Das Buch HIOB - Der Gerechte kann Leid ertragen

John F. MacArthur

Das älteste Buch der Bibel.
Die Zeiten mögen sie wohl ändern, aber die Menschen bleiben immer dieselben. Quer durch alle Jahrhunderte hindurch waren es immer die gleichen elementaren Fragen, die die Menschheit bewegten. Hiob stellte vor tausenden von Jahren einige Fragen; vielleicht beschäftigst auch du dich mit denselben Fragen. Das Buch Hiob beschreibt die schweren Prüfungen eines Mannes, dank dessen Erfahrungen wir eine Menge über das Wesen Gottes lernen können.

1. Autor und Abfassungszeit

Der Autor ist unbekannt, wahrscheinlich vor 1445 v. Chr. verfasst. Es gibt nur wenige Hinweise, interne wie externe, die auf einen bestimmten Verfasser hindeuten. Mose oder Salomo standen zur Diskussion, doch die Indizien sind eher schwach. Die alte jüdische Überlieferung schlägt Mose als Autor vor, da das Land Uz (Hi 1,1; Hiobs Heimat) an Midian grenzte, wo Mose 40 Jahre lang lebte und einen Bericht der Geschichte hätte erhalten können. Andere wiederum folgern, dass der kopflastige Inhalt des Buches sowie die darin beschriebenen Glaubensherausforderungen, sehr gut zu Salomo und seinem Durst nach Weisheit passen. Es existieren jedoch lediglich Vermutungen, aber keine nachvollziehbaren Schlussfolgerungen.

2. Schlüsselpersonen im Buch Hiob

  • Hiob - geduldig und leidend; Gott prüfte seinen Glauben, bei diesem allem sündigte Hiob nicht und schrieb Gott nichts Ungereimtes zu (Hi 1,1-42,16)
  • Eliphas der Temaniter - ein Freund Hiobs; glaubte, dass Hiob auf Grund von Sünde leiden musste (Hi 2,11; 4,1-5,27; 15,1-35; 22,1-30; 42,7-9)
  • Bildad der Schuchiter - ein weiterer Freund Hiobs; glaubte, dass Hiob unbußfertig war und deshalb leiden musste (Hi 2,11; 8,1-22; 18,1-21; 25,1-6; 42,9)
  • Zophar der Naamatiter - ein dritter Freund Hiobs; meinte, dass Hiob eine noch schwerere Strafe für seine Sünde verdient hätte (Hi 2,11; 11,1-20; 20,1-29; 42,9)
  • Elihu der Busiter - ergriff das Wort gegen Hiobs Freunde; glaubte, dass Gott Leid zuließ, um Hiobs Charakter zu formen (Hi 32,1-37,24)

3. Hintergrund und Umfeld

Das Buch beginnt mit einer Szene im Himmel, die dem Leser alles erklärt (Hi 1,6-2,10), und somit seine göttliche Inspiration sicherstellt. Hiobs Leid war auf einen Wettstreit zwischen Gott und Satan zurückzuführen. Weder Hiob noch seine Freunde wussten davon, sodass sich alle bemühten, Leid aus der Perspektive ihrer Unwissenheit zu erklären, bis Hiob schließlich in nichts anderem als dem Glauben an Gottes Güte und der Hoffnung auf seine Erlösung zur Ruhe kam. Dass Gott sein Vertrauen rechtfertigte, ist die großartige und zentrale Botschaft des Buches. Wenn es keine rationalen oder gar biblischen Erklärungen für Katastrophen und Leid mehr gibt, hilft nur das Vertrauen in Gott. Diese Möglichkeit ernsthaft in Betracht zu ziehen, wird dem Leser hier auf eindrückliche Art und Weise vermittelt.

4. Schlüssellehren im Buch Hiob

Treue inmitten von Leid

Hi 2,9: Da sprach seine Frau zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Sage dich los von Gott und stirb!

Hi 13,15: Siehe, tötet er mich – ich werde auf ihn warten; nur will ich meine Wege ihm ins Angesicht rechtfertigen.

 

4. Mo 12,10-12: Und die Wolke wich von dem Zelt, und siehe, Mirjam war aussätzig wie Schnee; und Aaron wandte sich zu Mirjam, und siehe, sie war aussätzig. Da sprach Aaron zu Mose: Ach, mein Herr! Lege doch nicht die Sünde auf uns, durch die wir töricht gehandelt und uns versündigt haben! Möge sie doch nicht sein wie ein totes <Kind>, dessen Fleisch, wenn es aus dem Leib seiner Mutter hervorkommt, zur Hälfte verwest ist!

