Inhalt

Die Hauptperson im 1. Buch Samuel ist Samuel selbst. Es wird über seine Geburt, seine Berufung, seinen Richter- und Prophetendienst und seinen Tod berichtet. Zu seiner Zeit entstand im Volk der Wunsch, einen König zu bekommen, wie ihn alle benachbarten Völker um sie herum auch hatten. Gott ging auf das Anliegen seines Volkes ein und gewährte ihnen diese Bitte. Er berief Saul zum ersten König Israels, der aber aufgrund seines Ungehorsams später von Gott verworfen wurde. Sein Sohn, Isch-Boschet, kam nach seines Vaters Tod nur für kurze Zeit an die Macht, denn Gott hatte bereits David zum Nachfolger für Saul erwählt.
Wahrend im ersten Buch Samuel überwiegend über das Königtum Sauls berichtet wird, geht es im zweiten Buch Samuel hauptsächlich um das Königtum Davids.

Abfassung

An keiner Stelle wird direkt gesagt, wer der Verfasser der Samuelbücher ist. Die Überlieferung nennt den Propheten Samuel als den Verfasser der ersten 24 Kapitel. Natan und Gad sollen das Übrige geschrieben haben. Die schriftstellerische Tätigkeit der Propheten Samuel, Natan und Gad wird in 1. Samuel 10,25 und 1. Chronik 29,29 bezeugt.
Die Abfassung geschah wahrscheinlich im 10. Jahrhundert vor Christus, also vor der Reichsteilung, da in 1. Samuel 27,6 noch von den Königen Judas die Rede ist.

Zeitabschnitt

Das 1. Buch Samuel beginnt mit der Geburt Samuels, des letzten Richters und endet mit dem Tod Sauls, des ersten Königs in Israel. Es umfasst eine Zeitspanne von ca. 90 Jahren (1100-1011 v.Chr.).
Das 2. Buch Samuel beginnt mit dem Tod Sauls und endet kurz vor Davids Tod. Es umfasst eine Zeitspanne von ca. 40 Jahren (1011-971 v.Chr.).
Samuel begann seinen Dienst in einer Zeit, in der das Volk keine einheitliche Führung hatte. Seit Josua unterstanden die Stämme den Richtern oder den jeweiligen Priestern. Die Zeit war geprägt vom Götzendienst (1. Sam 7,3). Der Priester Eli diente dem Herrn, doch seine Söhne handelten nicht nach den Geboten des Herrn (1. Sam 2,12-17.29). Außerdem stellten die Philister eine beständige Bedrohung für Israel dar. Gott gebrauchte sie, um sein Volk zu züchtigen. Es kam zu zahlreichen Schlachten mit ihnen. Erst in der Regierungszeit Davids wurden die Philister besiegt, und Israel wuchs zu einer Nation zusammen.

Zweck

Der Zweck der Samuelbücher besteht darin, die geschichtlichen Ereignisse über den Beginn und Anfang der Königsherrschaft in Israel aufzuzeichnen. Dabei geht es nicht nur um einen geschichtlichen Rückblick, wir lernen auch die Beweggründe für das Handeln Gottes und der Menschen kennen. Als Grundthema tritt immer wieder die Notwendigkeit hervor, das persönliche Leben ganz dem lebendigen Gott zu unterstellen.

Wichtige Themen

  • Die Bedeutung des Gebetes wird in mehreren Situationen deutlich:
    • Hanna bat um einen Sohn und nannte ihn dann Samuel (1. Sam 1,10-28).
    • Israel siegte aufgrund des Gebetes von Samuel (1. Sam 7,5-10).
    • Samuel betete für das Volk (1. Sam 8,6).
    • Samuel betrachtete es als Sünde, davon abzulassen, für Israel zu beten (1. Sam 12,19.23)
    • Der Name „Samuel" bedeutet „von Gott erhört".
  • Das Wirken des Heiligen Geistes: Er rüstet seine Diener mit besonderen Fähigkeiten zu besonderen Aufgaben aus (1. Sam 10,6-10; 11,6; 16,13).
  • Gott bestraft und vergibt Sünde (2. Sam 11,4 und 12,1-18).
  • Geduld und das Bewusstsein der Abhängigkeit von Gott sind nötig, um seine Verheißungen zu erlangen (1. Sam 1,1-20).

Einteilung

9.6.1 Samuel: Saul, der König in Israel

Samuels Geburt, Jugend und Dienst (1. Sam 1-7)

  1. Das Gelübde seiner Mutter (1. Sam 1,1-18)
  2. Samuels Geburt und Weihe (1. Sam 1,19-2,11)
  3. Die Bosheit der Söhne Elis (1. Sam 2,12-2,36)
  4. Samuels Berufung (1. Sam 3)
  5. Die Bundeslade wird geraubt und wieder zurückgebracht (1. Sam 4,1-7,1)
  6. Samuels Richteramt (1. Sam 7,2-17)

Saul und der Beginn des israelitischen Königtums (1. Sam 8-15)

  1. Israel begehrt einen König (1. Sam 8)
  2. Saul wird zum König gesalbt (1. Sam 9-10)
  3. Sauls Sieg über die Ammoniter (1. Sam 11)
  4. Samuel legt sein Richteramt nieder (1. Sam 12)
  5. Sauls Ungehorsam (1. Sam 13,1-14)
  6. Israels Sieg über die Philister (1. Sam 13,15-14,23)
  7. Sauls Verwerfung (1. Sam 14,24-15,35)

David, der Nachfolger von Saul (1. Sam 16-31)

