Zwei Männer mit diesem Namen, der Vaters Bruder, d.h. ganz der Vater bedeutet, sind im Alten Testament genannt:
- Der Sohn und Nachfolger von König Omri von Israel, der Begründer der Dynastie. Seine Regierungszeit (874-852 v.Chr.) ist gekennzeichnet durch religiöse Kämpfe im Innern und das erfolgreiche außenpolitische Ringen um die
Vormachtstellung Israels in Palästina und Aram.
Durch seine Frau Isebel, die tatkräftige Tochter des Königs Etbaal von Sidon, wird Ahab zum Baalsdienst hinübergezogen. Die Stierbilder Jerobeams sollten in erster Linie nur den Tempeldienst in Jerusalem ersetzen (1. Kön 12,27.[[[[6]]]]) und waren auch nicht als Ersatz für den Jahwe-Glauben gedacht, sondern sozusagen als seine Throne. Unter Ahab wird nun ganz offiziell die Verehrung fremder Götter in Israel eingeführt; das bedeutet den Kampf zwischen Baal und Jahwe. Die Königin Isebel ist die treibende Kraft der Anhänger Baals, ihr Gegner ist der Prophet Elia. Zwischen ihnen steht Ahab, und es ist auffällig, dass die Namen seiner drei Kinder, die wir kennen, alle mit dem Namen Jahwe zusammengesetzt sind: Ahasja, Joram, Atalja. Aber seine Frau gewinnt immer wieder Macht über ihn zum Bösen. Ahab errichtet in Samaria einen Baalstempel und -altar und ein Bild der Aschera (1. Kö [[3]],31-33); die Altäre des Herrn werden zerstört, seine Propheten ausgerottet bis auf 100, die der Hofmeister Obadja retten kann (1. Kö 18,4; 19,10). Dafür treiben nun 450 Priester und Propheten des Baal und 400 der Aschera in Israel ihr Unwesen (1. Kö 18,19). Auf den in Samaria ausgegrabenen Elfenbeintäfelchen aus Ahabs Palast (1. Kö 22,39) finden sich Darstellungen ausländischer Gottheiten.
Der Herr antwortet auf die Verehrung der Fruchtbarkeitsgötter mit einer jahrelangen Dürre und Hungersnot, die Elia angekündigt hatte (1. Kö 17,1). Ehe es wieder regnet, erhält der Prophet den Auftrag, die Priester des Baal und der Aschera zu einem öffentlichen Gottesurteil auf dem Berg Karmel herauszufordern, was Ahab zugesteht. Baal schweigt, aber herabfallendes Feuer verzehrt das für den Herrn bereitete Brandopfer. Daraufhin tötet Elia die Propheten Baals (1. Kö 18), nicht als Akt der Rache oder des Fanatismus, sondern nach uraltem Recht, demzufolge auf jeder Form des Abfalls von Jahwe die Todesstrafe steht (2. Mo 22,19; 5. Mo 13,7-12).
Ahab scheint betroffen, doch Isebel beugt sich nicht. Sie droht Elia mit dem Tode, sodass er flieht. Am Berg Horeb beauftragt ihn der Herr, die zu berufen, die sein Gericht über Ahab und Isebel vollziehen sollen: Hasaël zum König von Aram, Jehu zum König von Israel, Elisa zum Propheten und zu seinem Nachfolger (1. Kö 19; die ersten beiden Salbungen nimmt erst Elisa vor, 2. Kö 8,13; 9,2.3). Nach dem Justizmord an Nabot tritt Elia Ahab noch einmal entgegen und verkündet ihm das Urteil Gottes über das Königspaar und das Ende seines Geschlechtes. Als Ahab daraufhin Buße tut, verschiebt der Herr die Vollstreckung bis in die Zeit seines Sohnes (1. Kö 21).
Bei der Einführung des Baalsdienstes mag die politische Verbindung mit Tyrus und Sidon eine Rolle gespielt haben. Der Wiederaufbau Jerichos (1. Kö 16,34) unter Ahabs Regierung diente der Grenzsicherung gegen Moab. Beides richtet sich gegen den Herrn, scheint aber politisch notwendig als Flankendeckung im Hinblick auf den Kampf um die Vormachtstellung, den Ahab mit dem aramäischen König Ben-Hadad führt. Diese Vorsorge bewahrt Ahab jedoch nicht vor der drohenden Niederlage beim Einfall Ben-Hadads. Er verdankt die entscheidenden Siege, die er bei der Belagerung Samarias und im folgenden Jahr in offener Feldschlacht bei Afek gegen die aramäische Übermacht erringt, nicht der eigenen Stärke, sondern der Hilfe des Herrn und den Weisungen eines Propheten (dessen Name nicht genannt wird). Aber Ahab gibt den Erfolg wieder preis, indem er sich gegen den Willen des Herrn verleiten lässt, mit dem geschlagenen Ben-Hadad einen Vertrag zu schließen (1. Kö 20). Im Jahre 853 v.Chr. tritt Ahab gemeinsam mit anderen Königen in der Schlacht bei Qarqar am Orontes, nördlich von Hamat, dem vordringenden Assyrer Salmanassar entgegen. Nach assyrischen Angaben war Ahab mit 2000 Streitwagen und 10 000 Mann Fußvolk zum Heer der Verbündeten gestoßen, während die Aramäer nur 1200 Wagen stellen konnten. Die Schlacht verlief unentschieden, und die Assyrer zogen sich zurück.
Nach dreijährigem Frieden und dem gemeinsamen Kampf gegen die Assyrer nimmt Ahab jedoch seinen Streit mit dem König von Damaskus sofort wieder auf. Zusammen mit Joschafat von Juda, dessen Sohn Joram Ahabs Tochter Atalja zur Frau hatte, versucht er, Ramot in Gilead zu erobern. Die Warnung des Propheten Micha hat ihn nicht abhalten können; nur zieht er vorsichtshalber verkleidet in den Kampf. Doch das schützt ihn nicht; er wird verwundet und stirbt. Man bringt ihn nach Samaria und begräbt ihn dort. Als sein Wagen abgewaschen wird, lecken die Hunde sein Blut (1. Kö 22,1-38) – das Wort Elias hatte sich erfüllt (1. Kö 21,19).
Ahabs Verhängnis ist seine Frau Isebel, die den sehr gefühlsbestimmten König zum Abfall von Gott, zu Unrecht und Gewalttat verleitet. Alle seine politischen Erfolge, die auch nur vorübergehend sind, können sein dunkles Bild nicht aufhellen. Er zerbricht am Herrn. Nur Gottes Barmherzigkeit schont ihn zu Lebzeiten vor dem Gericht, das nach seinem Tode nicht mehr abzuwenden ist.
- Ein falscher Prophet unter den verbannten Juden in Babylon, der Sohn Kolajas. Jeremia weissagt seine Hinrichtungdurch den babylonischen König (Jer 29,21-23).