Wahrscheinlich war Salomo die schillerndste Figur im israelitischen Königstum: Übermenschliche Weisheit und großartiger Reichtum werden von ihm berichtet, und er wurde bekannt durch die vielen Frauen, die er hatte, und den Tempelbau. Sein Name wird David in 1. Chronik 22,[[2]] angekündigt. Er bedeutet »friedfertig, friedevoll« und wird von schalom, Friede, Wohlergehen, abgeleitet. Salomos Erzieher, der Prophet Nathan, nannte ihn Jedidja, Geliebter des Herrn (2. Sam 12,24).
Salomo war der zweiter Sohn von David und Batseba (2. Sam 12,24). Sein Geburtsjahr wird etwa um 990 v.Chr. vermutet, 20 Jahre später wurde er Zweitkönig und regierte nach Davids Tod das noch ungeteilte Reich von Israel und Juda etwa von 965-926 v.Chr (1Kön 1-11; 1Chr 29,20 bis 2Chr 9). In der biblischen Erzählung über David wird Salomo nur bei seiner Geburt und dann bei Gottes Verheißung für David erwähnt, allerdings ohne Namensnennung. Gott kündigte David darin einen Nachkommen an: »Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich« (1Sam 7,13). Erst in den letzten Tagen Davids, als es um die Thronnachfolge geht, taucht der Name Salomo wieder auf.
Salomos Regierungsantritt
Offiziell war die Thronfolge zu dieser Zeit in Israel noch nicht geregelt, aber es schien doch ein ungeschriebenes Gesetz gegeben zu haben, nach dem immer der älteste Sohn der Nachfolger des Königs wurde. So war es nicht ganz unverständlich, dass Salomos älterer Bruder Adonija einen Versuch machte, Davids hohes Alter auszunutzen und den Thron zu besteigen: Er gab ein großes Fest, zu dem fast der ganze Hofstaat erschien und mit ihm einflussreiche Persönlichkeiten wie der Priester Abjatar und der General Joab. Eingeladen waren auch Adonijas sämtliche Brüder, mit Ausnahme von Salomo und ebenso wenig der Prophet Nathan und der Offizier Benaja. Während Adonija dabei war, seine Krönungsfeier vorzubereiten, planten Salomos Freunde, wie sie ihm einen Strich durch die Rechnung machen konnten: Nathan schickte Salomos Mutter Batseba zu David, die den König daran erinnerte, dass ihrem Sohn die Thronnachfolge versprochen war, und als sie noch mit ihm sprach, betrat auch Nathan das Zimmer und redete David ebenfalls zu, Adonija an seinem Vorhaben zu hindern. Daraufhin wurde David aktiv: Der Priester Zadok und der Prophet Nathan sollten Salomo öffentlich zum König salben, die Posaunen blasen und verkünden, dass er der Königsei. Adonijas Tafelrunde war inzwischen fertig mit dem Mahl und wunderte sich zunächst über den Aufruhr, um dann erschrocken den Heimweg anzutreten, als sie von den Ereignissen hörte. Adonija floh sicherheitshalber zum Altar und wurde dort auch von Salomo freigelassen, ohne allerdings ganz die Hoffnung auf den Thron aufzugeben (1. Kö 1).
Nach Davids Tod lag die Regierung sicher in Salomos Hand, und damit das auch so blieb, ergriff er einige harte Maßnahmen: Adonija trat wieder auf den Plan und bat Salomos Mutter Batseba, bei Salomo ein gutes Wort einzulegen, um ihm Abischag von Schunem zur Frau zu geben. Der gesamte Harem, zu dem sie gehörte, war ein Erbteil des Königs, und aus den Söhnen dieser Frauen wurde der Kronprinz bestimmt. So vermutete Salomo hinter Adonijas Bitte wohl ganz richtig einen Plan zur Thronbesteigung und griff hart durch, indem er Adonija noch am selben Tag töten ließ, seinen Unterstützer Abjatar in seinen Heimatort Anatot verbannte und auch Joab hinrichten ließ, womit seine Herrschaft wieder gesichert war.