Lu 22,31-34: [Der Herr aber sprach:] Simon, Simon! Siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre; und du, bist du einst umgekehrt, <so> stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, mit dir bin ich bereit, auch ins Gefängnis und in <den> Tod zu gehen. Er aber sprach: Ich sage dir, Petrus, <der> Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, mich zu kennen.

Joh 21,15-19: Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, <Sohn> Jonas, liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Weide meine Lämmer! Wieder spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, <Sohn> Jonas, liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Hüte meine Schafe! Er spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon, <Sohn> Jonas, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und spricht zu ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und hinbringen, wohin du nicht willst. Dies aber sagte er, andeutend, mit welchem Tod er Gott verherrlichen sollte. Und als er dies gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

2. Kor 1,3-7: Gepriesen <sei> der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden; denn so wie die Leiden des Christus uns gegenüber überreichlich sind, so ist auch durch den Christus unser Trost überreichlich. Sei es aber, dass wir bedrängt werden, <so ist es> eures Trostes und Heils wegen; sei es, dass wir getröstet werden, <so ist es> eures Trostes wegen, der im Ausharren in denselben Leiden wirksam ist, die auch wir erleiden. Und unsere Hoffnung für euch ist fest, da wir wissen, dass, wie ihr der Leiden teilhaftig seid, so auch des Trostes.

2. Kor 12,7-10: Und damit ich mich nicht durch das Übermaß der Offenbarungen überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, damit er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. Für dieses flehte ich dreimal zum Herrn, damit er von mir abstehen möge. Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht. Daher will ich mich am allerliebsten viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus über mir wohne. Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten für Christus; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Hebr 12,5-13: und habt die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: „Mein Sohn, achte nicht gering <des> Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn wen <der> Herr liebt, den züchtigt er; er geißelt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.“ Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott handelt mit euch als mit Söhnen; denn wer ist ein Sohn, den <der> Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne. Zudem hatten wir auch unsere Väter nach dem Fleisch als Züchtiger und scheuten sie; sollen wir uns nicht viel mehr dem Vater der Geister unterwerfen und leben? Denn jene zwar züchtigten <uns> für wenige Tage nach ihrem Gutdünken, er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Alle Züchtigung aber scheint für die Gegenwart nicht <ein Gegenstand der> Freude, sondern <der> Traurigkeit zu sein; danach aber gibt sie <die> friedsame Frucht <der> Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt worden sind. Darum „richtet auf die erschlafften Hände und die gelähmten Knie“, und „macht gerade Bahn für eure Füße“, damit nicht das Lahme vom Weg abkomme, sondern vielmehr geheilt werde.

1. Petr 5,10: Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, nachdem ihr eine kurze <Zeit> gelitten habt, er selbst wird [euch] vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen.

5. Gottes Wesen im Buch Hiob

  • Gott ist ein Befreier (Hi 33,27-28)
  • Gott ist herrlich (Hi 37,22)
  • Gott ist unsichtbar (Hi 23,8-9)
  • Gott ist gerecht (Hi 4,17; 8,3; 34,12; 37,23)
  • Gott ist liebend (Hi 7,17)
  • Gott ist mächtig (Hi 5,9; 9,4.10; 26,14; 36,22; 40,9)
  • Gott ist vorhersehend (Hi 1,21; 26,10; 37,9-13)
  • Gott ist rechtschaffen (Hi 36,3)
  • Gott ist unergründlich (Hi 11,7; 37,23)
  • Gott ist weise (Hi 9,4; 11,11; 21,22; 23,10; 28,24; 34,21; 36,4-5; 37,16)
  • Gott ist zornig (Hi 9,13; 14,13; 21,17)

6. Christus im Buch Hiob

Das Buch Hiob wirft viele Fragen hinsichtlich des Leidens auf. Während es schwierig ist, im Buch Hiob eine konkrete und befriedigende Antwort zu finden, ruht unsere Hoffnung in Christus, der sich mit unseren Leiden identifiziert (Hebr 4,15). Letztendlich ruft Hiob Christus an, den Mittler zwischen den Menschen und Gott.

Hi 9,33: Es gibt zwischen uns keinen Schiedsmann, dass er seine Hand auf uns beide legte.

Hi 19,25-27: Und ich, ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er auf der Erde stehen; und ist nach meiner Haut dies da zerstört, so werde ich aus meinem Fleisch Gott anschauen, den ich selbst mir anschauen und den meine Augen sehen werden, und kein anderer: Meine Nieren verschmachten in meinem Innern.

