Das 2. Buch Chronik Historischer Rückblick und Anfang eines Desasters

John F. MacArthur

Das zweiteilige Chronikbuch ist eine Zusammenstellung geschichtlicher Fakten, die bis an den Ursprung reicht - es umspannt die Ereignisse von Genesis bis 2. Könige.
Bevor die Videokameras und die Kassettenrekorder aufkamen, gab es Chroniken. An jedem Königshof gab es irgendwo einen Schreiber, dessen Aufgabe darin bestand, die aktuellen Ereignisse aufzuschreiben. Der hebräischen Originaltitel dieses Buches lautete „Jahrbücher der Tage“. Ca. 200 v. Chr. teilten die Übersetzer der Septuaginta die lange Schriftrolle in zwei Bücher auf.

Das 1. Buch Chronik Autor und Abfassungszeit

Wahrscheinlich von Esra um ca. 450 bis 430 v. Chr. verfasst. Weder das 1. noch das 2. Buch Chronik enthält irgendeine direkte Aussage über den menschlichen Verfasser, wenngleich die jüdische Tradition stark dafür eintritt, dass der Priester Esra (vgl. Esr 7,6) der „Chronist“ ist. Er lebte ungefähr zu dieser Zeit und war ein bekannter Schriftgelehrter. Die Geschlechtsregister in 1. Chronik 1-9 deuten auf eine Abfassungszeit nach 450 v. Chr. hin.

Schlüsselpersonen im 2. Buch Chronik

  • Salomo - König Israels und Erbauer des Tempels Gottes; Gott gab ihm große Weisheit (2. Chr 1,1-9,31)
  • Die Königin von Saba - hörte von Salomos großer Weisheit; besuchte Israel, um ihm knifflige Fragen hinsichtlich seines Erfolges zu stellen (2. Chr 9,1-12; s. Mt 12,42)
  • Rehabeam - Salomos böser Sohn, der sein Nachfolger auf dem Thron wurde; teilte schon bald das Königreich in zwei Teile und wurde König über Juda (2. Chr 9,31-13,7)
  • Asa - König Judas; versuchte Gottes Pläne mittels korrupter Praktiken zu verwirklichen (2. Chr 13,23-16,14)
  • Josaphat - Nachfolger seines Vaters Asa; König über Juda; folgte Gott nach, traf aber einige schlechte Entscheidungen (2. Chr 17,1-22,9)
  • Jehoram - Gottloser Sohn Josphats, der sein Nachfolger wurde als König über Juda; führte den Götzendienst ein und ermordete seine sechs Brüder (2. Chr 21,1-20)
  • Ussija - Nachfolger seines Vaters Amazja, König von Juda; folgte Gott nach, behielt aber immer eine stolze Haltung (2. Chr 26,1-23)
  • Ahas - Nachfolger seines Vaters Jotam; König von Juda, leitende Persönlichkeit in der Ausübung des Baalkults und Götzendienstes, opferte sogar seine eigenen Kinder (2. Chr 27,9-29,19)
  • Hiskia - Nachfolger seines Vaters Ahas, König von Juda; gehorchte Gott und stellte den Tempel wieder her; löste eine religiöse Reform im Volk aus (2. Chr 28,27-32,33)
  • Manasse - Nachfolger seines Vaters Hiskia; König von Juda; tat, was böse war in den Augen des Herrn, tat gegen seiner Herrschaft aber Buße (2. Chr 32,33-33,20)
  • Josia - Nachfolger seines Vaters Amon, König von Juda; folgte Gott nach und fand während den Restaurationsarbeiten am Tempel das Buch des Gesetzes (33,25-35,26)

3. Hintergrund und Umfeld

1. und 2. Chronik vermitteln einem Volk, das gerade chaotische Veränderungen durchmacht, eine grobe Perspektive der Situation. Die Juden kehrten aus ihrer 70-jährigen babylonischen Gefangenschaft zurück (ca. 538 v. Chr.) in das Land Israel. Das ereignete sich in drei Phasen

  1. Serubbabels Gruppe ca. 538 v. Chr. (Esr 1-6);
  2. Esras Gruppe ca. 458 v. Chr. (Esr 7-10) und
  3. Nehemias Gruppe ca. 445 v. Chr. (Neh 1-13).

Für die aus dem Exil Zurückgekehrten war es wichtig, dass sie Gottes Wirken und Eingreifen in der Geschichte ihres Volkes erkennen konnten, damit sie mit den Rückschlägen und Schwierigkeiten der sich ihnen bietenden Situation fertig werden konnten. Gelinde gesagt, sah ihre Zukunft trist aus im Vergleich zu ihrer glorreichen Vergangenheit, insbesondere der Zeit unter David und Salomo. Die Rückkehr konnte bestenfalls als bitter-süß beschrieben werden, d.h. bitter wegen ihrer gegenwärtigen Armut, die schmerzliche Erinnerungen weckte an das, was sie sich durch Gottes Gericht über die Sünden ihrer Vorfahren verwirkt hatten, aber süß, weil sie zumindest in das Land zurückgekehrt waren, das Gott Abraham 17 Jahrhunderte zuvor gegeben hatte (1. Mo 12,1-3). Die selektive Geschlechterlinie und Geschichtsschreibung Israels in den Chronikbüchern erstreckt sich von Adam (1. Chr 1,1) bis zur Rückkehr aus Babylon (2. Chr 26,23) und sollte die Juden an Gottes Verheißungen und Absichten bezüglich:

  1. dem Land,
  2. der nationalen Identität,
  3. der davidischen Königslinie,
  4. der levitischen Priesterschaft,
  5. dem Tempel und
  6. wahrer Anbetung erinnern.