Salomos Regierungszeit
Salomo nutzte auch noch andere Möglichkeiten, um seine Regierung zu stärken: Er schloss diplomatische Ehebündnisse. Ammonitische, moabitische, sidonische und hetitische Frauen gehörten zu seinem Hof und brachten ihm gute Kontakte, die dem Handel und der Sicherheit seines Landes dienten. Besonders seine Hochzeit mit einer Tochter des Pharao hat wohl seine Macht sehr gestärkt, zumal ein solches Ereignis, soweit man heute weiß, einmalig war in der Geschichte Ägyptens (1. Kö 3,1). Irgendwann zu Beginn seiner Regierungszeit zog Salomo nach Gibeon und verbrannte dort ein riesiges Opfer. In der Nacht erschien ihm daraufhin Gott im Traum: Bitte, was ich dir geben soll!, bot er Salomo an. Und anstatt an Reichtum oder Rache zu denken, antwortete der König bedächtig: »So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, damit er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist.« Gott freute sich über diesen Wunsch und versprach ihm zu der erbetenen Weisheit und Erkenntnis den Reichtum und ein langes Leben noch dazu (1. Kö 3,1-15). Schon ziemlich bald hatte Salomo Gelegenheit, seine Weisheit einzusetzen: Er musste als Richter über einen Fall entscheiden. Zwei Prostituierte kamen zu ihm, die im selben Haus wohnten und beide ein Kind bekommen hatten, von denen nur noch eins am Leben war. Daraufhin hatte die Mutter des toten Kindes die Säuglinge vertauscht, was sie natürlich heftig bestritt. Salomo hörte den Frauen zu, ließ sich schließlich ein Schwert bringen und befahl, das lebendige Kind zu teilen. Während die eine Frau dem Vorhaben zustimmte, war die andere entsetzt – wodurch Salomo sie als Mutter identifizierte und ihr den Säugling zusprach (1. Kö 3,16-28). Salomos Aufgaben beschränkten sich natürlich nicht auf das Richteramt. Unter seinem Vater und ihm hatte das Reich Juda und Israel seine größte Ausdehnung erreicht. Salomo herrschte über alle Königreiche vom Euphrat bis zum Land der Philister und bis an die Grenze Ägyptens. Dafür war eine gut funktionierende Verwaltungsform notwendig, die Salomo von seinem Vater übernahm und weiterentwickelte. Die Beamten waren in zwei Kategorien eingeteilt: gehobene Beamte, ähnlich unseren heutigen Ministern, die direkt dem König unterstanden, und Provinzgouverneure, die im Namen des Königs über zwölf eingeteilte Bezirke herrschten, die ungefähr den zwölf Stammesgebieten entsprachen (1. Kö 4,2-19). Die Handelsbeziehungen des Reiches waren international: Es konnte die Hauptkarawanenwege kontrollieren und angrenzende Völker zu Tributzahlungen heranziehen, und damit war der Bevölkerung ein relativ hoher Lebensstandard gesichert (1. Kö 4,20; 5,4.5; 10,25; 2. Chr 9,24). Neben ihrem Interesse an Salomos weitbekannter Weisheit waren Handelsbeziehungen möglicherweise auch ein Grund, warum die Königin von Saba zu Salomo nach Jerusalem kam, denn der Wert ihrer mitgebrachten Waren und Güter überstieg bei Weitem das, was man als angemessenes Geschenk betrachten würde – und auch die Dinge, die sie mit zurücknahm, waren wohl mehr als nur Geschenke (1. Kö 10,10ff; 2. Chr 9,9).