Hi 25,4: Und wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott, und wie könnte ein von einer Frau Geborener rein sein?

Hi 33,23: Wenn es <nun> für ihn einen Gesandten gibt, einen Ausleger, einen aus tausend, um dem Menschen seine Geradheit kundzutun,

7. Schlüsselworte im Buch Hiob

  • Untadelig: Hebräisch tam (Hi 1,1.8; 2,3; 8,20; 9,20-22) bedeutet „vollkommen sein“. Dieses Wort beschreibt die Integrität einer Person: die Gesamtheit seiner Konstitution. Im Hohelied der Liebe finden wir dieses Wort als Kosename für die sulamitische Braut (siehe „meine Makellose“ Hl 5,2; 6,9). Im AT finden wir „untadelig sein“ oft im Zusammenhang mit dem Aufrichtigen (Hi 1,1.8; 2,3; Ps 37,37; Spr 29,10) und im Gegensatz zum Gottlosen (Hi 9,22: Ps 64,3-5). Hiobs Anspruch, untadelig zu sein, deckt sich mit Gottes Beurteilung über ihn. Es bedeutet aber nicht, dass er absolut vollkommen war (Hi 1,8; 9,21; 14,16.17). Der Psalmist schreibt, dass auf den Gerechten eine friedliche Zukunft wartet. Genauso war es bei Hiob (Hi 42,10-12; Ps 37,37).
  • Leid und Schmerz: Hebräisch 'oni (Hi 10,15; 30,16.27; 36,8.15.21) - stammt von einem Wort, das „Elend“ oder „Armut“ bedeutet. Es will uns einen unter einer schweren Last gebeugten Menschen vor Augen malen. Die Schrift schildert uns, wie der Herr die Bedrängnis, die seinem Volk Leid und Schmerz verursacht, sieht. Erhört auch ihr qualvolles Schreien (1. Mo 16,11; 2. Mo 2,23-25). Der Herr fordert uns auf, all unsere Last auf ihn zu werfen, denn er ist stark genug und liebt uns so sehr, dass er uns in Zeiten der Not zur Seite steht (1. Petr 5,7). Da er alles unter Kontrolle hat, können wir gewiss sein, dass er auch durch die vorübergehenden Schwierigkeiten, in denen wir uns manchmal befinden, Gutes zu bewirken vermag (Röm 8,28). Die gesamte Geschichte Hiobs ist eine sehr lebendige Illustration dessen (42,10-17; 2Kor 12,7-10).
  • Siehe: Hebräisch ra'ah (Hi 19,27; 22,12; 40,11) - ein alltägliches Wort, welches oft im Zusammenhang mit der natürlichen Funktion des Auges benutzt wird, und folglich meistens mit „sehen“ übersetzt wird (1. Mo 48,10; 5. Mo 1,8; 2. Kö 3,14; Mi 7,9.10). Mit dem Begriff werden aber auch eine Anzahl metaphorischer Bedeutungen verbunden wie z.B. Annahme (1. Mo 7,1; 4. Mo 23,21) und Vorsorge (1. Mo 22,8.14; 1. Sam 16,1), sogar der Gedanke von Errettung oder Sicherheit kann angedeutet werden. In Hiob 42,5 bedeutet das Wort „sehen“ im Sinne von „sich bewusst werden“ oder etwas „völlig erfahren“, das vorher unbekannt oder unverständlich war.

8. Gliederung

Das Unglück (Hi 1,1-2,13)

  • Einführung (Hi 1,1-5)
  • Gespräche zwischen Gott und Satan (Hi 1,6 - 2,10)
  • Die Ankunft seiner Freunde (Hi 2,11-13)

Die Gespräche zwischen Hiob und seinen Freunden (Hi 3,1 - 37,24)

  • Erster Zyklus (Hi 3,1 - 14,22)
  • Zweiter Zyklus (Hi 15,1-21,34)
  • Dritter Zyklus (Hi 22,1 - 26,14)
  • Hiobs abschließende Verteidigungsrede (Hi 27,1 -31,40)
  • Die Reden Elihus (Hi 32,1 - 37,24)

Die Befreiung vom Leid (Hi 38,1 - 42,17)

  • Gott verhört Hiob (Hi 38,1 - 41,26)
  • Hiobs Bekenntnis, Anbetung und Wiederherstellung (Hi 42,1-17)

9. Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde ...

Die Ägypter entdecken den Gebrauch von Papyrus und bauen die ersten Bibliotheken in Ägypten auf.

