtigkeiten und Sünden habe ich? Lass mich meine Übertretung und meine Sünde wissen! Denn Bitteres verhängst du über mich und lässt mich erben die Ungerechtigkeiten meiner Jugend;


Hi 22,4.5: Ist es wegen deiner Gottesfurcht, dass er dich straft, mit dir ins Gericht geht? Sind nicht deine Bosheiten groß und deine Ungerechtigkeiten ohne Ende?

Elihu:

Er denkt, dass Leid zur Züchtigung und zur Warnung dient, um uns von einem verkehrten Weg zurückzuholen.

Hi 33,13-30: Warum hast du gegen ihn gehadert? Denn über all sein Tun gibt er keine Antwort. Doch in einer Weise redet Gott und in zweien, ohne dass man es beachtet.

Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt, im Schlummer auf dem Lager:  Dann öffnet er das Ohr der Menschen und besiegelt die Unterweisung, die er ihnen gibt, um den Menschen von <seinem> Tun abzuwenden und damit er Übermut vor dem Mann verberge, dass er seine Seele zurückhalte von der Grube, und sein Leben vom Rennen ins Geschoss. Auch wird er gezüchtigt mit Schmerzen auf seinem Lager und mit beständigem Kampf in seinen Gebeinen. Und sein Leben verabscheut das Brot, und seine Seele die Lieblingsspeise; sein Fleisch zehrt ab, dass man es nicht mehr sieht, und entblößt sind seine Knochen, die nicht gesehen wurden; und seine Seele nähert sich der Grube, und sein Leben den Würgern.

Wenn es <nun> für ihn einen Gesandten gibt, einen Ausleger, einen aus tausend, um dem Menschen seine Geradheit kundzutun, so wird er sich seiner erbarmen und sprechen: Erlöse ihn, dass er nicht in die Grube hinabfahre; ich habe eine Sühnung gefunden. Sein Fleisch wird frischer sein als in der Jugend; er wird zurückkehren zu den Tagen seiner Jünglingskraft. Er wird zu Gott flehen, und er wird ihn wohlgefällig annehmen, und er wird sein Angesicht schauen mit Jauchzen; und er wird dem Menschen seine Gerechtigkeit vergelten. Er wird vor den Menschen singen und sagen: Ich hatte gesündigt und die Geradheit verkehrt, und es wurde mir nicht vergolten; er hat meine Seele erlöst, dass sie nicht in die Grube fahre, und mein Leben erfreut sich des Lichts.

Siehe, das alles tut Gott zwei-, dreimal mit dem Mann, um seine Seele abzuwenden von der Grube, dass sie erleuchtet werde vom Licht der Lebendigen.

Gott:

Gott zeigt Hiob etwas von seinem wunderbaren Umgang mit der Natur, den kein Mensch ergründen kann. Weil Gott nun so mächtig und unausforschlich ist, müssen wir nicht meinen, seine Wege mit den Menschen vollkommen verstehen zu können (Hiob 38-41).

Hiob:

Ich habe erkannt, dass du alles vermagst und kein Plan für dich unausführbar ist.

Hiob 42,2-6: Ich weiß, dass du alles vermagst und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann. Wer ist es, der den Rat verhüllt ohne Erkenntnis? So habe ich denn beurteilt, was ich nicht verstand, Dinge, zu wunderbar für mich, die ich nicht kannte. Höre doch, und ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich! Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich <mich> und bereue in Staub und Asche.