ist die Hauptperson des alttestamentlichen Buches Ruth, einer historischen Erzählung in kunstvoller Prosa. Ihr Name könnte verkürzt aus hebräisch re’ut entstanden sein und bedeutete dann Kameradin. Rut war eine Moabiterin, die zur Zeit der Richter lebte. Als in Bethlehem eine Hungersnot herrschte, waren Elimelech und Noomi mit ihren beiden Söhnen Machlon und Kiljon nach Moab ausgewandert. Elimelech starb in der Fremde, und seine beiden Söhne heirateten moabitische Frauen: Rut und Orpa. Auch Noomis Söhne starben, und als sie als Witwe allein mit ihren beiden Schwiegertöchtern dastand, entschied sie, in Begleitung von Ruth und Orpa nach Bethlehem zurückzukehren, wo die Hungersnot inzwischen vorüber war. Unterwegs wandte sich Noomi an ihre Begleiterinnen und stellte ihnen frei, nach Hause umzukehren. Orpa verabschiedete sich von ihrer Schwiegermutter, doch Ruth stellte sich treu und mutig auf Noomis Seite: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott« (Rut 1,16). So erreichten die beiden Frauen Bethlehem zur Zeit der Gerstenernte – eine günstige Chance für Rut und Noomi, die nun nach geltendem Recht übrig gebliebene Ähren sammeln durften.
Zur selben Zeit wie Ruth war auch Boas auf dem Feld, ein Verwandter von Noomis verstorbenem Mann Elimelech, der sich bei seinen Mitarbeitern gleich nach ihr erkundigte. Als er erfuhr, dass sie ihre Familie und ihr Land zurückgelassen hatte, um Noomi beizustehen, bot er ihr Schutz und Verpflegung auf seinen Feldern an.
Nach der Ernte wurde es Zeit für das Dreschen, und Noomi gab Ruth den Rat, Boas nachts aufzusuchen und um Schutz zu bitten, was Rut tat. Sobald es hell war, sandte er sie nach Hause zurück mit einem Geschenk von sechs Maß Gerste und der Zusicherung, dass er sie gemäß dem levitischen Ehegesetz heiraten würde, wenn ihr nächster Verwandter nicht dazu bereit wäre. Mit zehn Stadtältesten als Zeugen bat er Noomis Verwandten, ein Stück Land einzulösen, das Elimelech gehört hatte. Dieses Land war ein heiliges Pfand, und die Familie durfte es nicht verlassen. Mit der Einlösung des Landes war die Verpflichtung verbunden, Ruth zu heiraten. Da der Verwandte nicht die nötigen Mittel hatte zum Einlösen, verzichtete er auf sein Recht zugunsten Boas’.
Ruth und Boas heirateten, und ihr erster Sohn, Obed, wurde Davids Großvater (1. Chr 2,12), der in Matthäus 1,5 auch in Jesu Stammbaum erscheint. Diese so menschliche Erzählung um Rut und ihre Familie beschreibt Vorbilder, die in Güte, Treue und Ehrfurcht vor Gott lebten: Da ist die Treue und Gerechtigkeit Ruths, die Noomi nicht verließ, und die Treue Noomis, die sich um Ruth sorgte; da ist die Gemeinschaftstreue des Boas, der das alte Bundesrecht ernst nahm, indem er den Acker kaufte und Ruth heiratete.
Letztlich geht es aber um Gott, der tötet und Trauer bringt, arm und reich macht und dessen Gnade und Treue nicht aufhören: Durch alles menschliche Irren und Wirren führt und beschenkt er die, die zu ihm stehen, und so mündete Ruths schlichte Familiengeschichte unversehens in Gottes große Heilsgeschichte ein.