war zwanzig Jahre lang der letzte im Richterbuch erwähnte Richter von Israel. Sein Name hängt mit dem hebräischen Wort schämäsch für Sonne zusammen und ist die Verkleinerungsform, bedeutet also kleine Sonne. So klein oder unbedeutend aber war der Sohn Manoachs aus dem Stamm Dan nicht. Zu seiner Zeit verhielt sich das Volk Israel wie oft in der Richterzeit: Es wandte sich von Gott ab und hatte daraufhin unter seinen Feinden, den Philistern, zu leiden.

Aber auch diesmal griff Gott ein, indem er einen Retter auswählte, Simson nämlich. Noch bevor er geboren wurde, schickte Gott zweimal einen Engel zu seinen Eltern, der ihnen mitteilte: Der Knabe soll ein Geweihter Gottes sein von Mutterleibe an bis zum Tag seines Todes; und er soll anfangen, Israel zu erretten aus der Hand der Philister (Ri 13,5). Bevor das aber im Vordergrund stand, spielten für Simson Frauen eine entscheidende Rolle. Unter den Philisterinnen traf er eine, die ihm sehr gefiel, und obwohl seine Eltern es lieber gesehen hätten, wenn er sich in seinem eigenen Volk umgeschaut hätte, begleitete sein Vater ihn zu ihrer Stadt. Für eine kurze Zeit müssen sich jedoch die Wege getrennt haben, denn Simson begegnete allein einem jungen Löwen. Ohne irgendeine Waffe in der Hand, erledigte Simson die Raubkatze, als Gottes Geist über ihn kam. Seinen Eltern gegenüber verlor Simson jedoch kein Wort über die Angelegenheit. Das Mädchen gefiel ihm tatsächlich, und wenige Tage später machte er sich erneut auf den Weg zu ihr, um sie zu holen. Einen Blick wollte er außerdem noch einmal auf den toten Löwen werfen und stellte fest, dass sich inzwischen ein Bienenschwarm in den Kadaver eingenistet hatte, und nahm eine Portion Honig daraus für seine Eltern mit. Wie es sich gehörte, wurde in der Stadt des Mädchens ein großes Hochzeitsfest gefeiert, und als besondere Unterhaltung stellte Simson seinen Gästen eine Rätselfrage, für deren Beantwortung er Gewänder und Feierkleider als Preis aussetzte: »Speise ging aus vom Fresser und Süßigkeit vom Starken.« Drei Tage lang grübelten die dreißig Gäste erfolglos, bis sie Simsons Frau erpressten, ihm die Lösung abzuringen und ihnen mitzuteilen.
Und die Frau hatte ihre Wege, Simson die Lösung ausplaudern zu lassen, und verriet sie ihren Landsleuten: Was ist süßer als Honig? Was ist stärker als der Löwe? Natürlich wusste Simson, dass sie nicht selbst auf die Antwort gekommen waren, und wurde zornig. Um die versprochene Belohnung geben zu können, erschlug er dreißig Männer und gab den Gästen ihre Kleider. Anschließend kehrte er vorerst nach Hause zurück (Ri 14). Mit einer kleinen Ziege im Gepäck machte er sich dann später auf, um seine Frau wiederzusehen. Zu seiner Überraschung musste er aber feststellen, dass ihr Vater sie seinem Gesellen gegeben hatte. Auf das Angebot, ihre kleine Schwester stattdessen zunehmen, ging Simson nicht ein, sondern fühlte sich frei, sich endlich gerechtfertigt an den Philistern zu rächen. 300 Füchse mussten dafür herhalten, denen Simson Fackeln an die Schwänze band und die er durch die Felder und Weinberge laufen ließ. Natürlich erregte das den Zorn der Philister, die daraufhin in den Kampf gegen Juda zogen. Doch die Judäer ließen sich auf einen Kampf nicht ein, sondern gaben den Philistern, was sie wollten, nämlich ihren Landsmann Simson. Gefesselt mit zwei frischen Stricken wurde er ausgeliefert und jauchzend von den Philistern empfangen – doch schon bald verging ihnen die Freude. Genau wie bei der Begegnung mit dem Löwen kam auch diesmal Gottes Geist über ihn. Er zerriss seine Fesseln, fand den Kinnbackenknochen eines Esels und erschlug damit tausend Philister (Ri 15). Später hatte er ein drittes Mal Gelegenheit, seine enorme Kraft zu demonstrieren. Seine Feinde hörten, dass er bei einer Prostituierten war, und umstellten die Stadt, um ihn am nächsten Morgen zu töten. Doch
Simson durchkreuzte ihre Absichten, als er um Mitternacht zum Stadttor kam, es einfach aus den Angeln hob und wegtrug (Ri 16,1-3).