  1. Davids Salbung zum König (1. Sam 16,1-13)
  2. Sauls Abstieg und Davids Aufstieg (1. Sam 16,14-23)
  3. David und Goliat (1. Sam 17)
  4. David am Hofe Sauls (1. Sam Kap. 18-20,23)
  5. Davids Flucht vor Saul (1. Sam 20,24-23,28)
  6. Davids großmütiges Handeln an Saul (1. Sam 24-26)
  7. Davids Aufenthalt bei den Philistern (1. Sam 27-30)
  8. Das Ende Sauls (1. Sam 31)

9.6.2 Samuel: David, König in Israel

Davids Siege (2. Sam 1-10)

  1. David - König über Juda in Hebron (2. Sam 1-4)
    1. David bekommt den Bericht über Sauls und Jonatans Tod (2. Sam 1)
    2. David wird zum König über Juda gesalbt (2. Sam 2,1-11)
    3. Der Bürgerkrieg zwischen Israel und Juda (2. Sam 2,12-4,12)
  2. David - König über ganz Israel in Jerusalem (2. Sam 5-10)
    1. David wird König über ganz Israel (2. Sam 5,1-5)
    2. Jerusalem wird zur Hauptstadt (2. Sam 5,6-16)
    3. Davids Siege über die Philister (2. Sam 5,17-25)
    4. Die Bundeslade kommt nach Jerusalem (2. Sam 6)
    5. Davids Wunsch, einen Tempel zu bauen (2. Sam 7)
    6. Davids Kriege und Siege (2. Sam 8)
    7. Mefiboschet kommt an Davids Hof (2. Sam 9)
    8. Der Sieg über die Ammoniter (2. Sam 10)

Davids Sünden (2. Sam 11-12)

  1. Er begeht Ehebruch (2. Sam 11)
  2. Er empfängt Vergebung seiner Sünde (2. Sam 12)

Davids Schwierigkeiten (2. Sam 13-20)

  1. Ammons Sünde (2. Sam 13,1-22)
  2. Absaloms Aufruhr (2. Sam 13,23-19,8)
    1. Absaloms Rache an Ammon und seine Flucht (2. Sam 13,23-39)
    2. Joab erwirbt Gnade für Absalom (2. Sam 14)
    3. Davids Flucht vor Absalom (2. Sam 15-17)
    4. Absaloms Ende (2. Sam i 5,1-19,8)
  3. Davids Wiederherstellung (2. Sam 19,9-20,26)

Anhang (2. Sam 21-24)

  1. Hungersnot und Krieg gegen die Philister (2. Sam 21)
  2. Ein Lobgesang Davids (2. Sam 22)
  3. Die Helden Davids (2. Sam 23)
  4. Davids Volkszählung und Strafe (2. Sam 24)

Besonderheiten

  • In der hebräischen Heiligen Schrift bildeten die beiden Samuelbücher ursprünglich nur ein Buch. Die Septuaginta (die erste griechische Übersetzung des AT) zerlegte sie in zwei Teile und fasste sie unter dem Namen „Bücher der Königsherrschaften" zusammen (1. und 2. Samuel zählten als 1. und 2. Könige; 1. und 2. Könige als 3. und 4. Könige).
  • Ab 1. Samuel treten die Könige und Propheten mehr in den Vordergrund. Die Einsetzung eines Königs ging auf den Wunsch des Volkes zurück, womit sie gleichzeitig Gott als ihren König verwarfen (1. Sam 8,5-7; 10,17-19; 12,12-25).
  • Gott hatte das Kommen des Königtums bereits vorausgesehen (1. Mo 17,6.16; 49,10; 2. Mo 19,6; 4. Mo 24,17.19) und darum in 5. Mose 17,14-20 ein umfangreiches Königsgesetz niederschreiben lassen.
  • Die Propheten waren das Sprachrohr Gottes. Auch David empfing das Wort Gottes durch Propheten (vgl. 2. Sam 7,1-13)
  • David wird zum Maßstab für die Beziehung der späteren Könige zu Gott. Sie wurden danach beurteilt, ob sie in den Wegen Davids wandelten oder nicht (1. Kö 3,3; 9,4; 11,4).
  • Die Verheißung an David in 2. Samuel 7,16 ging durch Jesus Christus in Erfüllung. Jesus wird im Neuen Testament oft als „Sohn Davids" bezeichnet (Mt 1,1; 9,27; 21,9; 22,42). Jesaja wusste, dass der Messias aus der Linie Davids kommen würde (Jes 9,6).
  • Im 1. Buch Samuel sehen wir den Übergang von einer Theokratie (Gottesherrschaft) zur Monarchie (Königsherrschaft).
  • Die Bundeslade befand sich seit der Zeit Josuas in Silo, nördlich von Betel. Im Todesjahr Elis wurde sie von den Philistern geraubt. Der König David holte sie im Jahre 1000 v.Chr. nach Jerusalem, wo sie zunächst in der Stiftshütte und später im Tempel aufbewahrt wurde.
  • Die Gottlosigkeit und Sittenlosigkeit der Söhne Elis mag kennzeichnend für den allgemeinen Zustand des Volkes Gottes gewesen sein. Deshalb gebrauchte Gott Feinde, um durch sie sein Volk zu züchtigen. Der Hauptfeind Israels waren die Philister . Es gelang ihnen zeitweise, das gesamte Westjordanland zu unterwerfen.
  • Unter der Herrschaft Davids gelang es, die innere Zerstrittenheit im Volk weitgehend zu ordnen. In den zahlreichen Kämpfen wurden die Philister besiegt und andere Völker unterworfen. Die Israeliten wuchsen zu einer Nation zusammen und gewannen dadurch auch größeres Ansehen bei den Völkern um sie herum.
  • Die Samuelbücher eignen sich gut zum Studium von Lebensbildern, z. B. von: Hanna - Eli - Samuel - Saul - David - Abner - Joab