10. Häufig auftauchende Fragen

10.1 Welche Art von Beziehung pflegte Hiob zu Gott?

Hiobs Biografie beginnt mit einer vielfältigen Beschreibung seines Charakters: „der war ein untadeliger und rechtschaffener Mann, der Gott fürchtete und das Böse mied“ (Hi 1,1). Er betete für seine Kinder und war darum besorgt, wie es um ihre Beziehung zu Gott stand (Hi 1,5). Er war erfolgreich und vermögend, ein Paradebeispiel eines gesegneten Mannes. Tatsache ist, dass Gott (1,8) mit seiner Aussage, die genau mit dem Eröffnungsvers des Buches übereinstimmt, die ganze Beurteilung Hiobs absegnet und seine Unterschrift darunter setzt.

Angesichts des plötzlichen und vernichtenden Verlustes - Kinder, Diener, Herden, all sein Hab und Gut - reagiert Hiob zunächst mit tiefer Trauer und Anerkennung der Souveränität Gottes. „Der HERR hat gegeben, der HERR hat genommen; der Name des HERRN sei gelobt! Bei alledem sündigte Hiob nicht und verhielt sich nicht ungebührlich gegen Gott“ (1,21b.22). Hiobs Freunde gingen mit ihm hart ins Gericht und er wunderte sich allmählich, warum Gott nicht willens war einzuschreiten, um die ganze Sache aufzuklären. Nachdem Gott dann endlich spricht, sehen wir zumindest teilweise, wo Hiobs Problem lag. Er verwechselte seine Beziehung zu Gott mit seiner Vertrautheit mit Gott. Der Herr tadelte Hiob nicht wegen seines Glaubens oder seiner Aufrichtigkeit; aber Hiob bestand förmlich darauf, von Gott eine Antwort auf all seine Schwierigkeiten, in denen er steckte, zu bekommen. Dieses Verhalten warf doch einige Fragen auf. Indem Gott Hiob nur einen kleinen Teil seiner tatsächlichen Ignoranz offenbarte, machte er ihm klar, dass es da noch eine ganze Menge an Dingen gab, von denen er schlicht und einfach keine Ahnung hatte. Als Geschöpf befand sich Hiob in keiner Position und hatte kein Recht, eine Antwort von seinem Schöpfer zu fordern. Die letzten Worte Hiobs sind geprägt von Demut und Buße. „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und in Asche“ (42,5.6). Zum Schluss seines Lebens genoss Hiob wieder dieselbe Beziehung zu Gott, wie er das bereits in seinen früheren Tagen tat. Er betete für seine Freunde und zog erneut gottesfürchtige Kinder groß. Er hatte ein erfülltes Leben.

10.2 In welcher Beziehung steht Satan zu Gott in Buch Hiob?

Satan ist zwar ein eingeschworener Gegner Gottes, aber die beiden sind keine ebenbürtigen Kämpfer. Satan ist ein Geschöpf; Gott ist der Schöpfer. Satan war ein Engel, dem seine erhöhte Stellung als Engel nicht mehr genug war, und folglich rebellierte er gegen Gott.

Der beständig herrschende Konflikt zwischen Satan und Gott wird veranschaulicht, indem Satan Gott vorwirft, dass die gerechten Menschen Gott nur aus Profitgründen anhängen würden. Sie vertrauen Gott nur solange, wie er sie auch gut behandelt, meint der Satan. Satan forderte Gott heraus. Er behauptete, dass Hiobs Gerechtigkeit noch nie geprüft wurde und stellte sie in Frage. Offensichtlich war der Satan davon überzeugt, dass er Hiobs Vertrauen in Gott zerstören könnte, wenn er ihn nur genug leiden ließe. Satan erlitt eine weitere Niederlage. Gott zeigte anhand Hiobs Leben, dass rettender Glaube unzerstörbar ist. Seien die Leiden auch noch so unnachvollziehbar, mögen sie noch so unverdient erscheinen, ein echter Gläubiger lässt sich auf Grund von Leiden nicht von Gott abbringen.

Nach dem misslungenen Versuch, Hiob zu zerstören, verschwindet Satan für eine Weile. Er ist und bleibt ein besiegter Feind Gottes, und er tobt immer noch angesichts Gottes unabwendbaren Triumphs.

10.3 Warum müssen gerechte und unschuldige Menschen leiden?

Tatsache ist, dass es keine gerechten und unschuldigen Menschen gibt. Die Bibel stellt eindeutig fest, dass alle gesündigt haben (Röm 3,23) und alle Sünder verdienen es, ewig bestraft zu werden. Deshalb ist Gottes Gnade auch so einzigartig und erstaunlich.

