Saul
Neben dem bekanntesten Vertreter dieses Namens, dem ersten König von Israel, gibt es drei weitere Männer im Alten Testament, die Saul heißen, und auch der jüdische Name des Apostels Paulus lautet so. Er bedeutet (von Gott) erbeten oder (Gott zum Dienst) geliehen.
- Die Geschichte von König Saul begann wie ein Märchen, endete schließlich aber wie eine Tragödie. Saul kam aus dem Stamm Benjamin, sein Vater hieß Kisch und sein Heimatort Gibea. Gib uns einen König, der uns richte (1. Sam 8,6), verlangte das Volk, als Samuel Richter und Prophet in Israel war. Mit ihm selbst waren die Israeliten sehr zufrieden, doch seine Söhne waren bestechlich und eigennützig, und da er selbst inzwischen alt war und die umliegenden Völker von Königen regiert wurden, forderte das Volk nun auch einen König an seiner Spitze. Entgegen seiner eigenen Überzeugung, aber weil Gott es ihm befahl, salbte Samuel Saul zum König. Saul war ein gut aussehender Mann, hochgewachsen und auf der Suche nach entlaufenen Eselinnen, als Samuel ihm begegnete. Der Prophet lud ihn zum Essen ein, ließ ihm ein extra für ihn zurückbehaltenes Stück Fleisch zubereiten und machte ein Nachtlager für ihn zurecht (1Sam [[2]]). Am nächsten Morgen machten sich die beiden Männer auf zum Ende der Stadt. Samuel nahm einen Krug mit Öl, goss es über Sauls Kopf und sagte: Siehe, der Herr hat dich zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt (1Sam 10,1). Als Saul sich von Samuel abwandte, um wegzugehen, gab Gott ihm ein anderes Herz (1. Sam 10,9). Gott bestätigte diese Salbung kurz darauf während einer Volksversammlung. Samuel ließ den König durch ein Losverfahren bestimmen, und das Los traf auf Saul, der sich zunächst versteckt hielt. Bei beiden Gelegenheiten, der Salbung und der Auslosung, wird Sauls Bescheidenheit hervorgehoben, später in seinen Kämpfen ist es seine Großmut. Sauls Anerkennung als König erfolgte schließlich durch den Sieg über die Ammoniter und die Errettung des belagerten Jabesch in Gilead (1. Sam 11). Überhaupt werden von Sauls Aufgaben und Taten vor allem seine Auseinandersetzungen mit den Nachbarvölkern Israels erwähnt, auf die inneren Angelegenheiten Israels scheint er weniger Einfluss gehabt zu haben. Obwohl von Gott eindeutig erwählt und bestätigt, wurde Saul sehr bald von Gott verworfen. Der dreifache Anlass scheint geringfügig: Saul griff ungeduldig in Samuels Opferamt ein (1. Sam 13), legte ein übereiltes Gelübde ab (1. Sam 14) und führte auf Anraten des Volkes einen Befehl Gottes nur ungenau aus (1. Sam 15). Schon bald bereute Gott Sauls Erwählung, aber wie schon die Salbung, blieb die Verwerfung zunächst eine Sache zwischen Saul und Gott; offiziell unterstützte Samuel den König weiterhin. Erst nach und nach nahm die Verwerfung konkrete Formen an, indem David immer weiter aufstieg (1Sam 18,12; 20,31). Obwohl Gottes Abwenden zunächst noch keine öffentlichen Konsequenzen hatte, wurde Saul innerlich von einem bösen Geist vom Herrn (1. Sam 16,14) gequält. Um sich Ablenkung und Beruhigung zu verschaffen, befahl er seinen Leuten, einen Saitenspieler für ihn zu finden. Auf diese Weise kam David an seinen Hof. Saul schloss ihn ins Herz und machte ihn zu seinem Waffenträger. Doch je erfolgreicher David wurde, angefangen bei seinem Kampf gegen den Riesen Goliat bis hin zu Schlachten, in die Saul ihn schickte, desto größer wurde Sauls Eifersucht, die durch den Jubel des Volkes gegenüber David nur noch verstärkt wurde. Als David eines Tages bei seinem täglichen Musikspiel vor Saul saß, versuchte dieser, ihn mit einem Speer zu erstechen. Doch als es David zweimal gelang, ihm zu entweichen, fürchtete sich Saul und machte David zum Heerführer. Saul verbiss sich immer mehr in seine feindseligen Gedanken gegenüber David, obwohl sein Sohn Jonatan ihm zu beweisen versuchte, dass David ihm nicht feindlich gegenüberstand. Auch dass David zweimal günstigste Möglichkeiten zu einem Attentat demonstrativ ausließ, konnte Saul nicht umstimmen. Und immerhin war sogar Saul
selbst zur Erkenntnis gekommen: Du bist gerechter als ich, du hast mir Gutes erwiesen; ich aber habe dir Böses erwiesen (1. Sam 19,4ff; 1. Sam 24). Dennoch blieb Saul bei seiner feindseligen Haltung, worin sicherlich auch diebesondere Tragik seines Lebens zu suchen ist. Nachdem Samuel gestorben war, hatte Saul Geisterbeschwörer und Zeichendeuter vertrieben. Als er aber von den Philistern bedroht wurde und keine Antwort von Gott bekam, verkleidete er sich und suchte selbst eine Geisterbeschwörerin auf, die Samuel rufen sollte. Dieser kündigte ihm nicht nur die Niederlage, sondern auch seinen Tod an. Tatsächlich fielen im Kampf gegen die Philister drei von Sauls Söhnen. Durch den Kampf in die Enge getrieben und schwer verwundet, stürzte sich Saul daraufhin ins Schwert (1. Sam 31). Als die Philister ihn fanden, köpften sie ihn und hängten seinen Leichnam an der Mauer von Beth-Schean auf. Aber die Einwohner von Jabesch hatten ihren Befreier nicht vergessen: Sie nahmen Sauls Leiche, verbrannten sie und begruben die Gebeine (1. Sam 31,11-13). David dichtete eine erschütternde Totenklage über Saul und Jonatan (2. Sam 1,17-27).
Eine alte Blutschuld Sauls an den Gibeonitern aber fand erst lange nach seinem Tod ihre Sühne, als zwei seiner Söhne und fünf Enkel hingerichtet wurden. Mit ihnen zusammen wurden nun auch Sauls und Jonatans Gebeine im Familiengrab seines Vaters Kisch beigesetzt (2. Sam 21,1-14). - Ein König von Edom, der aus Rehoboth am Strom stammte (1. Mo 36,37.38; 1. Chr 1,48.49).
- Ein Sohn Simeons von seiner kanaanäischen Frau (1. Mo 46,10; 2. Mo 6,15; 1. Chr 4,24). Von ihm stammt das Geschlecht der Sauliter (4. Mo 26,13).
- Ein Levit aus dem Geschlecht Kehaths und der Sohn Usijas (1. Chr 6,9).
- Saul oder Saulus ist der ursprüngliche Name des Apostels Paulus, mit dem er in Apg 7-13 genannt wird. Nachdem in Apg 13,9 gesagt wird: »Saulus aber, der auch Paulus heißt«, kommt Saul nur noch in Apg 22,7.13; 26,14 in der Erzählung des Paulus vor.