Salomos Baumaßnahmen
Der Tempelbau war ein Meilenstein in Salomos Regierungszeit. Schon David hatte das Haus Gottes bauen wollen, doch Gott hatte die Aufgabe seinem Nachfolger übertragen: Dein Sohn Salomo soll mein Haus und meine Vorhöfe bauen; denn ich habe ihn mir erwählt zum Sohn, und ich will sein Vater sein (1Chr 28,6). Salomo begann im vierten Jahr seiner Herrschaft, und nach siebenjähriger Bauzeit war der Tempel fertiggestellt. Die Priester und Leviten brachten die Bundeslade, die Stiftshütte und die Geräte des alten Heiligtums in das neue Gebäude. Unzählige Opfer wurden zur Einweihung dargebracht, und es wurde musiziert und gesungen. Gott bekannte sich zu dem Bau, indem er in Gestalt einer dicken Wolke von ihm Besitz nahm. Salomo sprach das Weihegebet, das immer wieder auf den Bund Gottes mit seinem Volk und David hinwies, danach segnete er das Volk und verkündete ein 14-tägiges Fest (1. Kö 6-8; 2. Chr 3-7). Vermutlich kurz nach der Einweihung des Tempels nahm Salomo einen weiteren Bau in Angriff: seinen Palast. Wie schon beim Tempelbau bat er Hiram von Tyrus, einen begabten Kupferschmied, um Hilfe. Sowohl Tempel als auch Palast werden in den Büchern Könige und Chronik ausführlich beschrieben, trotzdem bleibt es unmöglich, ihre Architektur im Detail zu rekonstruieren – zu viele Säulen und Hallen und Gestelle wurden über- und nebeneinander gebaut und angefertigt. 13 Jahre dauerte der Bau seines Palastes, außerdem nahm die Verstärkung von Verteidigungsanlagen in Jerusalem und anderen Städten, der Bau von Kornspeichern und Heiligtümern für die Gottheiten seiner zahlreichen ausländischen Frauen noch mehr Bauzeit in Anspruch.
Salomos Weisheit
Mit Salomo begann sich die Art der Thronbesteigung zu ändern: Waren vor ihm von Gott bestimmte Richter und Herrscher an der Regierung gewesen, hatte er als erster Nachkomme eines Königs in einer Dynastie den Thron bestiegen. Für diese Aufgabe hatte Gott ihm Weisheit und Erkenntnis gegeben, mit der er seine Zeitgenossen in den umliegenden Ländern übertraf (1. Kö 5,10.11). Nicht nur richtiges Denken, sondern auch praktisches Können, Organisationstalent und die Fähigkeit, zu urteilen und vernünftige Entscheidungen zu treffen, gehörten dazu. Viele seiner Gedanken und Beobachtungen, auch über Pflanzen und Tiere, wurden in 3000 Sprüchen und 1005 Liedern festgehalten, wie 1. Kö 5,12 berichtet. In den Sprüchen und zwei Psalmen, die er verfasst hat (Psalm 72 und 127).
Salomos Lebensende
Bei all seiner Weisheit, seinem Reichtum, Ruhm und seiner Erziehung durch den Propheten Nathan heißt es von Salomo, dass er viele ausländische Frauen liebte und sich wohl aus Liebe und Rücksicht ihnen gegenüber aktiv am Götzendienst beteiligte. Sein Herz war nicht ungeteilt bei dem Herrn, seinem Gott, wie das Herz seines Vaters David, urteilt die Bibel in 1. Könige 11,6. Diesen Bruch ihres gemeinsamen Bundes ließ Gott nicht ungestraft, sondern er kündigte Salomo an, dass seine Nachkommen nicht mehr über das ganze Reich, sondern nur noch über einen Stamm regieren sollten. Im Auftrag Gottes kündigte der Prophet Ahija dem obersten Aufseher der Fronarbeiten, Jerobeam, die Herrschaft über die übrigen zehn Stämme an. Salomo versuchte daraufhin, ihn umzubringen, doch Jerobeam konnte nach Ägypten fliehen und wurde nach Salomos Tod König des Nordreiches Israel. Das Südreich Juda trennte sich davon und wurde von Salomos Sohn Rehabeam regiert. Als Salomo nach vierzigjähiger Herrschaftszeit starb, hinterließ der weise und reiche Herrscher, der dritte König im israelitischen Königtum, ein geteiltes Reich (1. Kö 11).