Gott machte es sehr deutlich, dass nichts von alledem durch die babylonische Gefangenschaft hinfällig geworden war. Die Chroniken sollten die Juden während den schwierigen Zeiten, die ihnen bevorstanden, an ihr geistliches Erbe erinnern und sie ermutigen, Gott treu zu sein.

Schlüssellehren im 2. Buch Chronik

  • Weisheit - Salomo erfuhr, dass der Erwerb von Weisheit wertvoller als Reichtum, Ehre oder Siege war (2. Chr 1,7-12; 1. Kö 3,9; Spr 3,15; 16,7-8; Mt 7,7; Jak 1,5)
    Segen - wenn der König auf Gott vertraute und ihm gehorsam war, segnete und beschützte Gott ihn (2. Chr 7,13.19-20; 9,13-22; 2. Mo 23,22; 5. Mo 11,27; 1Sam 15,22; 1Chr 11,4-9; 14,8-14; Ps 5,13; 106,3; Pred 12,13; Jes 30,18; Mt 5,6; Lk 11,28)
  • Gericht - wenn der König Gott ungehorsam war und sein Vertrauen in etwas anderes setzte, dann zog Gott seinen Segen zurück (2. Chr 7,14-15; 5. Mo 28,41; 1. Chr 10,1-7; Hi 12,23; Ps 78,32-33; Jes 42,24; Hes 39,23; Hos 4,17; Am 3,6; 4,10; Mi 6,9; Mal 2,2; Mt 7,22-23; 13,40-42; Joh 12,48)
  • Der davidische Bund - Gottes Verheißung, Israel wieder einen König zu geben, wurde durch das Exil nicht zunichte gemacht (2. Chr 3,1-2; 2. Sam 7,1-17; 1. Chr 17,7-15; Jer 31,31-34)

Gottes Wesen im 2. Buch Chronik

  • Gott ist gut (2. Chr 30,18)
  • Gott ist groß (2. Chr 2,5)
  • Gott ist gerecht (2. Chr 19,7)
  • Gott ist langmütig (2. Chr 33,10-13)
  • Gott ist mächtig (2. Chr 13,4)
  • Gott ist treu (2. Chr 6,17)

Christus im 2. Buch Chronik

In 2. Chronik sehen wir, wie Gott die Linie Davids immer noch beschützt. Die von David getroffenen Vorbereitungen zum Tempelbau werden von Salomo fortgesetzt und er vollendet den Tempel des Herrn. Im NT vergleicht Christus sich mit dem Tempel. „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten“ (Joh 2,19). Der von Salomo erbaute Tempel wurde schließlich zerstört. Christus versprach den Gläubigen einen ewigen Tempel, nämlich sich selbst. In Offb 21,22 sehen wir das Neue Jerusalem, wo kein Tempel mehr steht, denn „der Herr, Gott der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm“.

Schlüsselworte im 2. Buch Chronik

  • Recht: Hebräisch yashar (2. Chr 14,1; 20,32; 24,2; 25,2; 26,4; 27,2; 28,1; 34,2) - wortwörtlich „ausgeglichen sein“ oder „aufrichtig sein“. Dieses Wort bezieht sich darauf, dass jemand gerecht oder rechtschaffen ist. Oft beschreibt es auch die Gerechtigkeit Gottes (5. Mo 32,4; Ps 111,7-8), ehrliche und aufrichtige Rede (Hi 6,25; Pred 12,10) oder den Wandel einer gerechten Person (Spr 11,3.6). Häufig wird dieses Wort auch eingesetzt, um die Qualität der einzelnen Könige in 1. und 2. Chronik zu beurteilen. David führte als König Israels ein beispielhaftes Leben der Gerechtigkeit (1. Kö 3,6), wodurch er auch den Maßstab für alle nachfolgenden Könige festlegte (2. Chr 17,3; 34,2).
  • Passah: Hebräisch pesach (2. Chr 30,1.15; 35,1.9.11.13.18.19) - wortwörtlich „vorbeigehen“ oder „über etwas springen“. Die Passahfeier erinnert an die Verschonung der Erstgeburt Israels, als Gott die Ägypter mit dem Tod ihrer Erstgeburt schlug. Überall, wo das Blut des Passahlammes an die Türpfosten gestrichen wurde, ging der Herr vorbei (2. Mo 12). Im Gesetz Moses wir das Passah noch genauer beschrieben; es erinnert die Israeliten daran, dass Gott ihnen sehr gnädig war (3. Mo 23,5-8; 4. Mo 28,16-25; 5. Mo 16,1-8). Auch Jesus feierte Passah mit seinen Jüngern (Mt 26,2.18). Als Jesus sich für unsere Sünde opferte, wurde er zum perfekten Passahlamm (Joh 1,29; 1. Kor 5,7; 1. Petr 1,19).

