Neben dem Propheten, von dessen Weissagungen das gleichnamige alttestamentliche Buch berichtet, erfahren wir noch von zwei weiteren Männern mit diesem Namen etwas ausführlicher, andere werden kurz erwähnt. Micha ist wohl
eine Kurzform von Michael, Wer ist wie Gott?.
- Ein Mann vom Gebirge Ephraim, über den in Ri 17-18 berichtet wird. Er entwendet seiner Mutter 1100 Silberstücke, gibt sie ihr aber aus Furcht vor ihrem Fluch wieder zurück. Die Mutter lässt daraufhin für 200 Silberstücke ein geschnitztes und gegossenes Bild anfertigen, das in Michas Haus aufgestellt wird. Micha lässt dazu einen Priesterschurz und Hausgötzen machen und weiht einen seiner Söhne zum Priester. Später kommt der Levit Jonatan aus Bethlehem in Juda zu ihm, den er als Priester bei sich behält. Als die Daniten auf dem Weg zur Eroberung vonLajisch bei Micha vorbeikommen, führen sie den Priester mit den Götzenbildern fort. All das zeigt den geistlichen und sittlichen Verfall zur Richterzeit, als es keinen König in Israel gab und jeder tat, was ihm gefiel (Ri 17,6). Nach spätjüdischer Tradition wohnte Micha in Gerab, dem heutigen Chirbet Dscherabe, ca. 2 km westlich von Silo.
- Ein Sohn von Mefi-Boschet, dem gelähmten Sohn von Jonatan (2. Sam 9,12; 1. Chr [[3]],34.5; 9,40.41).
- Ein Levit aus dem Geschlecht Kehats zur Zeit Davids (1. Chr 23,20; 24,24.25).
- Ein Prophet, von dem in 1. Könige 22 und 2. Chronik 18 berichtet wird. Ahab, der König von Israel, will sich mit Joschafat, dem König von Juda verbünden, um gegen den König von Aram in den Kampf zu ziehen. Joschafat stimmt dem grundsätzlich zu, will aber vorher Ahabs Propheten nach Gottes Willen befragen lassen. Auch als sich schon alle Propheten zustimmend geäußert haben, bleibt er misstrauisch und hakt hartnäckig nach, ob nicht noch irgendwo ein weiterer Prophet sei. Ein Bote holt Micha herbei, der bei Ahab schon dafür bekannt ist, dass er sich negativ äußert. Der Bote bittet ihn eindringlich, den König zu bestätigen, aber Micha lässt sich nicht beirren: »Was mein Gott sagen wird, das will ich reden«. Als der König ihn befragt, rät Micha ihm dennoch zum Kampf, erst auf Nachfrage hin erzählt er von seiner Vision, in der er das Volk zerstreut und ohne König gesehen hatte. Und er gibt auch die Erklärung dafür, dass die anderen Propheten das Gegenteil behauptet haben: Gott hatte sie von einem Lügengeist verführen lassen, damit Ahab in den Kampf zöge und dort umkäme. Ahab indes lässt sich von alldem nicht beeindrucken, sondern zieht mit Joschafat in die Schlacht. Allerdings verkleidet er sich, damit ihn die Gegner nicht als König erkennen können – vergeblich: Er wird »von ungefähr« mit Pfeil und Bogen getötet, und die Weissagung des Propheten Micha erfüllt sich.
- Ein Mann aus dem Stamm Ruben. Er war ein Sohn Schimis und der Vater Reajas (1. Chr 5,5).
- Ein Levit, der die Verpflichtung des Volkes auf das Gesetz zur Zeit Nehemias unterschrieb (Neh 10,12).
- Ein Levit aus dem Geschlecht Asafs zur Zeit Nehemias. Er war der Vater des Mattanja (Neh 11,17; 1. Chr 9,15).
- Ein anderer Levit aus dem Geschlecht Asafs und ebenfalls der Vater eines Mattanja, dessen Urenkel Usi zur Zeit Nehemias lebte (Neh 11,22). Vielleicht ist er derselbe wie der Michaja, der in Neh 12,35 erwähnt wird.
- Ein Prophet zur Zeit Jesajas, dessen Weissagungen im gleichnamigen Buch des Alten Testaments zu finden sind (Mi 1,1). Aus Jeremia 26,18 und besonders aus Micha 1-3 können wir einige wenige Einzelheiten über die Person Michas entnehmen. Der Überschrift in Micha 1,1 zufolge stammt er aus Moreschet, einer Tochtersiedlung von Gad, 35 km südwestlich von Jerusalem. Er lebte zur Zeit der Könige Jotam, Ahas und Hiskia, also innerhalb des Zeitraumes von 756-697 v.Chr. Wie sein Zeitgenosse Jesaja trat er im Südreich auf, vor allem in seiner Heimat, aber auch in Jerusalem. Die Umstände von Michas Berufung zum Propheten teilt das Buch dann aber ebenso wenig mit wie andere biografische Einzelheiten.
Micha richtet seinen Vorwurf der Korruption und der Zerstörung der brüderlichen Jahwe-Gemeinschaft vor allem an die führenden Stände: Er wendet sich an Richter, Propheten und Priester, die beauftragt waren, Recht, Gerechtigkeit und Gesetz zu vermitteln (Mi 3, 9-11), aber auch an habgierige Großgrundbesitzer und andere. Micha sieht wegen der angehäuften Schuld unabwendbares Unheil in Gestalt eines brutalen Eroberers kommen, der einen Vernichtungskrieg bis hin zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels führen wird (Mi 3,12; Mi 1,16; 2,3f). Michas Gegner pochen auf heilige Traditionen Israels: auf die Sicherheitsgarantie Zion, die feste Burg, auf den Jakobssegen und auf die Rettermentalität Jahwes. Alle diese Traditionen erklärt Micha als nur für die »Frommen« zutreffend (Mi 2,7). An einer Stelle drückt er deutlich aus, wie deren Leben auszusehen hat, und erinnert damit an Jesu Doppelgebot der Liebe: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Michas Verkündigung zeigt viele Berührungspunkte mit dem Jesajabuch. Wie Jesaja erhofft Micha den künftigen Frieden nicht mehr von den in Jerusalem regierenden Nachkommen Davids, sondern aus Bethlehem. Michas Prophetie hat einen farbenkräftigen Stil: Er benutzt Alliteration, Wortspiele und derb-drastische Metaphern und zitiert öfter seine Gegner, um ihnen dann aggressiv zu widersprechen. Wenn er mal mit grausigen Bildern schockiert und mal zartes Mitgefühl für seine leidenden Mitmenschen zeigt, drückt das nur die beiden Seiten seiner erregten Leidenschaft aus, mit der er seinen Prophetendienst ausübt.