Simsons Leben bleibt für uns spannungsreich: Einerseits steht er durch die Ankündigung seiner Berufung vor seiner Geburt in einer Reihe mit Männern wie Samuel, Jeremia und Johannes dem Täufer, und auch in seiner Lebenszeit wird immer wieder der Segen und Geist Gottes erwähnt, der auf seinem Leben lag und darin wirkte (Ri 13,24f; 14,6; 15,14). Auf der anderen Seite aber steht seine Schwäche für Frauen – die Gott allerdings gerade benutzte, um Israel aus den Händen der Philister zu erretten. In sein Leben trat eine neue Frau: Delila. Die Philister erkannten ihre Chance, endlich das Geheimnis seiner Stärke aufzudecken, und boten ihr jeder 1100 Silberstücke. Delila setzte ihre weiblichen Waffen ein, doch dreimal nannte Simson ihr eine falsche Möglichkeit, ihn zu besiegen. Erst als sie weiter versuchte, ihm die wirkliche Antwort zu entlocken, wurde Simson schwach und gestand, dass seine Haare bisher nicht geschnitten worden waren und darin seine Kraft lag. Die Philister ließen sich nicht zweimal bitten, diese Möglichkeit auszuprobieren, schnitten seine Haare und hatten Erfolg. Für Simson folgte eine Zeit der Demütigung. Gott stand ihm nicht mehr zur Seite, und mit ausgestochenen Augen musste er den Philistern als Gefangener dienen. Doch neue Hoffnung kündigte sich an: »Das Haar seines Hauptes fing wieder an zu wachsen.« Ein großes Opferfest für ihren Gott Dagon wurde bei den Philistern angesetzt, und Simson sollte ihnen dafür Unterhaltung liefern. Ein Junge führte ihn durch den überfüllten Tempel zwischen die Säulen. Ein letztes Mal bat er Gott um Kraft – und bekam sie. Gegen die Säulen gestemmt brachte er den Tempel zum Einsturz, sodass nicht nur er, sondern vor allem noch viel mehr Philister umkamen, als er schon zu Lebzeiten getötet hatte. Er selbst wurde dann von seinen Brüdern im Grab seines Vaters beigesetzt (Ri 16).

Das Alte Testament nennt keinen seiner Helden vollkommen, aber wohl kaum eine Person lebte in solch einer Zerreißprobe zwischen Berufung und Eigensinn wie Simson. Im Hebräerbrief wird er jedoch unter die Väter des Glaubens gerechnet (Hebr 11,32ff), ein weiteres Beispiel dafür, dass für die Bibel nicht moralisches Verhalten der letzte Maßstab ist, sondern dass Gott auch Schwachheit benutzen kann und dass Vertrauen auf Gott letzten Endes etwas bewirkt.

Erklärung der Farben

im Bibeltext

Blau Handeln Gottes
Blau Rede Gottes
Rot Betrift mein Leben
Grün

Verheißung / Versprechen

Grün Verheißung / Versprechen
Braun wichtig
Beige wichtig
Türkis Jesus
Gelb Heiliger Geist