Gliederung

Die Regierungszeit Salomos (2. Chr 1,1 - 9,31)

  • Krönung und Anfänge (2. Chr 1,1-17)
  • Der Tempelbau (2. Chr 2,1 - 7,22)
  • Wohlstand und Errungenschaften (2. Chr 8,1 - 9,28)
  • Tod (9,29-31)

Die Regierungszeiten der Könige von Juda (2. Chr 10,1 - 36,21)

  • Rehabeam (2. Chr 10,1 - 12,16)
  • Abija (2. Chr 13,1-22)
  • Asa (2. Chr 13,23 - 16,14)
  • Josaphat (2. Chr 17,1 - 21,3)
  • Jehoram (2. Chr 21,4-20)
  • Ahasja (2. Chr 22,1-9)
  • Atalja (2. Chr 22,10 - 23,21)
  • Joas (2. Chr 24,1-27)
  • Amazja (2. Chr 25,1-28)
  • Ussija (2. Chr 26,1-23)
  • Jotam (2. Chr 27,1-9)
  • Ahas (2. Chr 28,1-27)
  • Hiskia (2. Chr 29,1 - 32,33)
  • Manasse (2. Chr 33,1-20)
  • Amon (2. Chr 33,21-25)
  • Josia (2. Chr 34,1 - 35,26)
  • Joahas (2. Chr 36,1-4)
  • Jehojakim (2. Chr 36,5-8)
  • Jehojachin (2. Chr 36,9-10)
  • Zedekia (2. Chr 36,11-21)

Der Erlass des Kyros, nach Jerusalem zurückzukehren (2. Chr 36,22-23)

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

Die beiden Stadtrivalen, Athen und Sparta, rufen einen Waffenstillstand, der 30 Jahre anhalten sollte, aus. (445-415 v. Chr.)

Häufig auftauchende Fragen

1. Wie wirkt sich die Zuhilfenahme außerbiblischer Quellen auf den Unfehlbarkeitsanspruch der Schrift aus? Waren diese anderen Dokumente auch inspiriert?

In 1. und 2. Chronik werden verschiedentlich andere Quellen zitiert. Esra beruft sich mehrmals auf persische Quellen. Auch andere Bücher beziehen sich auf außerbiblische Angaben. Bei der Beantwortung dieser Frage dürfen wir uns nicht nur auf das Auftauchen einzelner außerbiblischer Texte konzentrieren, sondern die verschiedenen Stellen, wo die Bibel fremde Dekrete, heidnische Führer oder andere säkulare Texte aufführt, müssen miteinbezogen werden.
Die Tatsache, dass eine außerbiblische Quelle zitiert wird, macht diese Quelle nicht automatisch zu einem inspirierten Text. Der Inhalt der Bibel ist Wahrheit. Quellen müssen nicht unbedingt wahr sein, nur weil sie in der Bibel aufgeführt werden. In der Bibel finden wir aber Fakten, die wahrheitsgetreu wiedergegeben werden. Der Inhalt der Bibel ist und bleibt wahr, auch wenn das Zitat von außerhalb der Bibel stammt. Die von Gott inspirierten Verfasser der Bibel bedienten sich gelegentlich wahrheitsgetreuer Berichte, deren Ursprung aber eindeutig außerbiblischer Natur war.
Dieser Umstand soll uns daran erinnern, dass Gottes Wort von Menschen, die unter seiner Anleitung und Führung standen, in reellen historischen Situationen verfasst wurde. Diese außerbiblischen Zitate untermauern den Realitätsbezug der Bibel. Gottes Wort offenbart den einen und wahren Gott; er ist ultimative Realität.

11. Kurzstudium zum 2. Buch Chronik/einige Fragen

  • Wer waren deiner Meinung nach die zwei oder drei besten Könige in 2. Chronik?
  • Welche Könige verführten während ihrer Herrschaft das Volk am meisten zum Bösen?
  • Welche Lektion können wir in 2. Chronik hinsichtlich des Gebets lernen?
  • In welchem Zusammenhang steht 2Chr 7,14 und was bedeutet dieser Vers?
  • Am Ende von 2. Chronik ist die Nation zusammengebrochen und der Tempel liegt in Schutt und Asche. Wie konnte es zu diesem Desaster kommen?
  • Wie wirken sich gute Entscheidungen, die du in der Vergangenheit getroffen hast, auf dein heutiges Leben und deine jetzige Situation aus?

Impressum

1. Auflage 2003
© 2001 by John MacArthur
Originaltitel: The MacArthur Quick Reference Guide To The Bible
Nelson / Word Publishing Group, Nashville
© der deutschen Ausgabe 2003
by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung
Postfach 11 01 35 • 33661 Bielefeld
Internet: www.clv.de 
Übersetzung: Martin Manten, Berlin
Lektorat: Claudia Kreutzer und Gabi Manten
Satz: CLV
Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN: 3-89397-644-2