Wenn wir diese Wahrheit erst einmal erfasst haben, dann können wir einen Schritt weiter gehen und sehen, dass es, menschlich gesprochen, einen relativen Maßstab bezüglich Gerechtigkeit und Unschuld gibt. D.h. einige Leute sind moralischer und tugendhafter als andere, sie sind unschuldiger. Stell dir jemanden vor, der sich an die goldene Regel halten will, oder jemanden, der sehr großzügig ist und sich um die Armen kümmert. Sicher werden die meisten auch kleinen Kindern eine naive Unschuld zugestehen. Wir sollten die Frage also neu formulieren: „Warum müssen kleine Kinder und Leute, die ein vorbildliches Leben führen, leiden“?

Diese Fragestellung offenbart die Annahme, dass ein gerechtes, unschuldiges Leben zwangsläufig auch zu einem leidfreien Leben führen müsse. Da mag wohl eine Beziehung bestehen, aber keine direkte. Tatsächlich wird Sünde früher oder später immer Leid nach sich ziehen, aber Leid ist nicht immer ein Indikator für Sünde. Hiobs Freunde konnten diese Wahrheit nicht fassen. Sie machten es sich ziemlich einfach. Widerfuhr jemandem Leid, so gab es ihrer Ansicht nach nur eine Erklärung dafür; im Leben dieser Person musste es Sünde geben.
Es gibt eine Vielzahl von Gründen für das Leid des Gerechten wie auch des Unschuldigen:

  • In einer sündigen Welt kann Ehrlich-Sein manchmal Leid mit sich bringen und der Gerechte muss leiden, z.B. wenn eine gerechte Per¬son ihr Leben für jemand anderen opfert,
  • manchmal führen die Sünden Dritter dazu, dass jemand leiden muss, z.B. muss ein Kind viel erleiden, weil seine Eltern etwas Ungerechtes getan haben,
  • selbst den Gerechten und Unschuldigen bleiben gewisse Dinge, die in einer ungerechten Welt eben vorkommen, wie z.B. Zahnschmerzen oder ein blauer Daumen, nicht vorenthalten;
  • manchmal gibt es keinen bestimmten Grund für das Leiden von Menschen. Hiob ist das beste Beispiel dafür.

10.4 Warum beantwortet Gott nicht alle von Hiobs (oder unseren) Fragen?

Diese Frage geht davon aus, dass, wenn Gott all unsere Fragen beantworten würde, es einfacher wäre zu glauben. Das stimmt nicht. Vertrauen geht viel weiter als Antworten. Manchmal stellen wir Fragen, damit wir nicht vertrauen müssen.
Schlussendlich müssen wir Gott aber mehr Vertrauen schenken als unserer eigenen Auffassungsgabe. Wir können Gottes Wege nicht immer verstehen. Wenn wir die Erfahrungen Hiobs betrachten, dürfen wir keinen falschen Schluss ziehen und meinen, wir dürften keine Fragen stellen. Oft helfen uns Fragen, den wahren Ursprung unseres Leidens zu erkennen. Die Geschichte Hiobs beinhaltet aber auch einige Warnungen für uns; wir dürfen nicht er¬warten, immer und auf jedes unserer Leiden eine Erklärung zu finden. Gott beantwortet nicht alle unsere Fragen, da wir einfach nicht in der Lage sind, alle seine Antworten zu verstehen.

11. Kurzstudium zum Buch Hiob/einige Fragen

  • Was lernen wir bezüglich Satans Charakter im Buch Hiob?
  • Fasse die Argumente von Hiobs Freunden kurz zusammen!
  • Was sagt Gott über Hiobs Freunde?
  • Was sagt Gott schlussendlich zu Hiob?
  • Wie verändert sich Hiob, der gerechte Mann, im Verlauf des Hiob-Buches?
  • Welchen Wandel durchläuft er vom Anfang bis zum Ende der Geschichte?
  • Wie beeinflusst das Buch Hiob deine Sicht in Bezug auf Leid?

Impressum

1. Auflage 2003
© 2001 by John MacArthur
Originaltitel: The MacArthur Quick Reference Guide To The Bible
Nelson / Word Publishing Group, Nashville
© der deutschen Ausgabe 2003
by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung
Postfach 11 01 35 • 33661 Bielefeld
Internet: www.clv.de
Übersetzung: Martin Manten, Berlin
Lektorat: Claudia Kreutzer und Gabi Manten
Satz: CLV
Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN: 3-89397-644-2