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Thema: Das Lied der Liebe
Hoheslied ist ein Lied der Liebe. Es bildet eine Sammlung von 25-30 Gesängen, in denen die Liebe Salomos und Sulamiths zueinander besungen wird. Die Freude aneinander, die Bereitschaft, füreinander dazu sein und die Sehnsucht zueinander werden mit Bildern und mit immer neuen Worten zum Ausdruck gebracht. Die Liebe, die um den anderen wirbt, findet schließlich in der Ehe ihre Erfüllung.

Abfassung

Salomo nennt sich als Verfassers dieses Buches bereits im Eingangsvers (Hoheslied 1,1): „Das Hohelied Salomos“. Insgesamt wird Salomo hier sechsmal erwähnt. Auch die jüdische Tradition schreibt das Buch einstimmig Salomo zu.
Die Abfassung von Hoheslied mag in der Anfangszeit nach seinem Regierungsantritt geschehen sein (ca. 960 v. Chr.), während die Sprüche in seinen mittleren Jahren und das Buch Prediger in seinem Alter entstanden sein könnten.

Zweck

  • Hoheslied besingt die Beziehung zwischen Salomo und Sulamith vom Brautstand bis zur Eheschließung. Es ist eine Beschreibung der ehelichen Einheit, so wie sie Gott gewollt hat.
  • Die Liebe Salomos zu Sulamiths verdeutlicht die Wahrheit aus 1. Mose 2,18-25. Weil Gott das Alleinsein des Menschen nicht für gut hält, hat Gott ihm eine Hilfe, ein Gegenüber geschaffen, das zu ihm passt.
  • Hoheslied ist ein Appell an die Jugend, die geschlechtliche Reinheit bis zur ehelichen Gemeinschaft zu bewahren.
  • Im übertragenen Sinne kann das Hohelied auch als ein Bild für die Beschreibung der Liebe Gottes zu seinem Volk Israel sowie zwischen Christus und seiner Gemeinde gesehen werden.
  • Hoheslied macht deutlich, dass leidenschaftliche Liebe auch ein Geschenk Gottes sein kann. Gottes Wort klammert sie nicht aus.

Besonderheiten

  • Die hebräische Bezeichnung für dieses Buch bedeutet „Lied der Lieder“. Es ist die höchste Steigerung und besagt, dass es das schönste Lied Salomos ist.
  • Hoheslied ist die erste der fünf Festrollen (Megilloth) und wurde jährlich am achten Tag des Passahfestes in Israel vorgelesen.
  • Es ist für das Verständnis des Hohenliedes wichtig zu unterscheiden, wer zu wem spricht. Folgende Kombinationen zwischen Sprecher und Zuhörer kommen vor:
    • Die Braut
      • im Selbstgespräch
      • zum König
      • zu den Töchtern Jerusalems
      • zu allen
    • Der König
      • zur Braut
      • zu den Töchtern Jerusalems
    • Die Brüder
      • zur Braut
    • Der Dichter
      • zur Braut und zum König
    • Die Töchter Jerusalems
      • zur Braut
      • zum König
  • Die Auslegung des Hohenliedes hat im Laufe der Kirchengeschichte sehr unterschiedliche Formen angenommen. Die wörtliche Auslegung als ein Lied der Liebe wurde häufig abgestritten, und es wurden andere Auslegungsmöglichkeiten vorgeschlagen.
  • Bis zum 18. Jahrhundert war die allegorische Auslegung sehr weit verbreitet. Demnach ist der Text nicht wörtlich zu verstehen, sondern hinter ihm steht ein anderer, tieferer Sinn. Diese Methode führt zu vielen unterschiedlichen Ergebnissen. Der Bibeltext selbst gibt keinen Hinweis dafür, dass er allegorisch ausgelegt werden sollte.
  • Wir dürfen das Hohelied als ein Liebeslied im wörtlichen Sinne verstehen, denn die Geschlechtlichkeit und Ehe sind eine Schöpfung Gottes und dürfen darum auch in der Bibel besungen werden. Nur zu leicht wird der hohe Stand der Ehe von Asketikern verleugnet und von Erotikern entwürdigt. Bei einer gründlichen Betrachtung des Textes kann festgestellt werden, dass nichts Unreines darin zu finden ist und dass mit diesem heiklen Thema sehr einfühlsam umgegangen wird.

Einteilung

Aus Sulamiths Mädchenzeit (Hoh 1,1-8)

Der werdende Brautstand (Hoh 1,9-2,17)

Vom Brautstand zur Vermählung (Hoh 3,1-5,1)

Eine neue Reihe von Liedern der Liebe (Hoh 5,2-7,10)

Im Ehestand (Hoh 7,11-8,14)