Der Prediger

Inhalt

Thema: Das Leben aus der Sicht des Menschen

Der König von Jerusalem betrachtete den Kreislauf der Ereignisse im Leben der Menschen und fragte gleichzeitig nach seinem Sinn. Obwohl er nach Weisheit gestrebt hat, sah er viel Ungerechtigkeit, die er nur mit Mühe einordnen konnte. Er suchte die Erfüllung seines Lebens im Reichtum und Vergnügen. Nichts davon konnte ihn befriedigen, es führte letztlich zur Verzweiflung. Als Ergebnis seiner Suche fand er schließlich heraus, daß der Mensch Gottes Werke nicht ganz verstehen kann, so sehr er sich auch darum bemüht. Er wird aufgefordert, sich dennoch zu freuen, Gott zu fürchten und seine Gebote halten.

Abfassung

Der Verfasser des Buches Prediger ist der König Salomo. Er stellt sich zwar nicht namentlich vor, doch weist der einleitende Vers in Prediger 1,1 deutlich auf ihn hin: „Dies sind die Reden des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs zu Jerusalem.“

Weitere Hinweise auf Salomo als Verfasser finden wir in folgenden Versen: Prediger 1,12; 2,7.9; 12,9. Der Reichtum, der Lebensstil und die Weisheit, die in diesem Buch zu finden sind, weisen eindeutig auf Salomo hin. Auch die jüdische Tradition nennt Salomo als Verfasser.

Die Abfassung des Buches mag in den späteren Jahren Salomos (ca. 935 v.Chr.) geschehen sein.

Zweck

  • Das Buch Prediger zeigt die Sinnlosigkeit eines Lebens ohne Gott und die Freude in einem Leben mit Gott. Wer sich nur auf das Diesseits (Reichtum, Vergnügen, Arbeit usw.) konzentriert, kann kein erfülltes Leben führen.
  • Es ermahnt uns, schon früh an unseren Schöpfer zu denken, unser Leben auf ihn auszurichten, Gott zu fürchten und seine Gebote zu halten.
  • Das Buch macht auch deutlich, dass wir uns an Gottes guter Schöpfung (Natur, Essen, Trinken etc.) freuen dürfen.

Besonderheiten

  • Der hebräische Titel für „Prediger“ ist „Koheleth“ und bedeutet „Redner in der Versammlung“ oder einfach „Prediger“.
  • Im Buch Prediger gibt es viele Aussagen, die schwer verständlich sind. Das darf uns aber nicht dazu führen, das Buch nicht als Gottes Wort anzuerkennen (siehe Prediger 12,11).
  • Die Kernaussage des Buches ist „Fürchte Gott und halte seine Gebote“ (Prediger 12,13). Als Feststellung oder Aussage erscheint diese Aufforderung 12-Mal. An fünf anderen Stellen wird gezeigt, dass Gott den Menschen für sein Tun zur Rechenschaft ziehen wird (Prediger 3,17; 5,5; 8,12-13; 11,9; 12,14).
    Von der Eitelkeit des Lebens spricht der Prediger in unterschiedlichen Formen an 35 Stellen. Dieser Ausdruck bedeutete ursprünglich „Nebel“ oder „Hauch“. Es drückt das schnelle Vorübergehen aus, das keine Spur und keine Frucht hinterlässt. Viele Lebenssituationen erscheinen dem Prediger als eitel. Damit drückt er aus, dass er den Sinn von vielen Umständen nicht verstehen kann (Prediger 3,11). Auch uns geht es oft so, dass wir den Sinn gewisser Führungen Gottes nicht verstehen (z.B. Prediger 8,14). Der Prediger will uns nicht lehren, dass es keinen Sinn im Leben gibt und wir resignieren müssen (Prediger 8,12). Er fordert uns vielmehr auf, trotz aller Gegensätze im Leben, Gottes Wirken zu beachten und ihn zu fürchten.
  • An sechs Stellen werden wir aufgefordert, die Gaben Gottes, wie z.B. Essen und Trinken, zu genießen (Prediger 2,24; 3,13; 3,22; 5,17; 8,15; 9,7). Das bedeutet nicht, dass wir darin den Lebenssinn oder die Lebenserfüllung sehen sollen (Prediger 2,25). Wer die Gaben losgelöst vom Geber genießen will, wird darin keine Erfüllung finden. Doch in der rechten Furcht Gottes dürfen wir das Leben als eine Gabe Gottes verstehen und genießen (Prediger 11,9).
  • Die Wendung „unter der Sonne“ kommt an 29 Stellen vor. Sie bezieht sich auf das irdisch gesonnene Denken, das Gottes Anweisungen außer acht lässt. Wer sich auf menschliche Weisheit, Reichtum und Lebenskunst stützt, wird es einst als ein „Haschen nach Wind“ erkennen müssen (Prediger 1,14-17).
  • Der Prediger lehrt, dass Gott dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gegeben hat (Prediger 3,11), dass der Geist nach dem Tode wieder zu Gott gehen muss (Prediger 12,7) und Gott alle Werke des Menschen vor Gericht bringen wird, es sei gut oder böse (Prediger 11,9; 12,14).
  • Der Gottesname „Elohim“ kommt 40-Mal vor. Er bringt zum Ausdruck, dass Gott der Höchste, der Ewige, der Allmächtige, der Erhabene und der Schöpfer des Universums ist.

Einteilung

Die Eitelkeit des Lebens (Pred 1-6)

  1. Weltliche Weisheit ist eitel (Pred 1)
  2. Der Reichtum und Lebensgenuss ohne Gott (Pred 2)
  3. Die Vergänglichkeit unseres Daseins auf Erden (Pred 3)
  4. Eifer, Erfolg und Bedrückung (Pred 4)
  5. Unbedachte Reden, Unrecht, Reichtum (Pred 5-6)

Die Freude des Lebens mit Gott (Pred 7-12)

  1. Der Wert der wahren Weisheit (Pred 7)
  2. Der Unterschied zwischen dem Leben der Gerechten und der Gottlosen (Pred 8)
  3. Aufruf zur Freude (Pred 9,1-10)
  4. Die Spannung zwischen Weisheit und Torheit (Pred 9,11-10,20)
  5. Nutze die Gelegenheiten der Gegenwart (Pred 11,1-8)
  6. Aufruf in der Jugend an Gott zu denken (Pred 11,9-12,8)
  7. Abschluss: Die Hauptsumme aller Lehre (Pred 12,9-14)